Autor: n.h.
 BSE? Um gleich mit knallhart recherchierten Fakten zu einer wichtigen Frage zu starten: Was macht eigentlich der ehemalige Holstein-Kapitän Sven Boy jetzt? Am Samstag war er zunächst im fast komplett in Holsteiner Hand befindlichen Tribünenblock G6 zu sehen, danach war er mit Kollegen an der Frittenbude beim Park&Ride-Parkplatz, um sich mit Kollegen ein Feierabendflens zu gönnen und abzuwarten, dass sich der Stau an der Ausfahrt verflüchtigen würde. Aus dem gleichen Grund stand dort dann auch eine Kieler Autobesatzung inklusive des Schreibers, der sich einen nicht unbedingt wohlschmeckenden, aber wirkungsvollen Feierabendrum mit einem Schuss Glühwein gönnte. Von Sven Boy war zu hören, dass er seit sechs Monaten Reha mache und derzeit ans Fußballspielen leider nicht zu denken sei. Der Schreiber gab dann noch auf den Weg, dass er es gut fände, wenn Boy, der in Scharbeutz wohnt, mal bei der glorreichen Spielvereinigung Eutin 08 spielen würde. Aber vermutlich wird es bei diesem Wunsch, dass einer der ehemaligen KSV-Lieblingsspieler noch ein paar Jahre beim eigenen Heimatverein rockt, bleiben.
Wobei der Samstag sowieso im Großen und Ganzen kein wünsch-Dir-was-Tag war.
Eigentlich war man einigermaßen optimistisch nach Lübeck gefahren, woran der Sonnenschein, der ein "14.12.08-Feeling " erzeugte, sicher seinen Anteil hatte. Da die Anfahrt völlig problemlos war und auch direkt am Stadion noch Parkplätze frei waren, konnte man vor dem Spiel noch ausgiebig an der Haupttribüne die Stadionverpflegung testen. Man muss sagen, dass Lübeck hier ganz klar die Nase vorn hat. Denn eine Fischbrötchenbude (und auch ein ansonsten breites Sortiment) wird in Kiel zwar seit Jahren von Fanseite angeregt, die Verantwortlichen bei Holstein werden aber vermutlich eher die Anregung aus Lübeck mit nach Hause nehmen, dass man auch noch Spielerauswechslungen mit grottenpeinlichen Werbeeinspielern zu Geld machen könnte.
Was das Spiel und auch den Fansupport anging, so hatte Kiel in der ersten Halbzeit allerdings über weite Strecken die Nase vorne. Sehr geil auch, dass - nach Erinnerung des Schreibers - zum ersten Mal ein Holstein-Kiel-Wechselgesang zwischen Gästeblock und Haupttribüne geklappt hatte. Ganz klarer Volltreffer. Von Lübeck bekam man, abgesehen von den Pfiffen bei Ballkontakt Sachs oder Frech, eigentlich nichts mit. Das erste Lübecker Tor fiel natürlich zu einem sehr unglücklichen Zeitpunkt direkt vor der Pause, so dass man beim Pausenglühwein allerlei Häme von grün-weiß einstecken durfte, was ja aber auch dazu gehört und voll im Sinne des Vorberichts ist.
Die zweite Halbzeit war leider wieder so wie in Hannover. Bei Holstein klappte nach vorne fast nichts mehr, ein Fehlpassfestival ohne kreative Ideen, zudem ist vom Gästeblock auch nur noch wenig an Stimmung rübergekommen. Die Lübecker Seite ist dann nach dem zweiten Tor etwas vernehmbarer aus den Puschen gekommen, aber richtig dolle wars auch nicht - dafür, dass man vor dem Spiel gefühlt 10 Videoclips erstellt hat um die eigenen Leute zu motivieren.
Wobei man der Vollständigkeit halber auch noch erwähnen sollte, dass man sicherlich nicht die aktiven Lübecker Fans auf diese paar Gesichtselfmeter, die harmlose Normalofans an der Haupttribüne abzogen, bespuckten oder diejenigen, die ein Kameraobjektiv zertörten, reduzieren sollte. Wenn man allerdings einen Flyer vom "Fankreis Lübeck" in die Hand gedrückt bekommt, wo allen Ernstes nahegelegt wird, dass den Holsteinfans die Strecke vom Bahnhof zur Lohmühle (Google-Maps: 1,9km, 23 Minuten) bewusst zur Herbeiführung einer Eskalation genehmigt wurde, während den armen, armen VfB-Fans dieses voll ungerecht in Kiel verwehrt würde (Entfernung 4,3km, 53 Minuten), dann muss man wohl von einer generellen intellektuellen Überforderung sprechen, wenn es um Fragen des gesunden Menschenverstandes geht. Den Vogel abgeschossen, wie man auf Calcio Culinaria nachlesen kann, hat in dieser Hinsicht dabei wohl der Lübecker Fanbeauftragte. Dass der Herrgott Hirn über Lübeck regnen lassen möge, wird aber wohl ein weiterer unerfüllter Wunsch bleiben.
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