Autor: n.h.
"Wer sich erinnern kann, war nicht dabei" - Über 15 Jahre nach der Schließung des Subways in der Bergstraße gab es am Freitagabend eine einmalige "Reunion-Party", die vom Schreiber den Vorzug erhielt vor der Magdeburg-Auswärtsfahrt, die voraussichtlich ja auch nächstes Jahr wieder stattfinden wird und gleich im Anschluss an die Party stattgefunden hätte. Da die 2-3 Stunden nach dem sonntäglichen Tatort fürs Schreiben auf dem Holstein-Block "geblockt" sind, Partyberichterstattung (leider) aber etwas am Thema Holstein & Fußball vorbei gehen würde, ein Magdeburgspielbericht seriöserweise nicht geboten werden kann, bleibt die KSV-Mitgliederversammlung vom Dienstag als Thema übrig, das zu behandeln wäre.
Wobei sich an dieser Stelle vielleicht schon manch einer fragen wird: "Was denn für eine Mitgliederversammlung?!?". Denn kein Wort dazu in der vereinseigenen Online-Berichterstattung davor oder danach, wo man doch sonst nicht verlegen ist, regelmäßig mit Adjektiven wie "toll", "begeistert", "erfolgreich", "prima" von Ereignissen außerhalb des Spielfeldes zu berichten und dabei stets einen "großen" oder "regen Andrang" ausmacht. So ist es demnach dieses Mal dem Holstein-Block-Meckeropa alleine beschieden, über das laut BGB §32 Absatz 1 höchste Organ des Vereines, die Mitgliederversammlung, zu berichten.
Fazit des Abends: Der Schreiber hofft, mit allen (!) 42 anwesenden Mitgliedern (von knapp 1200) in 23 Jahren eine Reunion-Party feiern zu können und dabei dann die silberne Vereinsnadel ausgehändigt zu bekommen.
"2010 ist ein absolutes Fußballjahr! Holstein braucht Euch!"
(Zitat Holstein-Homepage, Mitgliederkampagne, 29.5.2011)
Doch eines nach dem andern. Die hauptamtliche Geschäftsführung der KSV-Holstein ist abermals an der einfachsten Übung, einer korrekten und satzungsgemäßen Einladung, gescheitert. Hatte man beim letzten Mal noch anscheinend per Copy-and-paste nicht-anstehende Wahlen vom Vorjahr der Tagesordnung hinzugefügt, hat dieses Mal eine unbekannte Zahl Mitglieder die im April-Mitgliedermagazin verschickte Einladung erst Mitte Mai, also etwa eine Woche vorher, mit den Ostergrüßen des Präsidenten erhalten. Laut KSV-Satzung müssen mindestens drei Wochen vorher die Einladungen verschickt sein. Erklärung Schwenke: Da ist ein Fehler passiert bei der Umstrukturierung (oder so ähnlich). Nicht gerade lustvoll nahm Versammlungsleiter Rainer Tschorn den Einwurf aus dem Plenum entgegen, dass die nicht fristgerecht zugestellten Einladungen ins Versammlungsprotokoll aufgenommen gehören. Schaunwermal im nächsten Jahr, was da dann tatsächlich im Protokoll vermerkt wurde (oder auch nicht?) ...
Rainer Tschorn war dann zunächst auch derjenige, der die Minus-Beteiligung an der MV nicht diskutiert haben wollte
Schließlich wäre das ja nicht ungewöhnlich, oder, so Präsident Roland Reime abwiegelnd, "kein holsteinspezifisches Thema".
Tschorn bekam nun Unmut zu hören aus den Reihen der älteren Mitglieder. Wobei man an dieser Stelle auch ein Statement aus den Reihen dieser Junggebliebenen wiedergeben sollte: Hätte der sogenannte "KSV-Traditionsclub", ein Zusammenschluss älterer Mitglieder, der satzungsmäßig einige Aufgaben innerhalb des Vereins erfüllt, nicht intern eigens für die MV mobilisiert, so hätte man nur mit 10 Leuten dagesessen.
Bei der letzten MV am 14.9.2010 in Lübeck waren übrigens 127 Mitglieder anwesend. Von 900.
Nach dem Punkt "Genehmigung der Tagesordnung" und der "Genehmigung des letzten Versammlungsprotokolls", das übrigens wie alles andere nicht schriftlich vorlag sondern verlesen wurde, ging es an die Berichte aus dem sportlichen und wirtschaftlichen Bereich, wo Wolfgang Schwenke als Geschäftsführer zunächst von einem "positiven Ergebnis" in finanzieller Hinsicht sprach und auch allerlei Zahlen vorlas, die man sich sicherlich auch gerne als Handout, Beilage zum Mitgliedermagazin oder auf der Homepage in Ruhe angeschaut hätte, um sie dann als Teil des höchsten Vereinsorgans (s.o.) auch verstehen zu können.
Danach Andreas Bornemann für den Sport: Er sprach von einer "ordentlichen bis guten Saison" und konnte natürlich hinsichtlich der Entwicklung in der Rückrunde und auch mit der Vertragsverlängerung mit Marc Heider einen positiven sportlichen Ausblick vermitteln. Die frohe Kunde von Flo Meyers Verlängerung dabei noch garnicht eingeschlossen, denn diese Nachricht kam ja erst am Donnerstag. Wobei in sportlicher Hinsicht die Dinge für den Betrachter relativ transparent sind, denn hier ist Erfolg messbar und öffentlich in Form von Toren und Punkten, so dass sich selbst der Schreiber als kompletter Laie in diesem Gebiet jener Meinung anschließt, dass Andreas Bornemann (wie der Trainer) unter Berücksichtigung der vorhandenen Möglichkeiten bei der ersten Herrenmannschaft solide Arbeit abliefert und kein Schnacker ist. Wahrscheinlich ist das auch in Bezug auf den Nachwuchsbereich so.
"Alle
Fußballbegeisterten sind aufgerufen, mitzukommen auf den Weg zu Ruhm und
Ehre, teilzunehmen am Vereinsleben und Herzblut, Leidenschaft sowie
Teamgeist für den Traditionsverein zu zeigen"
(ebenda)
Danach wieder Schwenke zum Bereich Marketing: Sinngemäß ging der Vortrag in etwa so, dass alles toll, begeisternd, erfolgreich und prima ist. Mag ja auch sein, doch inwieweit hat man als einfaches Mitglied die Möglichkeit zu prüfen, ob hier der Aufwand in einem Verhältnis zum Ertrag steht? Holstein hat in diesem Jahr Minusrekorde bei den Zuschauerzahlen im umgebauten Stadion gehabt. Jaja, es ging um nichts mehr. Aber es ging jeweils zum Saisonende 2005 und 2006 bei den Heimspielen auch um nix mehr, und es waren trotzdem doppelt so viele im Stadion. Und da sind doch eigentlich Fragen berechtigt, wieviel was an Marketingmaßnahmen gekostet hat und wieviel am Ende dabei herausgekommen ist. Das Ganze auch im Hinblick darauf, dass der Geschäftsführer im Gegensatz zu Fanbeauftragten nicht ehrenamtlich arbeitet und auch vermutlich nicht auf 400-Euro Basis beschäftigt ist. Hinzu kommt, dass der Schreiber über ausreichend Verständnis für die Materie verfügt, um zumindest beurteilen zu können, dass eine auf den Slogan "Im Puls der Stadt" aufgebaute Kampagne ungefähr so originell und identitätsstiftend für einen Fußballverein ist, dass sich ohne weiteres auch das Alpincenter Bottrop oder die Stadtsparkasse Schwedt/Oder damit schmücken könnten. Und warum brauch eigentlich ein Fußballverein neuerdings überhaupt einen Slogan? Reicht es nicht aus, einfach DAS fußballerische Aushängeschild der Stadt Kiel zu sein? Oder noch besser: Die Nummer eins des hohen Nordens? Geht es um einen Tätigkeitsnachweis für den Geschäftsführer und das eventuell noch eine Werbeagentur ihren vielleicht woanders abgelehnten Slogan recycled bekommt? Aufgrund der Lage der neuen, hochgelobten KSV-Geschäftstelle, die weder im noch am Puls der Stadt liegt, assoziiert der Schreiber übrigens schon seit geraumer Zeit den Slogan mit einem ganz anderen menschlichen Körperteil - aber das nur ganz nebenbei, da man den frustrierten KN-Online-Gegen-Holstein-Nörglern ja nicht noch einen prägnanten Anti-Slogan frei Haus liefern möchte.
Doch zurück zum Thema Mitgliederversammlung. Für wenige Augenblicke gab es auch mal das angenehme Gefühl, dass man Mitglied in einem ganz normalen Verein ist, und zwar als es um die Berichte aus der Tennis- und Schiedsrichterabteilung ging. Der Punkt "Ehrungen" würde normalerweise auch dazu gehören - doch da ging die Sache dann vollends daneben.
Man mag vielleicht über manch ein Ritual der deutschen Vereinsmeierei ja ein wenig schmunzeln, aber Ehrungen für langjährige Mitglieder sind eben Standard, egal ob Kleingartenverein, Partei oder eben Fußballclub. So verlas dann Rainer Tschorn auch die Ehrungen für die silberne (25 Jahre) und goldene (50 Jahre) Vereinsnadel, die dann den wenigen tatsächlich anwesenden Geehrten jeweils von Roland Reime überreicht wurde.
Das Problem war allerdings folgendes: Ein Mitglied meldete sich, sichtlich angefressen, dass es laut eigenen Angaben schon seit langen Jahren auf solch eine Auszeichnung wartet. Und dann meldeten sich immer mehr. Mitglieder, die, wenn es der Schreiber akustisch richtig verstanden hat, teilweise schon 60 Jahre Mitglied sind und bis dato keinerlei Auszeichnung erhalten haben. Dass sich bei Holstein diejenigen, denen eine Ehrung zusteht, selbst in Gespräch bringen müssen, ist einfach nur unfassbar peinlich. Holstein-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke entschuldigte diesen Fauxpas, der durch mangelhafte, nicht aktualisierte Dateien vor seiner Zeit entstanden sei, damit, dass Menschen eben auch Fehler machen. Bleibt die Frage offen, warum solche Dinge wie satzungsgemäße Einladungen oder Ehrungen, die jeder x-beliebige Kieler Kleingartenverein mit ehrenamtlicher Vereinsführung unfallfrei aus dem Eff-Eff hinbekommt, immer nur bei Holstein schief laufen.
Zu hoffen wäre, dass bei der nächsten MV auch mal Mitglieder auftauchen, die im Gegensatz zum absolut redefeigen (und mit 38,4 Fieber angeschlagenen) Schreiber den Laden mal richtig aufmischen und aus einer der Vereinsführung anscheinend lästigen Pflichtübung wieder das machen, was eine Mitgliederversammlung ist, nämlich das höchste Organ des Vereines. Aber vermutlich wird Ex-Spieler/-Vorstandsmitglied/-Sicherheitsbeauftragter Thomas Döbel Recht behalten, der da sinngemäß Hopfen und Malz für verloren hält und nach 30 Jahren Mitgliedschaft aus dem Verein austritt. Übrigens auch ohne jemals eine silberne Nadel erhalten zu haben.
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