Autor: n.h.
 Zumindest der erste Teil hat geklappt. Es ist schon ein sonntagabendliches Ritual, jeweils nach dem Krimi im Ersten nochmal alle Spielberichte der Fußball-Begegnung vom Vortag und Forenbeiträge mit den eigenen Eindrücken abzugleichen, um dann selbst einen weiteren Bericht auf den Markt zu werfen, bei dem mangelnde Fachkenntnis mit dem Erzählen nebensächlicher Anekdoten kaschiert wird. Zu den Recherchequellen ist seit ein paar Wochen die Homepage des Trainers hinzugekommen, die regelmäßig und manchmal sehr schnell eine sportliche Analyse aus Christian Wücks Sicht bietet.
Nach all der Kritik, die unter der Woche von Fanseite und teilweise seitens des Trainers an der Mannschaft geäußert wurde, heißt die aktuelle Headline auf der Wück-Homepage an diesem Sonntagabend sehr passend "Freispruch auf Bewährung". Allerdings erschließt sich erst beim Lesen des Kleingedruckten, dass damit überhaupt nicht die gute kämpferische Leistung der Mannschaft gegen Osnabrück gemeint ist. Nein, es geht um die Misshandlung eines unschuldigen "Coaching-Zone-Markierungshütchens" beim Spiel in Erfurt, wegen der Wück erst im Wiederholungsfall mit einer Anklageerhebung vor dem DFB-Sportgericht rechnen müsste.
Beinahe hätte sich die Vorsichtsmaßnahme, im Spiel gegen Osnabrück alle beweglichen Gegenstände aus der Coachingzone entfernen zu lassen, als übertriebenen erwiesen. Die ungenutzte Großchance zum 2:0 nach Torwart-Abpraller durch den vormaligen Torschützen Tim Wulff und der Osnabrücker Ausgleich hätten möglicherweise ohne entsprechende Vorsorge aber doch ein unbedingtes Einschreiten des DFB erforderlich gemacht. Ist ja aber noch einmal gut gegangen ...
Und auch die Fans waren sichtlich und hörbar bereit dem Team "Bewährung" zu geben, nachdem ein direkt an sie gerichteter Aufruf der Mannschaft und des Trainers vor dem Spiel um Unterstützung warb. Wobei allerdings das Animationsprogramm der Abteilung "Stadionbeschallung", das sich vermutlich auch am Swimming-Pool einer mallorcinischen Hotelanlage gut machen würde, von vielen Fans nicht nur wegen des Kieler Schietwetters als unpassend empfunden wurde.
Dass dieses Schietwetter Kiel einen Punkt gerettet hätte, weil Osna ballsicherer und schneller nach vorne gespielt hätte, wie ein User im Holsteinforum behauptet, würde der Schreiber nicht bestätigen. Richtig ist, dass das Spiel auf tiefem Grund und einsetzendem Regen nicht gerade technisch filigran war, aber trotzdem sehr unterhaltsam. Und eigentlich über weite Strecken mit Vorteil Kiel. So war von Osnabrück erst nach der Kieler Führung mehr zu sehen - dann aber umso gefährlicher. Insbesondere beim Distanzschuss von Björn Lindemann, den Henzler gerade noch an den Innenpfosten lenken konnte, hat sich gezeigt, dass Kiel zumindest kein Torhüterproblem hat. Neben dem bekannten Problem der Abschlussschwäche war wieder einmal die Schwäche in Standardsituationen auffällig. Zwar fiel das Kieler Tor dieses Mal im Anschluss an eine Ecke - aber wieviele Ecken blieben in den letzten Monaten oder gar Jahren halbhoch geschossen am erstbesten gegnerischen Spieler kleben?
Anscheinend schießt Wück mit mäßig geeignetem Spielgerät besser. Laut DFB flog besagtes Hütchen immerhin 12 Meter weit.
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