Autor: n.h.
 Herrentunnel in Lübeck: Wer das Licht am Ende sehen will, wird auch hier viel Geld los. (Foto:wikimedia/GNU License) "Nur der Stärkste überlebt, das ist Evolution!" - Der einzige Grund, vielleicht doch ein wenig Schadenfreude Richtung Lübeck zu empfinden, ist jener sozialdarwinistische Vollschrott, der noch im Oktober als HipHop-Mp3 unter dem Titel "Lübsche Evolution" von den Seiten des Ultra-Kollektivs aus Lübeck downloadbar war - damals gemünzt auf den Regionalliga-Absteiger Holstein Kiel.
Verglichen mit den Problemen, mit denen der (Noch-)Regionalligist VfB Lübeck derzeit fertig werden muss, erscheint der Abstieg der KSV in der Rückschau als kleiner Betriebsunfall. Die Fans von der Trave sind dabei wirklich nicht zu beneiden - und sind offensichtlich diejenigen, die am wenigsten Schuld an der Misere tragen. Letztlich ist immer noch nicht ansatzweise klar, wohin für den VfB die Reise geht.
Das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Krise kam nur scheibchenweise auf den Tisch. Nach dem sportlichen Niedergang, der unter Trainer Erkenbrecher begann und unter Trainer Uwe Fuchs fortgeführt wurde, wurde erstmals am 4.12.07 auf der Jahreshauptversammlung schonungslos die katastrophale Finanzlage des Vereins offengelegt. Zentrale Befunde: Aufgrund der prekären Lage ist selbst eine Lizens für die vierte Liga Utopie. Und dem Verein droht mit vier Millionen Euro Schulden am Saisonende die Insolvenz.
Während die Lübecker Nachrichten fast täglich neue Meldungen zur VfB-Krise auf den Markt werfen, machen sich die Lübecker Fans in mittlerweile zwei Foren Gedanken um "Rettungsaktionen" für den verschuldeten Verein im Stile der vergangenen "Retter"-Aktionen für den FC St. Pauli. Neben Bettel-Mails an Gazprom Deutschland wurden auch rechtlich anspruchsvolle Konstruktionen für eine Grundstücksgemeinschaft von Fans an der neuen Hauptribüne vorgeschlagen.
Von Seiten des Vereins wiederum ist bis jetzt keine klare Linie erkennbar, wie es weitergehen soll. Die im VfB-Fankreis organisierten Fans kritisierten dann auch unlängst scharf die aus ihrer Sicht mangelnde Kommunikation innerhalb des Vereins bzw. mit dem vereinsnahen Umfeld.
Auf dem gestrigen Fanstammtisch auf der Lohmühle mit über 100 Teilnehmern wurde diese Kritik nochmals bekräftigt und angekündigt, eventuelle Spendengelder so lange auf Sperrkonten zu "parken", bis klar sei, wohin die Reise überhaupt gehe.
Auf der Jahreshauptversammlung am 4.12. kündigte der VFB Präsident Wolfang Piest an, bis zum 15. Januar ein "zukunftsfähiges Konzept" zu erarbeiten. Würde man heute darauf wetten, dass am Ende der Saison 08/09 ein schuldenfreier Viertligist VfB-Lübeck um den Aufstieg zur dritten Liga mitspielt, würde man sicherlich eine hohe Gewinnquote haben.
Es bleibt spannend.
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