Autor: n.h.
 Pressekonferenz am Donnerstag "Ich bitte Sie, auch die positive Seite zum Ausdruck zu bringen" - Ja, der Bitte von Holstein-Präsident Reime an die berichtende Zunft am Ende der Donnerstags-Pressekonferenz kann man gerne entsprechen: Die Hauptsponsoren werden Holstein die Treue halten. Das langfristige Projekt Profifußball in Kiel wird weitergeführt - obwohl es keinen "Plan B" für den Fall einer Trainerentlassung gab.
Im Grunde genommen ist es aber ein ganz anderer Aspekt, der die Ereignisse der letzten zwei Tage in einem überaus positiven Licht für den Schreiber erscheinen lässt: Denn mit der Freistellung von Falko Götz ist der Beweis erbracht, dass "Geld und Namen" alleine eben nicht ausreichen, um im Fußball erfolgreich zu sein oder dass Erfolg auf diese Weise planbar sei. Es ist immer noch Menschliches, Allzumenschliches, das in diesem Spiel den Unterschied zwischen Himmel und Hölle ausmachen kann - und das auch seinen besonderen Reiz ausmacht.
Und während das Holstein-Präsidium der Presse im Dezember stolz wie Bolle den prominenten Fang als Heilsbringer präsentierte, ist der Schreiber nun ebenso stolz auf eine Holstein-Mannschaft, die gemeinschaftlich die Revolte wagte. Gegen einen anscheinend zur Selbstkritik unfähigen Trainer, über den die Süddeutsche aus Anlass seiner Verpflichtung im Dezember lästerte, dass er nach Einschätzung aller relevanter Experten mindestens den FC Arsenal trainieren müsste, wobei es sich allerdings bei den relevanten Experten mehrheitlich um Falko Götz selbst handelt. Wenn eine "Belegschaft" mit 24 zu 1 Stimmen einem Vorgesetzten die gelb-rote Karte zeigt, dann handelt es sich nicht um eine Ansammlung verwöhnter Individualisten, sondern um eine Gemeinschaft mit Teamspirit. Gerne zeigen andere auf Holstein mit dem Finger, was für ein geldverbrennender Deppenverein wir wären. Aber im Ernst: Hat jemals ein Team des ach so rebellischen FC St. Pauli solch eine emanzipatorische Leistung vollbracht wie der aktuelle Holstein-Kader?
Es gibt keine Abschiedstränen, die dem geschassten Übungsleiter auf holstein-block.de hinterhergeweint werden, ebenso wie es keine Freudentränen gab, als er im Dezember die Mannschaft von Erfolgstrainer Peter Vollmann übernahm.
Die Bilanz - durchwachsen
Der Holstein-Präsident mag auf der Pressekonferenz davon reden, dass die Verpflichtung von Götz kein Fehler gewesen wäre und man dessen Leistung nicht unterschätzen solle: Von offensichtlichen Defiziten im Zwischenmenschlichen abgesehen war Götz aber auch in sportlicher Hinsicht keine Kanone. Von insgesamt 13 Heimspielen wurden gerade einmal vier gewonnen. Trotz personeller Verstärkungen in der Winterpause und mit Rückendeckung der Vereinsführung, die Vollmann zuletzt nicht hatte, wurde Platz 1 in der letzten Saison nur mit Ach und Krach verteidigt und etliche Matchbälle vergeben. Verbesserungen waren lediglich im stilistischen erkennbar: Statt "Hintenrum-Gedaddel" wie bei etlichen Vollmann-Spielen schnelleres Spiel nach vorne. Wobei es auch unter Götz meist dann mit der Herrlichkeit vorbei war, wenn der gegnerische Strafraum erreicht wurde.
Was aber mehr und mehr übel aufstieß: Der Trainer war nicht in der Lage, bei Niederlagen eine persönliche Verantwortung einzugestehen. Fehler haben immer nur die anderen gemacht. Von der "Naivität" der Spieler war wiederholt die Rede. Dass jedes Spiel 4-5 Spieler "durchgeschleppt" werden müssten. Dass die Spieler noch nicht realisiert hätten, dass sie in der dritten Liga spielen würden. In aller Öffentlichkeit hat Götz den eigenen, zu großen Teilen ja selbst zusammengestellten Kader an den Pranger gestellt.  Bild aus besseren Tagen: Falko Götz & Marco Stier im Duett Man weiß nicht, was nun genau zwischen Marco Stier und Falko Götz vorgefallen ist - im Lichte einer möglichen arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung gab es dazu von Roland Reime "Kein Kommentar" und Götz lässt via Kölner Boulevardpresse verlauten, es hätte keine Handgreiflichkeit gegeben. Auf die Frage, ob nicht ein eigenständiger sportlicher Leiter die Vereinsführung früher auf die Entfremdung zwischen Trainer und Mannschaft aufmerksam gemacht hätte, antwortete Reime, dass eine zusätzliche Stelle dafür derzeit nicht geplant sei (aber auch nicht ausgeschlossen werden könne), aber in Zukunft sichergestellt werden müsse, dass solche Entwicklungen vom Präsidium schneller erkannt würden. Anscheinend muss sich die Vereinsführung nicht nur im Bereich Fanarbeit fragen, warum keine ausreichende Durchlässigkeit für Kommunikation von unten nach oben gegeben war oder ist. Im Holsteinforum wurde schon vor Tagen - leider anonym - eine "mangelhafte Teamfähigkeit der Führungsriege" behauptet. Zu Unrecht?
Zunächst war im Dezember Fassungslosigkeit, Kritik und leichter Spott auf holstein-block.de im Zuge der Verpflichtung von Falko Götz zu lesen. Ab dem ersten (und in dieser Form einzigen) Treffen mit Fanvertretern im Februar, bei dem Götz "regelmäßige und permanente Kommunikation" mit den Fans ankündigte, wurde hier konstruktiv und loyal berichtet, wie es sich gegenüber jedem gutgewillten Mitruderer im gemeinsamen Boot KSV auch gehört. Eine Herzensangelegenheit war es nie. Zuletzt nahm man hier sogar noch den Trainer vor sich selbst in Schutz: Beim Pressegespräch vor dem Jena-Spiel (und der Fandemo) gab der Trainer neben einigen unverfänglichen rhetorischen Allgemeinplätzen auch kompletten Unsinn zur "Fanproblematik" von sich. Auf holstein-block.de wurde der Unsinn ausgespart. Die Kolleg(inn)en von KIELerLEBEN waren dann in dieser Hinsicht weniger fürsorglich - oder hatten den Unsinn nicht als ebensolchen erkannt.
Aufgrund des tiefen Grabens zwischen Mannschaft und Trainer hat die Vereinsführung die Reißleine gezogen - eine Entscheidung, die "vollste" Unterstützung verdient.
Am Donnerstag sprach Roland Reime davon, dass man die ausstehenden Fragen mit Falko Götz zügig und mit Stil klären wolle - eine lange Auseinandersetzung mit entsprechender "Begleitmusik" sei nicht erwünscht. Sollten diese Angelegenheiten ebenso geräuschlos geklärt werden, wie einst Steffen Schneekloth Götz' Verpflichtung in den letzten Monaten von Peter Vollmanns Amtszeit betrieb: Dann bliebe einem nur noch, Falko Götz alles Gute für seine weitere Zukunft zu wünschen.
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