Autor: n.h.
 VfB Lübeck II - KSV, ca. 40. Minute: Während Holstein mit begeisterndem Spiel in der ersten Halbzeit Paroli bieten konnte ... Knisternde Derbystimmung, elektrisierender Fußball und kreative Fankultur auf höchstem Niveau - und das alles bei wunderschönstem Frühlingswetter: Holsteiner Fanherz, was willst Du mehr? Und dass Holstein gegen die Topfavoriten von der Trave letztlich nur als zweiter Sieger vom Platz ging, ist angesichts der hohen Qualität der Darbietung auf dem Platz und auf den Rängen nur ein kleiner Wehrmutstropfen.
Vielversprechend fing die Partie schon an: In den ersten 20 Minuten erspielte sich Holstein Dank behutsamer Offensive aus kontrollierter Defensive heraus ein leichtes Übergewicht über das Lübecker Team, das von erfahrenen Spielern aus den Fußballhochburgen Bentwisch und Heide verstärkt wurde. Schöne Ballstaffetten über die Flügel, gepflegtes Kurzpassspiel und zielsichere Flanken zeichneten das Holsteiner Spiel aus. Leider gelang es den Kieler Underdogs nicht, mit diesem rasanten Offensivspiel die Defensive des gefühlten DFB-Pokalgewinners zu knacken. Aber immerhin konnte das 0:0, ein Auswärtspunkt!, bis in die Halbzeit gerettet werden.
Während die Fußballkultur auf dem Platz ihr Fest feierte, wollten die Fans beider Lager dem nicht nachstehen und legten eindrucksvoll Zeugnis darüber ab, dass Deutschland immer noch das Volk der Dichter und Denker ist. Von der alten Holztribüne hörte man "Sven Boy, Du F...e", wahlweise dichteten die jeweiligen Fanblöcke "Lü-bek-ker / Hol-stei-ner - Arschlöcher / Zigeuner / Hurensöhne / Lutscher / Schwule". Immer wieder toll, welche kecken Sprüche der Anhang sich ständig neu für das große, niemals in abgenutzten Ritualen verharrende, Schleswig-Holstein-Derby ausdenkt.
In der Halbzeitpause konnte man sich endlich von diesem heißen Spektakel bei Holsten alkoholfrei erholen, das, nebenbei erwähnt, sogar noch besser schmeckt als das vom Holsteinstadion gewohnte Warsteiner (Nur die üblichen Meckerer sprachen von einer Geschmacksrichtung irgendwo zwischen Spülwasser und Diätbrause). Glücklicherweise schob sich nun auch noch das eine oder andere Wölkchen vor die Sonne, so dass man nach dem Spiel auch nicht ganz so schwitznass war wie anfangs befürchtet, sondern nur mittelmäßig durchnässt - bei tropischen Temperaturen um die 8 Grad.
Die zweite Halbzeit entwickelte sich vollends zum totalen Derbyrausch: Nachdem der Ex-Heider-SV-Spieler Artur Schefer, wahren Kennern auch als Lohmühlen-Ronaldinho bekannt - einen Freistoß ins Holsteiner Netz beförderte, versuchte Trainer Vollmann den befürchteten Lübecker Kantersieg durch die Auswechslung des Stürmers Holt gegen Mittelfeldspieler Hummel zu verhindern. Ein paar Minuten später hielt es gut 30 begeisterte Holstein-Anhänger aufgrund dieser Dramatik nicht mehr auf den Stehrängen. Durch ein freundlicherweise offen stehendes Tor liefen sie auf den Platz und mussten allerdings dann von der Polizei darauf hingewiesen werden, dass bereits elf Holsteiner auf dem Platz stünden. Schade, dass diese an sich total dufte und gut durchdachte Aktion letztlich nach ca 27,5 Sekunden ergebnislos beendet war. Nach gut zwölf Minuten Spielunterbrechung gings dann Schlag auf Schlag weiter und in der 90. Minute wurden die kontrolliert offensiven Holsteiner Defensivbemühungen endlich mit einem Tor belohnt. Beinahe hätte Holstein in der Nachspielzeit die Sensation perfekt gemacht und hatte haarscharf irgendwie das Siegtor auf dem Fuß - allerdings erzielte dann Patrick Kraft (19, aus der A-Jugend des VfB) das 2:1 für Lübeck zum letztlich vorher erwarteten Heimsieg der Gastgeber.
Fazit: "Ruhm und Ehre - Lübeck Amateure".  ... brach in Halbzeit 2 die Holsteiner Offensive aufgrund Grün-weißen Übergewichts in sich zusammen. Foto:holsteingenuine
Berichte:
Bilder:
|