Autor: n.h.
 Torsten Fröhling beim 'kleinen Derby' auf der Lohmühle Das ist mit Sicherheit eine Premiere auf dieser Seite, dass die Überschrift für eine Rückschau auf ein Spiel bereits vor dem Spiel feststand - sonst ist die Headline meist als letztes fertig. Auf den ersten Blick scheint der Zeitpunkt, ausgerechnet nach dem einzigen Heimsieg des Jahres vor etwa 1500 anwesenden Kieler Zuschauern nach einem neuen (alten) Trainer für die nächste Saison zu rufen, ungünstig. Wobei das Gegenteil richtig ist: Eine solche Forderung macht gerade dann am meisten Sinn, wenn sie frei ist vom Geruch des Populismus bzw. dass man einfach nur auf einen fahrenden Zug aufspringt, wie es bei einer weiteren Niederlage zwangsläufig geschehen wäre.
Der Schreiber hat derzeit große Sorgen, dass man bei Holstein nicht aus den Fehlern der Vergangenheit lernt und auch die nächste Saison unter die Rubrik "verlorene Zeit" fallen wird. Dass einerseits aus heiterem Himmel wieder externem Personal der Vorzug gegeben wird, bevor man bewährten (!) eigenen Leuten das Vertrauen gibt. Oder dass ein "Weiter so!" regiert. Was im Falle von Christian Wück bedeuten würde: mit einem der Verantwortlichen für diesen sportlich kläglichen Abstieg, der am Ende auch rechnerisch schon drei Spieltage vor Ende feststand, wird die sich bietende Chance auf eine Aufbruchstimmung durch einen ehrlichen Neubeginn, im Keim erstickt.
Kurzum: Man möchte endlich wieder mit dem Spaß und der maximalen Identifikation mit dem Verein zu Holsteinspielen gehen können, wie es zuletzt in der Hinrunde der Saison 08/09 möglich war. Unabhängig von der Ligazugehörigkeit.
Hier soll weniger von Taktiken oder der häufig unterstellten Distanz zwischen aktuellem Trainer und Team die Rede sein. Sondern zunächst mit zugegebenermaßen unmodernen Begriffen wie "Gerechtigkeit", "Anerkennung" und "Loyalität" argumentiert werden.
Torsten Fröhling hatte die Mannschaft im September vom menschlich und teilweise sportlich gescheiterten Götz übernommen. Nach drei Spielen hieß die Bilanz: 6 Punkte, 6:5 Tore. Selbst die Niederlage in Wuppertal erscheint in der Rückschau mit drei Toren bei bisher insgesamt 38 geschossenen Toren respektabel. Anders als Peter Vollmann, der wahrlich nicht den Ruf hatte, stark auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, schien mit dem U23-Trainer die auch von Falko Götz propagierte stärkere Verzahnung von Ligamannschaft und Leistungszentrum personell geradezu ideale Kontinuität zu erfahren. Es sollte anders kommen, wie wir wissen.
Unter Trainer Wück, der im Winter personell nachbessern durfte (Cannizzaro, Schüßler) und zuletzt auch "seinen" Ahlener Co-Trainer, Bernd Heemsoth, an die Förde holen konnte, ging es mit wenigen Ausnahmen sportlich abwärts, während parallel der wieder ins zweite Glied zurückgesetzte Fröhling mit seiner U23 nach 25 Spielen mit 63 Punkten bei 82 (!) Toren nahezu maximalen Ertrag einfuhr.
Als Folge des Abstiegs der Ligamannschaft kann die U23 mit Torsten Fröhling nun nicht den gerechten Lohn für ihre Leistungen genießen und in die Regionalliga aufsteigen. Für den Übungsleiter, der mit Altona 93 in der Oberliga-Saison 07/08 mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln den zweiten Platz hinter Holstein holte, im Grunde genommen die zweite unverschuldete Degradierung.
Die Frage sollte erlaubt sein: Was muss ein Angestellter der KSV Holstein denn noch tun, um den Beweis zu erbringen, für einen Job geeignet zu sein? Und wo werden eigene Mitarbeiter motiviert, wenn sie trotz bester Leistungen nicht die entsprechende Anerkennung finden und sich ein Posten als Sackgasse ohne Perspektive erweist? Loyalität funktioniert immer in zwei Richtungen. Sollte die Trainerfrage zur neuen Saison ein weiteres Mal an Fröhling vorbei "extern" beantwortet werden, so wäre es allzu verständlich, dass er sich nach anderen Aufgaben umsehen würde.
Es ist als Außenstehender schwierig, Gerüchte darüber zu bewerten, ob ein Trainer eine Mannschaft erreicht oder nicht. Der Flurfunk ist in dieser Hinsicht immerhin eindeutig, dass Fröhling sowohl in der U23 als auch in der Ligamannschaft ein gutes Standing besitzen soll. Was das im modernen Fußball nicht völlig unwichtige Kriterium der Außendarstellung angeht, so weiß der Schreiber von Pressegesprächen zu berichten, wo sich ein Interimstrainer (wie auch der aktuelle) sympathisch, zugänglich und fachkundig, allerdings auch etwas kantig (also interessant) präsentierte. Daran kann es also nicht liegen.
Das Kriterium, das für eine Holstein-Fanseite noch wichtiger ist: Fröhling hat Kredit bei den Fans. Umso unverständlicher, dass in manchen Diskussionen Namen wie Frank Pagelsdorf oder bestenfalls Pavel Dotchev fallen - wozu? Die Jahre, wo Holstein ein Synonym dafür war, wie aus maximalem finanziellem Einsatz sportliche Minimalergebnisse werden, sollten endlich vorbei sein. Und es geht auch darum, in Kiel und in der Region Vertrauen zu gewinnen, dass man als fußballerisches Aushängeschild des hohen Nordens endlich einmal auf dem Teppich bleibt. Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass bei Holstein nicht auch die Überschriften "Bodenständigkeit" und "Bescheidenheit" zu einem "stylischen" Marketingslang verkommen, der ohne entsprechenden Inhalt bleibt.
Was die Überschrift dieses Artikels angeht, so ist sie sicherlich nicht sehr filigran oder humorvoll formuliert angesichts dessen, dass sie schon länger in der Mache war. Aber dafür ist sie maximal ehrlich.
[Bild: Copyright holsteins-zweite.de]
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