Autor: n.h.
 Marley und Gutzeit - fehlt nur noch Che Guevara. "Alles Kommunisssten!!! Und im Vorstand sind auch nur Kommunisssten!!!" - Gerade hatte Wilhelmshaven den 2:2-Ausgleich gegen Kiel gemacht, als ein durchaus prominenterer Alkoholbefürworter in Block J diese messerscharfe Analyse zum Geschehen auf dem Platz und bezüglich der Holstein-Verantwortlichen lautstark zum Besten gab. Für die Kiddies im benachbarten Familienblock K1 ist das natürlich eine pädagogisch wertvolle Sache, mit erweitertem Wortschatz nach Hause zu gehen. Wobei die Schlausten sowieso zukünftig den Holsteinspielen wegen eines aufgebesserten Tageschengeldes entgegenfiebern werden. Als Mitgehkinder. Denn während zwei Erwachsene für K1 im Einzelverkauf 36 Euro bezahlen müssen, sind es bei zwei Erwachsenen mit Kind nur 32 Euro. Wenn man es also trotz elektronischer Einlasskontrolle schafft, vier Ladungen Erwachsene reinzuschleusen und jeweils Halbe-Halbe macht, bleiben 8 Euro Reingewinn - dafür hätte der Schreiber Anfang der 80er über 100 Holsten-Edel Pfandflaschen auf dem Eutiner Waldeck-Sportplatz sammeln müssen! Ganz nebenbei: hat jemand zufällig vor Wochen diesen Bericht im SH-Magazin gesehen, wo ein Knirps in Wacken mit einem getuneten Lasten-Kettcar gegen Bares Bierpaletten vom Edeka zum Festivalgelände transportierte? Großartig, oder?
Wenn man Kommunismus als "gute Unterhaltung für alle" definieren würde, so wäre die Analyse des eingangs zitierten Holsteinfans bezogen auf die gesamten 90 Minuten des ersten Heimspiels der Saison 10/11 ein absoluter Volltreffer - mehr geht kaum.
Die ersten 57 Minuten des Spiels könnte man größtenteils unter dem Stichwort "totale Dominanz" verbuchen. Neben den beiden Treffern von Sykora und Schulz gab es jede Menge gewonnenene Zweikämpfe, schöne Angriffe und ausgelassene Torchancen wie jene in der 55. Minute, wo Sykora frei vorm Torwart aus kurzer Distanz den Ball noch übers Tor bekommt. Man fühlte sich ein wenig an Spiele in der Oberliga-Saison 07/08 erinnert. Das erste Gegentor fiel buchstäblich aus heiterem Himmel, danach funktionierte im Holstein-Spiel nur noch wenig. Und war man mit dem 2:2 zwanzig Minuten vor Schluss nicht schon bedient genug, so hatte man um die 80. Minute rum nach einer Wilhelmshavener Ecke aus Richtung der entfernten Holsteiner Fanblöcke mehrmals das Gefühl, der Ball würde gleich hinter Frech im Netz zappeln.  Der Ball ließ sich offensichtlich nicht hypnotisieren - Heider traf trotzdem. Dass es eine Minute später Elfmeter für Holstein gab, war mit Sicherheit gerechtfertigt, denn ein Holsteiner Spieler, Sofien Chahed, lag nun einmal innerhalb des Wilhelmshavener 16ers am Boden, und da hat ein Schiri nun einmal zu pfeifen. Vor dem verwandelten Strafstoß durch Heider machten sowohl der Wilhelmshavener Torwart, der ob seines Bibiana-Steinhaus-Looks von der Westtribüne für seine Haare gelobt wurde, und noch ein Feldspieler vom Jadebusen irgendeinen schwer interpretierbaren Quatsch mit dem bereits am Elfmeterpunkt liegenden Ball, so dass sich die Ausführung noch verzögerte und man sich noch ein paar Augenblicke länger in einer einigermaßen unerträglichen Spannung suhlen konnte, bevor der Ball letztlich drin war. Zur bisherigen Erfolgsgeschichte dieser Saison gehört, dass statt des gewohnten Schlags ins Gesicht zum Spielende jetzt bereits zum zweiten Mal hintereinander ein Happy End angesagt war.
Ein ausgiebiges Feiern des Heimsieges sollte sich indes für gut 60 Holsteinfans noch etwas verschieben, da man danach zwar in eine Kneipe ging, aber dabei durchaus ernsthafte Dinge zu besprechen hatte - was größtenteils auch gelungen ist. Von dem Versuch, die alte Supporters-Fanvereinigung wieder zu beleben, wird sicherlich auf diesem oder anderen Kanälen noch berichtet werden.
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