Autor: n.h.
Nahezu Milliarden Menschen in aller Welt fieberten diesem Ereignis seit Monaten entgegen, allerdings hatten nur 1716 enge Familienangehörige sowie Prominente aus Politik und sonstigem Showbusiness die Gelegenheit, die Feier live in der Kieler Westring-Kathedrale zu erleben: Das Regionalliga-Heimspiel der KSV Holstein gegen Türkiyemspor Berlin. Mit dem Einlaufen der Mannschaften um am Samstag Punkt 14 Uhr wurden dann auch endlich die seit langem am heißesten diskutierten elementar wichtigen Fragen endlich beantwortet:
Was werden die Teams anhaben?
Die Kieler Seite waren es blaue Hemden mit einer weißen, dreiteiligen seitlichen Streifenapplikation aus der Designschmiede Adolf Dassler in Herzogenaurach, die kombiniert mit weißen Hosen und roten Stutzen die holsteinischen Landesfarben symbolisierten. Das Dress der Berliner hingegen war nahezu komplett in Rot gehalten, das mit weißen Balken auf dem Rücken und dem Swoosh der nach der Siegesgöttin Nike benannten nordamerikanischen Couturiers auf der Brust verspielte Akzente setzte. Gegen 15:45 war dann auch endlich die Frage geklärt, ob das Spiel drei Minuten, 5 Minuten oder nur den Bruchteil einer Sekunde dauern würde. Am Ende waren es aber insgesamt über 90 Minuten! Wahnsinn!!!!
Wobei man über dieses Ereignis eventuell ja auch etwas anders berichten könnte.
Im Gegensatz zu dem, was bei der nervtötenden britischen Monarchie wünschenswert wäre, steht bei Türkiyemspor der Abstieg leider fest, und so präsentierte sich das Berliner Team beim 8:0 auch wie ein unterklassiger Trainingsgegner im Kieler Holsteinstadion. Was aber keinesfalls den standesgemäßen Holsteiner Sieg in einem schlechteren Licht erscheinen lassen soll, denn in dieser Saison hatte noch keine Mannschaft in dieser Höhe so eindeutig das Kanonenfutter der Liga besiegt. Den obligatorischen RSH-Jingle nach Abpfiff des Spiels, wo immer von den vergangenen "neunzig spannenden Minuten" im Holsteinstadion die Rede ist, konnte man jedenfalls dieses Mal auch als ein Beispiel für einen leicht schrägen Humor auffassen.
Denn bereits in der ersten Halbzeit, den der Schreiber in Block J verbrachte, ließ Holstein nichts anbrennen. Einzig über die Chancenverwertung hätte man beim Halbzeitstand von 3:0 noch meckern können, allerdings stellte der eisige Wind auf der schattigen Gegengerade definitiv das größere Ärgernis dar.
Zur zweiten Halbzeit war demzufolge eine Option, sich wie viele andere in den sonnigen Stehblock G zu stellen, allerdings fiel die Entscheidung doch zugunsten des Block L, um eventuell weitere Holsteiner Tore aus der Nähe zu sehen. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Aber auch manch ein Hundertprozenter gegen zehn Berliner wurde trotzdem noch ausgelassen. So behauptete so um die 60. Minute herum ein vielleicht zehnjähriges Mädchen gegenüber ihrem Vater, dass sie anstelle von Wulff alleine vor dem Berliner Torwart das Ding reingemacht hätte. Vielleicht sollten die Holstein-Damen, deren Abstieg ja leider auch bereits besiegelt ist, zukünftig mal im L-Block scouten ...
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