Autor: Mr. X
 So filigran wie dieser Freistoß wird leider nicht jeder Polizeieinsatz ausgeführt Bildquelle:wikimedia/GNU-Licence Es gibt verschiedene taktische Modelle für einen Trainer, wie er seine Mannschaft spielen lässt. Genauso gibt es verschiedene Taktiken bzw. Arten einen Polizeieinsatz rund um ein Fußballspiel zu gestalten. Für all diejenigen, die oftmals mit der KSV auswärts unterwegs sind, ist das nichts Unbekanntes. Man fährt in eine andere Stadt oder in ein anderes Bundesland und muss sich der jeweiligen Polizei und ihrer Vorgehensweise aussetzen.
Die Daheimgebliebenen kriegen schon während der Partie, via Live-Ticker, aber spätestens in den Tagen nach dem Spiel, über die lokale Presse, nur eine Seite von den Ereignissen serviert: randalierende Fans!
Schade, dass in unserer hochmodernen Zeit Einsatzleiter X nicht mit Einsatzleiter Y Kontakt aufnimmt und über ihre Erfahrungen mit den jeweiligen Fangruppen spricht.
Ziehen wir doch mal einen Vergleich. Am 18.11.07 gastierte die KSV in
Heeslingen. Vom Umfeld ist diese Partie gut zu vergleichen mit dem
Spiel bei Osterholz-Scharmbeck. Landschaftliche Idylle,
Sportplatzambiente, keine Fanszene auf Heimseite, also ein nettes
Ausflugsziel mag man denken. An die Partie in Heeslingen erinnern sich
alle Holsteinfans gerne zurück. Abgesehen vom Spielergebnis bleibt die
Gastfreundschaft in guter Erinnerung. Keiner hatte Panik vor wilden
Horden gewaltbereiter Hooligans, man fühlte sich Willkommen, ob im
liebevoll gestalteten Gästeblock, beim Grog trinken im Vereinsheim oder
beim Fachsimpeln mit Rentnern an der Bande.  Danke Heeslingen! Bildquelle:supside-kiel.de Natürlich war auch Polizei
vor Ort, aber von komplett gepanzerten, vermummten Einheiten mit Kerben
in den Schlagstöcken war weit und breit nichts zu sehen. Die Polizisten
in den normalen Uniformen waren zwar präsent, hielten sich aber so gut
es geht zurück. Als ein junger Fan aufgrund einer
Schiedsrichterentscheidung gegen eine Werbebande trat, fiel diese aus
der Verankerung und kippte um. Im Zuge dessen kamen zwei junge Beamte
auf den Fan zu und baten ihn freundlich um seine Personalien, falls der
Verein TuS Heeslingen sich wegen der Bande beschweren würde. Der Fan
gab seine Personalien bereitwillig ab und konnte nach 2 min das Spiel
weiterverfolgen.
Vor einigen Wochen in Osterholz freuten sich die Holsteinfans auf eine
ähnlich entspannte Tour ins Bremer Umland, wurden aber stark
enttäuscht. Schon beim Hinweg von den Autos zum Sportplatz, wurden
Kleingruppen (5-10 Leute) von Polizisten eingekesselt und ohne Umwege
in den vorbereiteten Gästeblock gepfercht. Der Eintritt in das
Vereinsheim um etwas zu Essen wurde jedem Kieler verwehrt „Für euch
gibt es dort nichts zu essen!“ zurück in die Ortschaft um sich
gemütlich in einen Landgasthof zu setzen, durfte man schon gar nicht
mehr. Keine Entscheidungsfreiheit, nichts. Man muss an dieser Stelle
erwähnen, dass diese Kleingruppen an Holsteinfans, absolut ruhig und
friedlich auf dem Weg zur Vereinsgaststätte waren, kein Gegröhle oder
anderes auffälliges Verhalten. Der mit hohen Bauzäunen eingerichtete
Gästebereich war umstellt von zahlreichen Polizisten in Kampfmontur und
sogar eine Hundestaffel war an dem Tag im Einsatz. Freundlichkeit
kannte an dem Tag nur das Personal in der Wurstbude und an dem
Getränkestand.
Ein Dialog zwischen einem Holsteinfan und einem Polizisten spiegelt
ungefähr die Einstellung der Polizei an diesem Tage wieder. Als ein
Polizist mit seinem Hund in einer Wegesenge dicht an einigen
Holsteinfans vorbeiging, musste er seinen Hund mit großem Aufwand
festhalten, weil das abgerichtete Tier wild um sich schnappte. Ein
Kieler sprach den Polizisten im normalem Umgangston an: „Wie wäre es
denn mit einem Maulkorb?“ Die Antwort kam dann kalt zurück: „Wie wäre
es mit Maul halten!“  Polizeibegleitung in Osterholz-Scharmbeck Bildquelle:Fanclub-am-Exer
Was sich einige vornehmlich junge Beamte in Bezug auf Fußballspiele
herausnehmen ist oftmals ein starkes Stück. Nicht selten hat man das
Gefühl, man sei nur ein Mensch zweiter Klasse. Vor alledem bleibt die
Frage, mit was haben die Polizeieinheiten bei einem Spiel in Osterholz
Scharmbeck an dem Tag bloß gerechnet? Dass wilde Horden Holsteiner
brandschatzend und vergewaltigend durch die friedliche Ortschaft ziehen?
Die gleiche Polizeieinheit war auch am Gründonnerstag in Meppen im
Einsatz. zahlreiche Kieler die vor Ort waren, darunter zum Glück auch
ein Anwalt, wurden an dem Tag Zeuge von einem absolut überzogenem
Polizeieinsatz, bei dem einige Unschuldige durch Polizisten verletzt
wurden. Durch eine ruhigere und zurückhaltende Polizeitaktik wäre an
dem Tag rein gar nichts passiert. Das konnte man zum Beispiel 4 Tage
später in Hannover sehen. Dort war die Polizei zwar zahlreich und gut
ausgerüstet im Einsatz, war aber in der Ansprache gegenüber den
Mitgereisten und im Umgang mit ihnen absolut freundlich und friedlich
und konnten dennoch ein Aufeinandertreffen mit den zahlreichen
Hannoveranern verhindern.
In Meppen hingegen wurden Einzelpersonen in Gewahrsam genommen, die
Verbal äußerten, dass sie bei dem Wetter unbedingt auf die überdachte
Tribüne möchten und nicht 2 Stunden im Regen stehen. Von dem
Stadtverbot der Stadt Meppen - für alle Kieler - ganz zu schweigen. So
durfte ein Fanbus, der extra früher losfuhr, um gemeinsam in einer
Kneipe noch etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen, sich gleich
wieder auf den Weg in Richtung Stadion machen und mit leerem Magen vor
dem Gästeblock auf die Öffnung der Tore warten. Es wurde bei einem
Einsatz im Fanblock wild auf ALLES und Jeden eingeschlagen, so dass ein
älterer Fan noch ins Meppener Krankenhaus musste und erst am nächsten
Tag in die Heimat fahren konnte. Ein Mädchen im Alter von 17 oder 18
Jahren bekam einen Schlag ins Gesicht und verbrachte die restliche
Partie blutend im Toilettenhäuschen. Das Schlimme daran ist, wie man in
Hannover gesehen hat, dass es auch anders geht.
So verliert auch der letzte Fan die Lust auf eine Auswärtstour. Die
Gesellschaft wird durch die Medien und ihre zum größten Teil einseitige
Berichterstattung von solchen Ereignissen in Bezug auf Gästefans noch
sensibilisiert. So haben die Verantwortlichen des SV Lurup zum Beispiel
jetzt schon Angst vor den Holsteinfans, wie in den Luruper Nachrichten
zu lesen war.
Die Polizeitaktik an diesem Tag dürfte damit klar sein.
So ist in den heutigen Tagen bei einer Auswärtsfahrt die Frage nach der
Polizeitaktik schon im gleichen Zuge der Frage nach der taktischen
Aufstellung des Gegners zu benennen.
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