Autor: valderama carlos
 Die Wilhelmshavener Südzentrale ist ein lohnendes Ziel für Freunde maroder Industriearchitektur... So lautete die treffende Zusammenfassung der Ereignisse im Jadestadion,
welche ein Zuschauer per Telefon an einen Kumpel weitergab. Muss man so
etwas sehen?
In Wilhelmshaven angekommen hatte schon meine Frage nach
dem Weg zum Stadion bei einem Kioskbesitzer für eine gewisse Irritation
gesorgt. Und auch der spöttische Unterton war nicht zu überhören
gewesen, als mir einer seiner Kunden beim Hinausgehen noch „Viel Spaß!“
wünschte. Ihre Zweifel waren offenbar nicht unberechtigt, denn die
Partie des SV Wilhelmshaven gegen Holstein Kiel erwies sich doch recht
schnell als eine fade Angelegenheit. Eine der wenigen Höhepunkte war da
noch der Lattentreffer von Meyer kurz vor der Pause, das torlose Remis
ansonsten ein absolut angemessenes Resultat. Beide Mannschaften waren in
ihren Möglichkeiten stark limitiert und nicht in der Lage, ernsthaft
Torgefahr zu entwickeln. Mehr muss man zu diesem Spiel dann auch nicht
sagen. Schreiben wir also über andere Gemeinsamkeiten von Kiel und
Wilhelmshaven, die Erwähnung verdienen.
So sind beide Städte durch ein wesentliches Ereignis der deutschen
Geschichte verbunden, welches zumindest in Kiel bei weitem nicht die
öffentliche Würdigung verdient, die eigentlich angebracht wäre. Ende
Oktober 1918 lag die deutsche Hochseeflotte vor Wilhelmshaven vor Anker
und hier kam es auf einigen Schiffen zur offenen Meuterei von Soldaten,
die sich nicht mehr für die weitere Fortsetzung des Krieges verheizen
lassen wollten. Die Revolte setzte sich einige Tage später nach der
Verlegung der Schiffe von Wilhelmshaven nach Kiel fort. Hier kam es zum
massenhaften Zusammenschluss von Soldaten und Arbeitern und in wenigen
Tagen erfasste der Aufstand das gesamte Deutsche Reich. Mit der Folge,
daß der 1.Weltkrieg beendet, der Kaiser gestürzt und die erste
Demokratie in Deutschland erkämpft wurde. Glorreiche Vergangenheit.
War sonst noch was? Der spröde Charme einer durch Marine und maritime
Industrie geprägten Hafenstadt wäre noch zu erwähnen. Beim kurzen
Rundgang im Hafengebiet hatte ich das Gefühl ich könnte auch in
Friedrichsort oder Gaarden sein. Durchaus angenehm!
 ...und erinnert in gewisser Weise an den derzeitigen Zustand von Holstein. Um wieder zum Sport zurück zu kommen, ist es wohl auch in Wilhelmshaven
so, daß Fußball nicht an vorderster Stelle steht, was das
Zuschauerinteresse angeht. Jedenfalls wollten gerade mal 700 Menschen
die Partie gegen Holstein sehen. Und daß Holstein der populärste Verein
in Kiel ist, wie im Stadionmagazin des SVW zu lesen war, ist, wie wir
wissen, leider ein Irrtum.
Das hat sicher viel mit der Tristesse des unteren Mittelfeldes der
Regionalliga Nord zu tun, in dem sich beide Vereine derzeit bewegen. In
Wilhelmshaven ist man möglicherweise nichts anderes gewohnt, doch in
Kiel wurden in den letzten Jahren doch etwas andere Ansprüche
formuliert. Man wollte in die 2.Liga. Da ist es natürlich etwas
unpassend, wenn man Trainer entlässt, die solche Aufgaben
bewerkstelligen können. Peter Vollmann jedenfalls befindet sich derzeit
mit Hansa Rostock auf einem Aufstiegsplatz, Vorsprung auf den
Relegationsplatz derzeit 13 Punkte. Mit dabei ehemalige
Holstein-Spieler wie Schyrba und Lartey. Dumm gelaufen, Holstein.
Aber vielleicht schafft man ja den Klassenerhalt. Immerhin hat man zum
Klassenerhalt von RB Leipzig kürzlich schon mal einen erfreulichen
Beitrag geleistet. Na also. Vorne angreifen wird man aber auf jeden Fall
nicht mehr, das macht jetzt der VfB Lübeck.
Die Nummer 2, die Nummer 2
im Land sind wir.
Macht alles wenig Spaß im Moment.
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