Autor: n.h.
"Zuckarstangen mit Farbstoff Stück 1.-" - Zumindest beim Süßigkeiten-Verkaufswagen, der erstmals auf dem Vorplatz des Stadions stand, konnten die geneigten Holsteinfans volle Klarheit über den Preis erhalten. Wobei allerdings die Frage offen bleiben muss, ob es jetzt eigentlich einen Fischbrötchenverkauf am Stadion geben würde, wenn die Holsteinfans jahrelang gebrannte Mandeln als Bereicherung des Stadioncaterings gefordert hätten. Unbeantwortet blieb allerdings auch die Frage, die manch einen Fan umtrieb, der noch lange nach dem Spiel am Stadionausgang wartete. Höflich wollte man nämlich den Schiri danach fragen, was denn sein Preis wäre. Doch der lies sich erst blicken, als der Großteil der Kauf- und Wettinteressierten schon abgezogen war.
Aber es wäre zu einfach, dem selbstverständlich unbestechlichen, dafür aber blinden Schirigespann die volle Schuld an der Holsteiner Niederlage in die Schuhe zu schieben.
Nach sehr gutem Anfang bewies das Holsteiner Team, dass "lässig" und "nachlässig" das Gleiche meinen kann. Zwanzig Sturm-und-Drang-Minuten brachten ein Tor, aber weitere Torchancen wurden nachlässig vergeben. Im Spielaufbau hatte man manchmal das Gefühl, dass eine gewisse Lässigkeit an den Tag gelegt wurde, weil man sich spielerisch überlegen wähnte. Doch daraus wurde auch die Einladung an Plauen, den Ausgleich zu machen.
Man kann eigentlich nicht sagen, dass Holstein wirklich schlecht gespielt hätte - da hat man wirklich schon wesentlich üblere Spiele in den letzten Jahren gesehen. Völliger Quatsch wäre es, wegen diesem im Ergebnis missratenen Spiel nun wieder alles in Frage zu stellen. Nach wie vor bleibt die Aussage von Thorsten Gutzeit gültig, dass dieses Team jede Mannschaft schlagen kann. Auch RB wäre beinahe "fällich" gewesen, und wer weiß, wie das Plauen-Spiel ausgegangen wäre, wenn es nicht diesen Elfmeter gegeben hätte.
Der Elfmeter: Man erlebt als Zuschauer ab und an Situationen, wo ein eigener Spieler bei einem knappen Spielstand einen gegnerischen Spieler eventuell regelwidrig im eigenen Strafraum legt. Man hat dann eine Schrecksekunde, ob der Schiri pfeift oder nicht, und der Magen zieht sich zusammen. Die konkrete Situation, die gegen Kiel gepfiffen wurde, sah allerdings nach garnichts aus. Eine absolut unspektakuläre Spielszene. Und selbst beim MDR-Videomittschnitt sieht man nicht dass, was man gemeinhin als Foul bezeichnet. Dass das Schirigespann andererseits z.B. Handspiele oder klare Fouls zu Ungunsten Kiels übersah, ließ wohl auf Kieler Seite die Emotionen überkochen. Gerne würde man wissen, was Marc Heider dem Schiri denn gesagt hat, bevor er des Feldes verwiesen wurde - wenn es denn überhaupt um eine Beleidigung ging. Auch wenn dem Team im Endeffekt damit ein Bärendienst erwiesen wurde: Heider hatte bestimmt Recht.
Dass Plauen am Ende sogar noch das 1:3 machen konnte, war dann eigentlich auch egal. Am Ende gab es trotzdem noch Applaus für das Holsteiner Team, obwohl das die zweite Heimniederlage in Folge war - und das übrigens auch ganz ohne animierenden Deppen-Jingle aus den Stadionlautsprechern. Solche waren aber leider wieder wie erstmals gegen RB während des Spiels zu hören. Gehört aber wohl bei Holstein dazu, dass man sich als normal veranlagter Fußballzuschauer immer wieder mal für die tollen, im stillen Kämmerlein ersonnenen Einfälle der Event- und Gagafraktion schämen muss. Vielleicht wäre es aber taktisch sowieso klüger, wenn die Holsteinfans mehr Handball und mehr Gaga im Stadion fordern würden. Siehe oben.
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