Autor: Jane_Doe
Es ist jetzt
bummelig 2 Jahre her, als es durchaus zum guten Ton im Holsteinforum
gehörte, einen Beitrag mit dem Statement „Pro Gutzeit!“
zu beenden. Denn die Entscheidung der (damaligen)
Vereinsverantwortlichen am 21. April 2008, den beliebten und sehr
erfolgreichen Thorsten Gutzeit - im Tausch mit Michael Bauer –
ab der Saison 2008/09 vom U23-Trainer zum U19-Trainer zu degradieren,
stieß auf Fanseite gelinde gesagt auf wenig Verständnis.
Ebenso reagierte damals die Sportpresse, so kommentierte etwa
Christian Jessen (Nordsport, 28.04.2008,
S. 36) diese Entscheidung wie
folgt: „Sportlich nachvollziehbare
Gründe gibt es nicht. Gutzeit hat trotz des Abgangs zahlreicher
Leistungsträger eine neue, junge Mannschaft aufgebaut. Größere
Unterstützung der Liga war nur selten möglich. Doch die
gute Entwicklung vieler Spieler und der Teamgeist sorgten für
Erfolg, den Gutzeit zu einem Großteil zu verantworten hat.“
Letzteres muss wohl auch das damalige
U23-Team so gesehen haben, denn nie zuvor hatte ich eine Mannschaft
erlebt, die sich zu ihrem Trainer so dermaßen klar und
öffentlich bekannte und ihn so aufrichtig feierte.
Dass
Thorsten Gutzeit seinen U19-Trainerjob trotzdem genauso engagiert
ausübte, dem Verein weiter treu blieb und in diesem Jahr dann
seine sichere Anstellung zu Gunsten einer hauptamtlichen Tätigkeit
bei Holstein sogar kündigte, zeigt nicht nur, dass es ihm
wirklich ernst ist, sondern auch, dass er den Fußball liebt.
Mit der heutigen Verkündung, dass Thorsten Gutzeit künftig
Cheftrainer unserer KSV Holstein sein wird, schließt sich somit
der Kreis. Und gleichzeitig beginnt der von vielen lang ersehnte
Neuanfang, vielleicht sogar eine Kehrtwende und eine Abkehr vom
Ideenwerk „Projekt 2012“.
Man
hatte, wenn man ganz ehrlich ist, mit vielem gerechnet. Und die
Gerüchte, die es gab, waren sehr vielfältig. Wück
bleibt. Dotchev soll kommen. Fröhling macht’s. Gütschow
wäre auch was. Neubarth kommt wieder. Sonst kommt
Vollmann wieder. Gutzeit ist im Rennen. Pagelsdorf kommt nun doch.
Selbst, dass der Verein das Angebot von Götz, die Klage
zurückzuziehen, wenn er in der nächsten Saison eine weitere
Chance bekäme, angenommen habe, hielten einige kurzzeitig für
bare Münze und nicht für einen Witz. Zuzutrauen, so war man
sich durchaus einig, sei den Verantwortlichen bei Holstein eben so
einiges.
Dass
nun tatsächlich mit Thorsten Gutzeit, Jürgen Wildbrett,
Carsten Wehlmann und Jan Sandmann eine interne, junge und
sympathische Lösung gefunden wurde, überraschte dann
trotzdem viele. Auch, dass heute während der Pressekonferenz und im
Bericht auf der Holstein-Homepage endlich Worte verwendet wurden, die
man bei Holstein vor einiger Zeit in die bedeutungslose Mottenkiste
verbannt hatte. Von Identität wurde gesprochen.
Lokalpatriotismus. Identifikation mit der Region. Zurückgewinnen
von Vertrauen. Von Eigengewächsen war die Rede. Bescheidenheit.
Kein sofortiger Wiederaufstieg als Zielvorgabe. Gut, dass die
Schreiberin dabei war, denn sie hätte sonst an der
Glaubhaftigkeit dieser Aussagen gezweifelt.
Es ist
nun an den Verantwortlichen, diesen Gedanken und Worten auch weitere
Taten folgen zu lassen und so auch den Eindruck zu entkräften,
man habe sich (nur) aus finanziellen Gründen für eine
interne Lösung entschieden und nicht aus konzeptioneller
Überzeugung. Außerdem ist ihnen ein glückliches
Händchen zu wünschen bei den künftigen
Spielerverpflichtungen und den nun wieder aufgebrochenen Baustellen
im Nachwuchsbereich. Ein neuer hauptamtlicher Leiter für das
Leistungszentrum (warum eigentlich nicht Fröhling?) muss ebenso
gefunden werden wie Trainer für die U23, die U19 und die U16
(für die Jan Sandmann eingeplant war).
Und es
ist nun an uns, dem neuen Trainerteam – trotz geschundener
Holsteinseele – eine Chance zu geben, wieder langsam Vertrauen
zu entwickeln und vor allem Geduld entgegen zu bringen.
An
dieser Stelle sei auch ausdrücklich Christian Wück für
seine Arbeit mit einer Mannschaft gedankt, die sicherlich kein
Geschenk war. Ihm alles Gute für seine weitere berufliche und
private Zukunft.
Insgesamt
war
das ein schöner Holsteintag. Der Schreiberin wurde ab 12 Uhr
flugs ein wenig wohliger und wärmer ums Holsteinherz und ist
sich sicher, dass eine Dauerkarte für sie (dann doch wieder …)
Pflicht sein wird. Aber wir wissen alle: Eine Schwalbe macht noch
keinen Elfmeter - und auch keinen Sommer. Warten wir also gemeinsam
auf weitere blau-weiß-rote Schwalben am Himmel im Land zwischen
den Meeren und hoffen wir darauf, dass die Verantwortlichen die neue
und bodenständige Linie wirklich ernst meinen und ihr auch dann
treu bleiben, wenn möglicherweise mal wieder ein Sturm die Förde
erreicht.
Viel
Erfolg, Herr Gutzeit, möge die Macht und das Glück mit
Ihnen sein!
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