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Holstein Kiel - Rot-Weiß Erfurt - 1:2

Tod mit Ansage

24. Apr 10
 

Autor: Jane_Doe

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Lag es an der Mannschaft ...
Der Fußballtag begann feucht-fröhlich, da eine Dame mit südholsteinischen Wurzeln ihren Junggesellinnenausstand gab und uns so vor dem Stadion mit Prosecco und Erdbeeren versorgte. Ganz amüsant war dabei anzusehen, wer denn so alles ein Sektglas in der Hand hielt und gleichzeitig vehement darum bat, entsprechendes Fotomaterial aus Imagegründen nicht ins Internet zu stellen. Falls sich jemand noch Hoffnungen bei der jungen Dame gemacht haben sollte: Der Zug ist nun endgültig abgefahren.

Dies gilt nun auch – man mag fast hinzufügen „endlich“  – für unsere KSV. Wir sind nun auch rechnerisch abgestiegen. Und das haben wir uns auch redlich verdient.

Zum Spiel selbst gibt es an dieser Stelle nicht viel zu berichten. Die Mannschaftsleistung war heute insgesamt schlichtweg eine Respektlosigkeit gegenüber allen anwesenden Menschen im Stadion. Bemerkenswert ist vielleicht noch, dass beide Erfurter Tore, die zum absolut verdienten 1:2 führten, tatsächlich keine Abseitstore waren. 

Erschreckend war, dass ich nicht erschreckt war. Oder überrascht. Es tat nicht mal richtig weh. Keine Tränen wie beim letzten Mal, dabei hatte ich heut extra den wasserfesten Mascara benutzt. Aber so ist das wohl, wenn man dem Verein, der Mannschaft und letztlich auch sich selbst seit geraumer Zeit beim Drittliga-Sterben zusieht. Wenn man sich gedanklich schon länger aus der Liga verabschiedet hat und heute eigentlich nur ins Stadion gekommen ist, um abzusteigen. „Ein Tod mit Ansage“, wie ein langjähriger Holsteinfan heute sagte. Ein Tod, auf den man sich schon länger hat einstellen können, allen Hoffnungsschimmern und positiv-optimistischen Aussagen (zum  Teil auch wider besseres Wissen) zum Trotz. Nur irgendwo muss er ja hin, der Frust. Und die Enttäuschung. Und die Wut. Und so flüchteten sich einige in Pfiffe, andere in sarkastisch-ironische Gesänge und Polonäsen und wieder andere in (in meinem Fall zusätzlich durch Prosecco gedämpfte) Emotionslosigkeit.

Und es ist auch gar nicht so einfach mit dieser Wut. Auf wen oder was soll man sie richten? Wer oder was trägt denn tatsächlich die Verantwortung für diesen Sinkflug unserer Störche? Woran lag oder liegt es, dass wir abgestiegen sind? Jede und jeder von uns wird sich da die eigene Wirklichkeit konstruieren.

War die Zusammenstellung der Mannschaft – sowohl bzgl. der Leistung und Positionen als auch bzgl. des Charakters – nicht optimal? Waren die Entlassung Vollmanns und das Engagement von Götz ein Fehler? War ein so langfristiger Vertrag für Götz mit so vielen Freiheiten sinnvoll? Oder war die Entlassung von Götz ein Fehler? Was wäre passiert, wenn man sich – wie in vielen Unternehmen bei „bedeutsamen“ Abteilungen üblich – während oder nach der ganzen Götz-Geschichte professionelle Unterstützung in Form von Teamentwicklung und Supervision geholt hätte?  Hätten wir Fans und Anhängerinnen und Anhänger uns irgendwie – und wenn ja, wie – anders verhalten können? Haben sich die Vereinsverantwortlichen zu lange von „Einflüsterern“ leiten und professionelle Strukturen schleifen lassen? Was wäre passiert, wenn der Verein nach der Götz-Entlassung an Fröhling festgehalten hätte? War oder ist Christian Wück der richtige Mann zur falschen Zeit oder ist er einfach nur der falsche Mann? Können die Spieler, die wollen, nicht? Wollen die Spieler, die können, nicht? Was wäre passiert, wenn man sich von Christian Wück doch vorzeitig getrennt hätte und auf einen „neue-Besen“-Effekt gesetzt hätte? Gibt es überhaupt einen Trainer, der diese Mannschaft hätte langfristig erfolgreich trainieren können insbesondere mit dieser Götz-Geschichte im Hintergrund? Wären wir erfolgreicher gewesen, wenn es nicht den langen Winter oder diese Magen-Darm-Grippe gegeben hätte? Hätte sich etwas geändert, wenn Vereinsverantwortliche vor allem in der letzten Zeit ein wenig mehr emotionale Betroffen- und Geschäftigkeit nach außen hin vermittelt hätten? Liegt es auch an den verschenkten Punkten der letzten Spiele durch die unterirdischen Leistungen der Schiedsrichtergespanne? War die Entscheidung, anstehende Vertragsverhandlungen auf Eis zu legen, richtig? Was wäre passiert, wenn man sich nicht von Thom und Thomforde getrennt hätte und die Position der Mannschaft so direkt oder indirekt nicht weiter gestärkt hätte?  Wurde die 3. Liga qualitativ unterschätzt? Spieler und Trainer gingen, das Umfeld in den letzten Jahren ist  eine „konstante“ Variable – liegt es daran und wenn ja, was ist „das Umfeld“? Was wäre passiert, wenn man den Spielern die Möglichkeit gegeben hätte, sich psychologische Unterstützung zu holen, etwa um Drucksituationen besser zu bewältigen und motivational zu arbeiten? Hätte eine von der aktiven Fanszene geforderte Ablösung des Sicherheitsbeauftragten aus politischen Gründen vielleicht doch Sinn gemacht, damit sich so alle wieder auf das Wesentliche hätten konzentrieren können? Hätte man andere – und wenn ja, welche – Spieler als Verstärkung verpflichten müssen? Hätte ein Image, das in der Außenwahrnehmung mehr von Sympathie und Bodenständigkeit geprägt wäre als von Abgehobenheit, vielleicht zu einer breiteren Unterstützung der Kielerinnen und Kieler geführt?  Hätte man an anderen Spieler – und wenn ja, welchen – festhalten müssen? Waren die Systemumstellungen unter Wück wirklich immer notwendig oder trugen sie zur Verunsicherung bei? Hätte man sich von anderen – und wenn ja, welchen – Spielern früher verabschieden müssen? War und ist es sinnvoll, ein Konzept wie 2012 in die Öffentlichkeit zu blasen? Welche Größe ist für unsere Brötchen tatsächlich sinnvoll? Ist der Abstieg  eine letzte Nachgeburt der Ära Schneekloth?

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... oder fehlte einfach nur das Glück?
… Diese Liste ist vermutlich beliebig fortzusetzen.  Wenn man sich nun auf mehrere Gründe subjektiv festgelegt hat, bedeutet dies jedoch immer noch nicht, dass der subjektiv richtige Adressat für die eigene Enttäuschung oder Wut nun gefunden sei. Die Entscheidungsstrukturen bei Holstein sind selbst für interessierte Außenstehende so intransparent, dass man gar nicht so richtig weiß, wer da mit wem welche Entscheidungen warum  und wann getroffen hat. Und so bleibt der eigene Frust weiter ziellos. 

Dieses Wissen um ein Ziel würde zwar subjektiv möglicherweise der einen oder dem anderen kurzfristig helfen, aber letztlich ist es sehr viel bedeutsamer, dass die Verantwortlichen  die komplette letzte Saison (bzw. die letzten Jahre) mit all den getroffenen Entscheidungen – auch in Abgrenzung von anderen Vereinen mit weitaus weniger Etat - analysieren. Dies kann möglicherweise auch mal weh tun, wenn man etwa zu dem Schluss kommt, man selbst hätte zu dem einen oder anderen Zeitpunkt anders handeln können und sogar müssen. Aber nur dann, wenn die Vergangenheit zumindest intern ehrlich aufgearbeitet wird und daraus die richtigen Schlüsse gezogen werden, ist  künftig eine langfristig-positive Zukunft für unsere KSV möglich. Und darauf hoffen wir selbstverständlich alle – wie auch immer sie aussehen wird. 

Bis dahin geht es darum, sich einigermaßen anständig aus der 3. Liga zu verabschieden und den Einzug in den DFB-Pokal zu sichern. Dies hat – egal, wohin es den einen oder anderen Spieler nach der Saison verschlagen wird - auch etwas mit der eigenen Selbstachtung als Profi zu tun. Und mit Respekt. Es scheint nach dem heutigen Spiel leider angebracht, einige – nicht alle – daran zu erinnern.  

[Bilder: calcio-culinaria.de]

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Kommentare (1)
Geschrieben von Guest, am 25. Apr 10 um 22:36,
Wer oder was trägt denn tatsächlich die Verantwortung für diesen Sinkflug unserer Störche?  
 
Ich hatte schon bei der Kaderzusammenstellung ohne einen einzigen 3.Ligatauglichen Stürmer, und ohne einen starken Offensivem Mittelfeldmann meine Bedenken. Dazu die vielen verletzungsanfälligen Ü 30 Spieler wie Boy, Hasse,Sandmann, Guscinas und Hoffmann, die inwischen zum Teil sogar Sportinvaliden sind! Der größte Fehler der Verantwortlichen aber war der Trainerwechsel auf Wück, und die Kündigungen von Thompforde und Thom! Wück hat dafür gesorgt das Holstein von einem Nichtabstiegsplatz auf das Tabellenende gerutscht ist! Die beispielslose Serie von 14 Spielen ohne Sieg spricht für sich, mit diesem Trainer wurde der Abstieg verpflichtet!
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Kommentare

100 Jahre Holstein-Stadion/Platz
schöner Kommentar shalalala :D
14.11 '11 um 16:34
Von -ZEUS- Weiter ...

100 Jahre Holstein-Stadion/Platz
shalalala shalalalalalalala 100 Jahre...
11.11 '11 um 14:17
Von shalalala Weiter ...

100 Jahre Holstein-Stadion/Platz
so siehts leider aus.....
4.11 '11 um 19:02
Von beobachter Weiter ...

100 Jahre Holstein-Stadion/Platz
Würde mir auch wünschen das der Verein...
2.11 '11 um 13:28
Von Holstein Freund Weiter ...



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