Autor: n.h.
Bereits der Samstagmorgen war schon "ein kleines bisschen Horrorshow". Denn um 10 Uhr klingelte das Telefon und der nur mäßig wache Schreiber erhielt die Nachricht, dass er unverhofft bereits um 12 Uhr einen wichtigen "Ex-Fanbeauftragten-Termin" am Stadion habe, so dass das Frühstück aus einem schnell heruntergestürzten Kaffee, einem Donut von der Shell-Tanke und vor allem Paracetamol bestand. Insofern passte auch die Choreo auf der Westtribüne mit dem Clockwork-Orange-Motiv zu Spielbeginn zum eigenen körperlichen Befinden nach einem etwas längeren Freitagabend. Wobei sich "RICHTIG HORRORSHOW" auf blau-weiß-rotem Grund sowieso schon unterschiedlich interpretieren lässt: Nämlich dass Holstein im eigenen Stadion mit mehreren Nackenschlägen in Folge für die Fans eine richtige Horrorshow ist. Oder eben auch, dass ein wehrloser Gastverein wie Havelse richtig was auf die Mütze bekommt.
Was sich am Ende dann ja auch bewahrheitet hätte.
Dabei muss man allerdings sagen, dass der TSV Havelse selbst einen großen Anteil daran hatte, dass Holstein seinen höchsten Punktspielsieg vor heimischem Publikum seit dem 21.9.2007 (8:0 Osterholz-Scharmbek) feiern konnte. Das war insbesondere in der ersten Halbzeit vielleicht eine der schwächsten Leistungen eines Gästeteams seit Jahren im Holsteinstadion. Symptomatisch, dass selbst ein (umstrittener) Elfer nicht verwandelt werden konnte, wobei natürlich Michael Frech nicht nur in dieser Situation eine großartige Leistung zeigte.
Holstein hatte teilweise richtig viel Platz, so dass bereits zur Halbzeit das ziemlich großspurig im Vorbericht angekündigte 4:0 stand. Natürlich ist es großartig, dass Holstein nicht wie in vielen Spielen zuvor eine Chance nach der anderen liegen ließ. Ein großes Lob auch für die gute kämpferische Einstellung und den erkennbaren Willen, dem zuvor nicht gerade verwöhnten Heimpublikum gute Unterhaltung mit Happy End zu bieten. Ein Grund zum Abheben bot das Holsteiner Spiel vom geilen Ergebnis abgesehen aber auch nicht.
In der zweiten Halbzeit sah es lange Zeit so aus, als sollte der Schreiber mit dem 4:0-Tipp Recht behalten, manche Beobachter wollen zudem auch Unsicherheiten in der Kieler Abwehr erkannt haben. Recht lange dauerte es, bis die Holstein-Fanblöcke Kieler Angriffe aus der Nähe bestaunen konnten. Als bei den niedersächsischen Halbprofis offensichtlich die Kräfte zur Neige gingen, konnte Holstein aber nachlegen und seinen Ruf als Wundertüte der Liga eindrucksvoll mit dem höchsten Sieg der Nordstaffel in dieser Saison bestätigen - wenn man mal den Chemnitzer FC außen vor lässt.
Aber nicht nur beim Team auf dem Platz war trotz des fantastischen Ergebnisses noch Luft nach oben: Die per Fanseiten, Stadionmagazin und Stadionsprecher angekündigte Spendenaktion für den Erhalt der alten Kilia-Tribüne brachte bis dato 108,60 Euro. Beim Heimspiel gegen Braunschweig 2 wird Gelegenheit sein, noch seinen/ihren Obolus für ein Stück Kieler Fußballkultur zu entrichten.
Beim Stichwort "Fußballkultur" fällt im übrigen noch ein, dass noch eine weitere mögliche Interpretation der "Horrorshow-Choreo" nachzutragen ist: Peinliche Mitklatsch-Jingles bei Standardsituationen einzuspielen ist die reinste Horrorshow - im wahrsten Sinne des Wortes.
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