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Sicherheitswahn beim Weiche Spiel, Teil Eins

Fear and Loathing in Flensburg? Mitnichten!

2. Dez 12
 

Autor: Kermit

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Beim Betrachten des NDR-Berichts über die Geschehnisse rund um das Landesduell des ETSV Weiche und dem Spitzenreiter der Regionalliga Nord, der KSV Holstein, am Sonntagmittag in der NDR-Mediathek, stelle ich mit zugegebenermaßen nicht mehr ganz so großer Verwunderung fest, dass sich der NDR leider mal wieder auch nicht annähernd für das Spiel interessiert. Von dem 3 Minuten und 26-sekündigen Bericht zeigen handgestoppte 24 Sekunden Spielszenen aus dem Manfred-Werner-Stadion in Flensburg-Weiche.

Die eine Hälfte zeigt davon einen Lattenkopfball der Kieler Störche in der ersten Halbzeit und die andere Hälfte das Tor durch Tim Siedschlag zum 2-0 in der zweiten Halbzeit. Den Kieler Führungstreffer durch den Dänen Casper Johansen, der dem Spiel nahe seiner dänischen Heimat lange Zeit seinen Stempel aufgedrückt hatte, vergisst der NDR offensichtlich komplett. Oder es interessiert die Redakteure einfach gar nicht. Gut möglich, da der Beitrag sich die restliche Zeit vollständig darauf konzentriert, eine Polizei- und Sicherheitsdokumentation zu liefern. Dass dabei kaum journalistische Maßstäbe angelegt werden, scheint dabei auch niemanden zu interessieren. Aussagen wie „Einige Kieler Fans hatten im Internet mit Ärger gedroht, wollten mehr Eintrittskarten“ und „Dabei gehen in das kleine Stadion einfach nicht mehr [Menschen, Anm. d. Red.] rein“ werden einfach von der NDR-Off-Sprecherin behauptet, ohne dass dazu anscheinend auch nur der alibimäßige Versuch einer Recherche unternommen wurde, sodass sich das ganze also auch noch wunderbar passend als Kieler Fans drohen mit Ärger“ in der Mediathek betiteln lässt.

 

Als jemand, der sich im Vorfeld relativ zeitintensiv mit sämtlichen Onlinequellen von Diskussionen und Berichterstattungen über dieses Spiel beschäftigt hat, glaube ich an dieser Stelle einfach sagen zu können, dass diese Behauptungen ganz klar der Unwahrheit entsprechen (Sollte jemand Gegenteiliges gefunden haben, wäre ich über eine Quellenangabe dankbar!). Den eigenen Aufruf des Holsteinblocks, auch ohne Ticket nach Flensburg zu fahren, kann man wohl kaum als „Ankündigung für Ärger“ darstellen. Schließlich haben wohl auch die meisten der ohne Karte Mitgereisten auf legalem Wege vor dem Stadion eine Karte erwerben können. Von daraus resultierenden Problemen ist nichts bekannt.

Angesichts der generellen NDR-Berichterstattung zum Thema Regionalliga Nord, fällt es mir darüber hinaus mittlerweile schwer solch populistische und ketzerische Art und Weise der Berichterstattung als fahrlässige Außerachtlassung einfachster journalistischer Sorgfaltspflichten und somit unabsichtliche falsche oder unvollständige Berichterstattung abzutun. Langsam scheint sich der NDR nicht mehr ernsthaft gegen den Eindruck erwehren können, dass hinter solcher Art von Berichterstattung System zu stecken scheint. Ob dabei schlicht und ergreifend die Sensationslust der verantwortlichen Redakteure dahinter steckt oder „von oben“ beim NDR derartige Quoten für das SH-Magazin vorgegeben werden, dass man mal mit der ein oder anderen Story, die zwar an der Wahrheit vorbei geht, dafür aber aufrührerisch ist, aufhorchen lassen muss, ist mir dabei nicht bekannt. Es interessiert mich aber auch nicht wirklich. Darauf hinzuweisen, dass der NDR als öffentlich-rechtlicher Sender aus Steuergeldern finanziert wird, ist eigentlich überflüssig. Nicht jedoch, dass der damit verbundene öffentliche Auftrag zur seriösen Berichterstattung aber so was von verfehlt wird.

weiche-kiel-fanblock

Der Spielverlauf und die Tourbeschreibung überlasse ich an dieser Stelle heute einfach mal den üblichen Verdächtigen des Holstein Forums, den Vereinsseiten der beiden Vereine, den Kollegen von Calcio Culinaria und Holstein-Fotos oder den Kieler Nachrrichten. Letztgenannten inzwischen allerdings nur ungerne. Zum Nachlesen einzelner Spieldetails empfehle ich den KN-Liveticker (Links siehe unten).

Nur eins zur Tour, die in kleiner Runde ab 10 Uhr auf dem Flensburger Weihnachtsmarkt nett und ohne Aufpasser eingeläutet wurde, gleich vorweg: Es haben glücklicherweise alle überlebt!

Und das obwohl, glaubt man jedenfalls diverser Vor- und Nachberichterstattungen über das Landesduell, durchaus Angst um Leib und Leben hätte haben können. Offensichtlich hatte man in Flensburg mit massiven Ausschreitungen zwischen Holsteinfans, die zwar zahlenmäßig dem Weicher Anhang deutlich überlegen waren und sich absolut vorbildlich verhielten und dem Weicher (Rentner-)Publikum befürchtet. Auch die intensive Suche diverser Medien im Vorfeld nach plausiblen Rechtfertigungsgründen für derart intensive Sicherheitsmaßnahmen war weitestgehend ergebnislos geblieben und gipfelte dann aus kurioser Sicht in der absurden KN-Spekulation, dass eventuell Handball-Anhänger der SG Flensburg/Handewitt mit befreundeten Fußball-Anhängern des SV Meppen für Provokationen hätten sorgen wollen. Warum offenbar Meppener den weiten Weg nach Flensburg hätten auf sich nehmen sollen, um dann einigen Kielern am Wegesrand zuzuwinken, wenn sie es auf einem Samstag vor einigen Wochen nicht einmal schaffen, ihr eigenes (!) Team mit mehr als 25 Leuten beim Auswärtsspiel im Holsteinstadion zu unterstützen, erschloss sich offensichtlich nur den KN und der Flensburger Polizei.

Womit wir beim nächsten Thema wären. Flensburger Polizei? Ohne jetzt direkt einen Einblick in polizeitaktische Details zu haben, bleibt es doch außerordentlich verwunderlich, dass die eingesetzten Landesbeamten, die dann die strategische Planung der offensichtlich in Sachen Fußball gänzlich unerfahrenen Flensburger Einsatzleitung in direkter Konsequenz umsetzen müssen, so wenig Mitsprache oder Anhörung finden. Dabei verfügen doch genau diese Polizisten über die größte Erfahrung in Sachen Fußballbegleitung in Schleswig-Holstein. Auch aus diesem Grund mutete es teilweise skurril an, dass man häufig auch erfahrenen Polizisten gegenüber stand, die manch Holsteinfan auch durch die Heimspiele am Westring bekannt sein dürften (zum Beispiel die "Hightower-Einheit") und eigentlich erfahren genug gewesen sein dürften, um zu beurteilen, dass das Flensburger Einsatzkonzept mehr politische Machtdemonstration als real bestehende oder drohende Gefahrensituation gewesen sein dürfte.

Offensichtlich bleibt außerdem auch, dass auf polizeistrategischer Ebene sogar innerhalb des selben Bundeslandes überhaupt keine Kommunikation untereinander stattfindet. Wie kann es also sein, dass bei Spielen in Schleswig-Holstein mit wohl unbestritten deutlich mehr Konfliktpotential die Dinge ganz anders gesehen und Probleme gelöst werden? Spiele, die sich auch aus einem fußballhistorischen Kontext heraus als „Derby“ bezeichnen lassen - und nicht auf Grundlage einer offensichtlich wenig einfallsreichen und billigen Marketingaktion als solches bezeichnet werden.

Zu nennen wären hier zum einen die in dieser Saison schon stattgefundenen Duelle zwischen Neumünster und Holstein, sowie Lübeck und Holstein in dieser und in der letzten Saison. Für alle drei genannten Spiele galt, dass sich die Polizei dezent im Hintergrund hielt und auch zu keiner Zeit aus irgendwelchen Gründen hätten intervenieren müssen. In Lübeck sammelte die Polizei in den letzten beiden Spielen des Weiteren Erfahrung mit dem Einsatz sogenannter „Kommunikationsbeamter“, die sich bemühten polizeiliche Entscheidung in größtmöglicher Transparenz mit den direkt Betroffenen (in diesem Fall Fußballfans) zu kommunizieren.  Somit wurde eine Basis für Akzeptanz geschaffen, während man von den eingesetzten Hundertschaften nahezu den ganzen Tag über gar nichts sah. Den einen oder die andere mag diese Entscheidung über derart deeskalierend wirkende Maßnahmen angesichts der langen und teilweise auch brutalen Derbygeschichte der beiden bedeutendsten Fußballvereine in Schleswig-Holstein verwundern. Doch auch aus Fansicht lässt dieses Konzept nur positive Resonanz zu.

Warum nicht auch so in Flensburg?

Abschließend festzuhalten bleibt eigentlich nur noch, dass die Mannschaft durch klasse Leistungen und kämpferischen Einsatz dafür sorgt, dass sich trotz widriger Bedingungen das Auswärtsfahren lohnt und immer noch großen Spaß bereitet. Es ist toll zu sehen, dass sich mittlerweile eine doch recht große Auswärtsfahrerszene entwickelt hat, die die KSV auch jenseits der 100km-Grenze unterstützt! Klasse! =)

Berichte:

Bilder & Videos:



Kommentare (3)
Geschrieben von Klaus, am 3. Dez 12 um 09:45,
Ein ausgesprochen gut recherchierter und sachkundiger Bericht!
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Geschrieben von Andre, am 3. Dez 12 um 20:12,
Ihr habt es verdient, endlich mal - für alle öffentlich sichtbar - gelobt zu werden. Ich erfreue mich immer wieder gerne an den fachlich und sachlich gelungen Beiträgen, die deutlich besser sind, als jeglicher Propaganda-Mist von Medien wie KN, NDR, Hamburger Morgenpost, LN, usw. 
DANKE!
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Geschrieben von KSV-Jannis, am 4. Dez 12 um 17:22,
sehr schön geschrieben, auch mein Lob. 
Vielleicht sollte man diesen Artikel der Redaktion von Zapp oder Extra 3 schicken, damit diese die ganze Posse mal bloßstellen. Das ganze ist einfach nur noch peinlich und provinz Müll.
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Kommentare

Holstein Kiel Kader 2013/14
Ich finde Sebastian Süß total süß!!
30.03 '15 um 09:59
Von keine ahnung Weiter ...

1. Spieltag: Hansa Rostock - Holstein Kiel 0:0
wieso gibt es hier keine Artikel...
16.01 '14 um 15:19
Von KSV-Jannis Weiter ...

1. Spieltag: Hansa Rostock - Holstein Kiel 0:0
Lese ich da zufällig unterschwellige...
22.07 '13 um 18:51
Von n.h. Weiter ...

19.Spieltag: Hannover II - Holstein Kiel
Alles klar, Tom. Das klingt plausibel...
7.12 '12 um 22:50
Von Kermit Weiter ...



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