Autor: n.h.
 Die dritte Liga ist auch kein ... "Was erlauben, Nouri!?!" - Während beim Fananhang der KSV gerade eifrig die letzten Tage des Sommerlochs damit gefüllt werden, dass Marco Stier einmalig vom Trainer aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader für ein mäßig interessantes Testspiel gestrichen wurde, hat der einzige echte Patzer aus der Vorbereitungszeit weniger Echo gefunden. Im Interview mit der KN vom 10. Juli gab der Kieler Mittelfeldspieler mit Rückennummer 23 seine Saisonprognose zum besten: "40 Punkte + X". Mit 40 Punkten war Burghausen letzte Saison sportlich abgestiegen, und dass man sogar in einer 19-er Liga mit 48 Punkten absteigen kann, hat Holstein ja schon bewiesen. Leider.
Aber im Endeffekt ist dieser Fauxpas noch sympathischer als manch andere "Prognose". Holstein im ersten Jahr in einer bundesweiten Liga als "Geheimfavorit". Mit einem Budget, das geradezu in die Fantastilliarden geht. "Hoffenheim". Aber wirklich kümmern sollte einen dieser Tünnef, der ja mitunter aus relativ durchsichtigen Motiven oder mangels Recherche verbreitet wird, nicht. Lieber darauf freuen, dass "wieder mehr Fußballflair" nach Kiel kommt, wie es Falko Götz auf dem Fanabend am Montag ganz nett ausdrückte.
Dresden, Braunschweig, Jena, Erfurt, Osna, Offenbach, Aue ... während man in den letzten beiden Spielzeiten zusammen gerade noch Oldenburg, Meppen, Magdeburg und mit Abstrichen Halle nennen kann, die auch zuschauermäßig Bringer waren, so sind diese Saison mindestens sieben Mannschaften "echte Hausnummern", mit denen Holstein zu Hause und auswärts zu tun haben wird. Beim Pressegespräch zum Saisonstart sprach Präsident Reime davon, dass man mit einem Zuschauerschnitt von 5000 rechne. Warum auch nicht.
Aber wo geht die Reise in dieser Saison hin? Vom Trainer selbst ist zu hören, dass man in Ruhe die Mannschaft ohne Tabellendruck nach unten weiterentwickeln möchte. Die Mehrheit der Trainerkollegen sieht Kiel offensichtlich im Mittelfeld. Bei einer KN-Online-Umfrage sieht ein gutes Viertel der knapp 500 abgegebenen Stimmen die KSV entweder wieder absteigen oder den Durchmarsch machen, über 70% votierten für "problemlosen Klassenerhalt". Auch im Holstein-Forum diskutiert man überwiegend bescheiden die Plätze 8-12 als gutes Saisonergebnis. Ausgerechnet die Zeitschrift "Nordsport" schätzt allerdings auch die Plätze eins bis drei als "realistisch" ein und sieht bei jedem Holsteiner Stürmer zweistelliges Trefferpotential - letzte Saison verbreitete man nach dem verlorenen Auftaktspiel gegen Wilhelmshaven noch Endzeitstimmung. Aber wenn nicht diese Prognose sowieso ausgewürfelt wurde, dann mag vielleicht eine Rolle gespielt haben, dass man meint, nun für die Verbreitung von Optimismus verantwortlich zu sein, wenn man schon den letzten Trainer aktiv mitdemontiert hat.  ... 'Wünsch-Dir-Was'!
Was den aktuellen Kader und die Neuzugänge angeht, so überwiegen die Meinungen deutlich, dass sich Holstein personell gut verstärkt hat. Mit der Einschränkung, dass teilweise "Joker" Guscinas oder Tim Wulff eher "Knipser-"Qualitäten zugesprochen werden als den Neuzugängen in der Offensive. Auch wenn man gegen Büdelsdorf und gegen Kopenhagen nur streckenweise ansehnlichen Fußball gesehen hat, so hat der teilweise freche Auftritt gegen Wolfsburg Lust auf mehr gemacht und auch in Ansätzen gezeigt, was die "Neuen" drauf haben. Und im Gegensatz zu Einkäufen in früheren Jahren scheint jeweils noch Luft nach oben zu sein.
Und das Umfeld? Seit Jahren wird schon von einer zweitligareifen Nachwuchsarbeit gesprochen. Aber letztlich muss Holstein überhaupt erst in Liga 3 ankommen. Man hört allenthalben die Vokabel "Professionalisierung", egal ob auf einer Fanratsitzung, im Pressegespräch oder auch kürzlich auf der Tagung der Liga3-Fanbeauftragten beim DFB in Frankfurt. Wobei die Frage ist, was man überhaupt darunter versteht. Derzeit wird das Holsteinstadion mit relativ großem finanziellen Aufwand gemäß der DFB-Richtlinien für die dritte Liga umgebaut, wozu neben dem neuen Flutlicht auch zwölf Überwachungskameras und neue Räumlichkeiten für Polizei und Medien zählen. Anderseits scheiterte kürzlich eine Anfrage von Fanseite, den Ausfallfonds für angemietete Auswärtsbusse entsprechend der längeren Fahrten in Liga3 aufgestockt zu bekommen. Begründung: Holstein habe in der letzten Saison insgesamt 5500 Euro für Feuerzeugwürfe und ähnliches als Strafe bezahlen müssen. Wenn man stattdessen hört, mit welcher Routine und Professionalität in Osnabrück oder Erfurt Verein und Fans zusammen Entlastungszüge organisieren, dann weiß man, dass Holstein auf manchen Gebieten noch einen langen Weg vor sich hat.
"Ich habe noch nicht das richtige Gefühl, was in der dritten Liga auf uns zukommt" - mit diesen Worten begrüßte Holstein-Präsident Roland Reime am Donnerstag die Anwesenden beim Pressegespräch im Holsteiner. Man wolle "Schritt für Schritt" mehr Professionalität erlangen. Am 4. August wird der offizielle Arbeitsbeginn vom neuen kaufmännischen Leiter Wolfgang Schwenke sein. Anfang August wird ein namentlich noch nicht genannter Chefscout "von extern" seine Arbeit bei Holstein aufnehmen.
Heute um 9 Uhr startet die erste Herrenmannschaft der KSV Holstein Richtung Hamburg, um den Flieger nach München Nürnberg zu nehmen und dann in Regensburg Quartier zu beziehen. Das Abenteuer dritte Liga kann beginnen.
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