Autor: Baut
 Weder Tore ... Wenn das Highlight einer Auswärtsfahrt
eine im Namen leider schon wieder vergessene türkische Köstlichkeit
auf einem Berliner Flohmarkt war, dann ist das meiste bereits gesagt.
„Früh“ morgens ging es mit Umweg
über Hamburg, wo zwei weitere unerschrockene, aber sichtlich müde
Holstein-Auswärtsfahrer eingesammelt wurden, Richtung Berlin. Die
Fahrt dorthin war erfüllt von dem leisen Schnarchen der beiden
Rückbanksitzer und zwischendurch mehr oder minder leidenschaftlichen
Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von
Anti-Castor-Demonstrationen. Angekommen in Berlin, ganze zwei Stunden
zu früh, stellte sich die Frage nach der jetzt folgenden
Beschäftigung, denn gelangweilt und daraufhin vermutlich bald völlig
betrunken vor dem Stadion zu sitzen, war keine ansprechende
Alternative, so ging es zu Fuß auf eine Umrundung des Geländes.
Auf diesem Spaziergang wurde ein
benachbarter Flohmarkt ausgemacht, der sich über einen großen Teil
des angrenzenden Parks erstreckte. Eigentlich war der ausgegebene
Auftrag für einen Mitfahrer nach Bernstein zu suchen, allerdings
wurde diese Suche von einem Stand je zu Nichte gemacht, an dem es
eben jene Köstlichkeiten gab, die bereits in der Einleitung
Erwähnung fanden. Eine ältere Dame saß an einem kleinen Tisch im
Hintergrund des Standes und knetete frisch hergestellte Teigfladen
zurecht, die dann nach Fertigstellung ihren Weg auf eine heiße
Steinplatte fanden. Hier wurden sie mit verschiedenen Mixturen, unter
anderem mit Hackfleisch, bestrichen und einmal in der Mitte gefaltet.
Diese gefüllten Teigfladen wurden nun zusammengerollt mit Salat und
einer Soße serviert und zum Preis von 3,50€ angepriesen. Kurzum
ein sehr leckeres Essen und ein Grund fortan überall nach diesem
Gericht zu gucken.
 ... noch Castoren.
Nach der Stärkung war die Zeit
gekommen das Stadion aufzusuchen und sich dort von der bereits
eingetroffenen Fraktion der Frauenfeindlichen begrüßen zu lassen.
Dieser inzwischen angewachsene „Mob“ von circa 20 Personen sah
anscheinend so gefährlich aus, dass er prompt von Polizisten
eingekreist werden musste. Das Gefahrenpotential war offenbar so
groß, dass selbst Uniformierte Militärpolizei anrücken musste, ob
wirklich wegen uns sei an dieser Stelle bezweifelt.
Nach mehreren Querelen mit
versprochenen Freikarten und einer doppelten Einlasskontrolle ging es
pünktlich um 13.45Uhr ins Stadion, wo festgestellt werden musste,
dass Kiel an diesem Tag zum größten Teil alleine die
Zuschauerzahlen bestreiten würde, insgesamt offiziell 158 Zuschauer,
von denen gefühlt 156 aus der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins
angereist waren. Der Stimmung sollte dies allerdings keinen Abbruch
tun, selbst die, sagen wir, durchschnittliche Stadiongastronomie
wurde als gegeben hingenommen, die namenlose Köstlichkeit lag auch
weiterhin wohltuend im Magen, sodass eine langweilige Bratwurst oder
wabbelige Pommes dort eh keinen Platz mehr gefunden hätten.
Das Spiel plätscherte vor sich hin und
bot abgesehen von einem verschossenen Elfmeter und ein paar
„Naja-Torchancen“ absolut nichts wofür es sich gelohnt hätte an
diesem Tag Berlin aufzusuchen. Am Ende hieß es dann folgerichtig
0-0.
Ein weiteres in Erinnerung bleibendes
Ereignis soll allerdings nicht unerwähnt bleiben, da es gleichzeitig
die Überschrift dieses Berichts liefert, nämlich ein Lied, das
nach kurzer Anlaufzeit während der Halbzeitpause und nach Abpfiff
teils leidenschaftlich von den Anhängern der KSV mitgesungen wurde.
Abgesehen von dem letzten Wort des Refrains, Türkiye, war der Text
für alle Anwesenden unverständlich, was jedoch noch mehr dazu
beitrug dieses Lied zum absoluten Ohrwurm der Fahrt werden zu lassen.
Die Nachfrage bei den Verantwortlichen des Vereins nach Name und
Interpret wurde bereits vorgenommen und kann vielleicht schon bald
nachgereicht werden. Bis dahin: TÜRKIYE!
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