Autor: n.h.
 Holstein-Block.de unterstützt diesen Aufruf von ganzem Herzen Christoph Ruf hat in seinem lesenswerten Buch "Ist doch eine geiler Verein - Reisen in die Fußballprovinz" die Rivalität zwischen den beiden bekanntesten Leipziger Vereinen, Lok und Chemie, als die erbitterste und "unironischste" von ganz Deutschland bezeichnet. Liest man in den vergangenen Wochen die regionale Presse, so hat man den Eindruck, die Fans der KSV Holstein und des VfB Lübeck würden den Leipzigern diesbezüglich Konkurrenz machen wollen. Glücklicherweise ist dies eher ein Missverständnis seitens unter ständigem Kostendruck stehender Redaktionen. Auch wenn es andererseits die Fakten verniedlichen würde, würde man gewisse Animositäten zwischen Kielern und Lübeckern mit denen zwischen Kreuzbergern und Friedrichshainern vergleichen wollen - in Berlin wird die gegenseitige "Abneigung" alljährlich in Form einer Gemüseschlacht auf der Oberbaumbrücke (Tip: Schönes Video!) augetragen.
Man fühlt sich derzeit fast schon in die 80er-Jahre versetzt, als jede Anti-Atom-Kirchengruppe ihre jeweilige Mahnwache in Dorf XY als "gewaltfrei" ankündigte, da die Medien seinerzeit voll von gewalttätigen Atomkraftgegnern waren. Vor ein paar Tagen kündigte ein kleinerer Lübecker Fanclub in einem auf VfB-Vereinsseite und Zeitungen veröffentlichten Brief an, man wolle dem bevorstehenden Derby fernbleiben um "ein Zeichen" gegen die "GEWALT und RANDALE" zu setzen. Und auch der Holstein-Homepage gibt es statt eines sportlichen Ausblicks einen Aufruf unter dem Motto „Schleswig-Holstein kickt fair“.
Selbst wenn man die praktisch ausnahmslos aus zweiter Hand stammenden Presseberichte der letzten Jahre ungeprüft für komplett bare Münze nehmen würde, stellt sich das Bild nicht ganz so dar, wie es insbesondere in den letzten zwei Wochen gemalt wurde: man kann sich dunkel daran erinnern, dass am Tag eines Ostseehallenturniers vor zwei Jahren eine Hauerei abseits auf der Kieler Moorteichwiese stattfinden sollte. Und diesen Oktober gab es einen Angriff auf durchreisende Holstein-Fans in Lübeck St.Jürgen. Hinzu kommen noch Berichte über Lübecker Fans, die in Kiel Sachbeschädigungen an KVAG-Bussen verübt hätten, eine versuchte Brandstiftung von Holsteinfans in Meck-Pomm und "Randale" bei einem spontanen Eutin-Besuch von Holsteiner Fans, bei der es aber interessanterweise auch laut Polizeibericht weder zu Sachbeschädigungen noch Personenschäden gekommen sein soll. Wobei die letzten Beispiele offensichtlich erst einmal gar nichts mit einem Zusammentreffen beider Lager zu tun hatten.
Man sollte aber auch nicht unterschlagen, dass nach dem letzten "echten" Derby in Lübeck, am 26.8.06, die Holsteiner Fans praktisch ohne Polizeibegleitung und ohne wirkliche Fantrennung von der Lohmühle zum Bahnhof gingen - die Polizei hatte sich nicht unnötig selbst Arbeit gemacht, nichts passierte. Auch wenn die Lübecker Nachrichten im Nachhinein etwas anderes gesehen haben wollten und sich über "Hasstiraden" und "beleidigte Passanten" (oh Schreck!) echauffierten.
Auch wenn es sich beim VfB-Fankreis selbstverständlich und natürlich mit tiefster Überzeugung um "Lü-bek-ker-Arsch-lö-cher!" handelt, so kann man der Stellungnahme zum Derby am Sonntag - von missverständlichen Formulierungen zur "Nummer 1" abgesehen - eventuell völlig und zu 100% zustimmen. Würden sich alle verbal auf den Rängen lieb haben (müssen), könnte man stattdessen gleich lieber einen Strandspaziergang am Sonntag machen. Und muss man sich wirklich darüber aufregen, dass Lübecker Fans die Taliban zum Bombenabwurf auf Kiel auffordern? Außer, dass es vielleicht fantasievoller wäre, eine sogenannte "Friedensmission" zu fordern?
Apropos "Friedensmission": Via Pressemitteilung ließ Kiels Stadtpräsidentin Cathy Kietzer verlauten, sie wolle mit ihrer Anwesenheit am Sonntag geimeinsam mit dem Lübecker Bürgermeister Bernd Saxe ein Zeichen "für mehr Fairness im Sport, für die Freundschaft beider Städte und gegen Gewalt" setzen. Darf man mal ganz naiv und dumm fragen: Worin besteht denn nun dieses Zeichen konkret? Dass Frau Kietzer Herrn Saxe 90 Minuten lang nicht anpöbelt oder verprügelt, obwohl er Lübecker ist? Und dass man sich auch in der dritten Halbzeit nicht gegenseitig mit Schnittchen bewirft? Manche Leute kommen auf komische Ideen.
Vermutlich sitzen die Parteifreunde Jürgen Weber (MdL, Kiel) und Wolgang Baasch (MdL, Lübeck) nicht nur für irgendwelche Fototermine bei Spielen ihres jeweiligen "Local Teams" auf der Tribüne und werden wohl auch "einfach mal so" miteinander reden. Im letzten Jahr gab es von den Beiden auch eine Presseerklärung, dass man effektive Fanprojekte brauche. Auf dem letzten Fanabend im Holsteiner war nun zu hören, dass die Finanzierung eines Kieler Fanprojektes bisher an einer Zusage für den kommunalen Anteil der Stadt Kiel gescheitert sei. Wenn denn nun die Situation so schlimm ist, dass Frau Kietzer als Repräsentantin der Stadt Kiel "Zeichen setzen" möchte: Wie stehts denn mit dem Fanprojekt?
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