Autor: Jane_Doe
 'Wir sind Pokaaal 2008' - Dieser junge Herr sollte auch in Büdelsdorf feiern dürfen Ich gestehe: Ich bekam in meinem Schulzeugnis für die 9.
Klasse ein „sehr gut“ in Physik, obwohl mir die Lehrerin
zuvor mitteilte, in diesem Zeugnis könne sie mir leider nur eine
Zwei (minus) geben. Diese Eins habe ich als Geschenk stillschweigend
angenommen - ohne die Lehrerin darauf hinzuweisen oder wenigstens mal
nachzufragen. Glück gehabt und niemanden dabei –
jedenfalls nicht wirklich – geschadet.
In diesen Tagen, an denen der fußballaffine Teil
Schleswig-Holsteins nicht nur über unseren Abstiegskampf,
sondern auch über das anstehende Pokalfinale (und noch vielmehr
über den Austragungsort) debattiert, fällt mir diese
Geschichte komischerweise wieder ein. Auch hier wäre es
vermutlich so, dass man die Entscheidung, dass die Finalspiele des
SHFV-Pokals nun mehr in unserem schönen Holsteinstadion
ausgetragen werden, stillschweigend als Geschenk einfach annehmen
könnte. Sich einfach nur darüber freuen könnte, dass
man Glück gehabt hätte. Und sich freudig daran ergötzen
könnte, dass es zumindest bei diesem Finalspiel ausgerechnet
gegen die Grün-Weißen geht und diese sich nun (und ehrlich
gesagt auch ein bisschen spät und in Teilen der Ausführungen
in der Tonart ziemlich unangemessen, über- und vor allem
selbstbezogen) so herrlich darüber aufregen.
Könnte man. Wenn man beim Denken die menschliche Logik
gänzlich ausschaltet und rein emotional agiert. Wenn man den
Gerechtigkeitssinn vollständig ausblendet. Man könnte
es, wenn es hier nicht um etwas Grundsätzliches ginge. Um so
etwas wie sportliche Fairness und Wertschätzung und
Gleichbehandlung von unterklassigen Vereinen (und deren Heimrecht).
Dabei ist es übrigens auch herzlich egal, wann, wem und in
welcher Form diese Entscheidung des SHFV mitgeteilt worden ist oder
eben auch nicht.
Es geht vielmehr darum, dass der Fußballverband des
Bundeslandes Schleswig-Holstein der Verband aller Fußballvereine
ist. Und dass er, mit dem Auftrag, der sich daraus ergibt,
verantwortungsvoll und zum Wohle aller Fußballvereine umgehen m
u s s.
Legt er den Endspielort unabhängig von den
Finalteilnehmern fest und wählt ausgerechnet ein Stadion in
einer Stadt aus, aus dem – zumindest ziemlich sicher –
ein Finalgegner kommt bzw. kommen wird, ist dies mehr als befremdlich
und letztlich auch ein schwer zu argumentierender Eingriff in einen
seit Jahren durchaus anderweitig gut funktionierenden Wettbewerb.
Seit der Saison 1997/98 kommen – bis auf eine Ausnahme in der
Saison 2003/04 durch den VfR Neumünster - die Pokalsieger
entweder aus Kiel oder Lübeck. Eine „feste“
Entscheidung für eine Endspielstätte in beiden (!) Städten,
verböte sich aus reinem Menschenverstand. Denn eine feste
Endspielstätte sollte so ausgewählt werden, dass sie mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen neutralen Ort
darstellt bzw. zumindest kein Verein überzufällig häufig
davon profitiert. Im Kern geht es also um nichts Geringeres als die
Glaubwürdigkeit des SHFV als Fußballverband aller Vereine
in Schleswig-Holstein.
Auch deshalb, weil er in den letzten Jahren zu den Derbys vor
allem damit auffiel aus seiner Sicht alles dafür zu tun, um
deeskalierend auf die Fans beider Seiten einzuwirken. Da gab es etwa
Statements der beiden Kapitäne auf den gegnerischen
Vereinsseiten, die zum fairen und besonnen Miteinander aufriefen, und
junge Menschen, die ein „Schleswig-Holstein kickt fair“-Banner
durch das Stadion trugen. Die Entscheidung, das Holsteinstadion als
Endspielstätte festzulegen, ist nun – gerade weil der
Endspielgegner unserer KSV in diesem Jahr aus Lübeck kommt –
das genaue Gegenteil von dieser Strategie. Hass und Rivalität
zwischen den beiden Fanlagern werden so nämlich keinesfalls
reduziert.
Aber auch ohne diese Brisanz, die insbesondere der (allerdings
immer wahrscheinlichen) Konstellation der Finalgegner geschuldet ist,
bleibt diese Entscheidung zweifelhaft. Und es geht nicht nur um Kiel
oder Lübeck. Es geht um die Vielfalt der „kleineren“
Vereine und zwar in gleichem Maße. Es geht um Vereine wie den
ETSV Weiche Flensburg, den VfL Tremsbüttel, den VfR Neumünster,
den SV Frisia 03 Lindholm oder den Heider SV. Und aus diesem Grund
kann und vielleicht muss man diese Entscheidung des SHFV auch als
Kielerin oder Kieler zumindest leise kritisieren dürfen,
auch wenn wir es sind, die davon auch zukünftig profitieren
werden.
Natürlich beschwere ich mich nicht! Ebenso wenig wie ich mich
über meine 1 in Physik beschwert habe. Genau genommen freue ich
mich auf ein dreckiges Derby in unserem Holsteinstadion und erhoffe
mir einen halbwegs versöhnlichen Saisonabschluss.
Derby bleibt Derby. Aber fair - fair kickt
Schleswig-Holstein mit dieser Entscheidung im Pokal nicht mehr.
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