Autor: n.h.
 Still not loving Handball Wann hat man sowas schon erlebt bei Holstein: Gerade hatte das Kieler Team - wie so (gefühlt) oft in den letzten Jahren - in der Endphase nach langer Führung noch eine Niederlage kassiert (Halle, 4.5.09!), und die Mannschaft wird wie ein Sieger vom Publikum verabschiedet. Auch zwei Tage nach dem Freitagabend im Holsteinstadion fällt der Rückblick nicht eindeutig aus. Zitat 1 aus dem Holsteinforum: "In den letzten Minuten noch zu verlieren ist grundsätzlich Mist, aber gegen diesen Drecksverein und auf diese Art und Weise - das ist besonders bitter gewesen.", Zitat 2:"... ein klasse Spiel unserer Jungs, vor allem kämpferisch. Die Einstellung war überragend." Es sind wohl solche Niederlagen, die zusammen schweißen.
Dabei war der Abend bis zur 73. Minute nahezu perfekt.
Gut gemästet, aber dennoch "hungrig" kam der Schreiber eine Stunde vor Anpfiff mit Anhang ans Stadion, nachdem man vorher noch in einem Wiker Döner ein ausgiebiges Protest-Essen gegen diesen schäbigen Rassisten* Thilo Sarrazin abhielt. Einziger Schönheitsfehler vor Anpfiff, dass genau vor der Nase das letzte "Love Football - Hate Red Bull"-Shirt am Stand der Supside über den Tisch ging. Wenn dieser Total-Ausverkauf nicht schon als Beweis gereicht hätte, wie motiviert die Kieler Fans waren, so wäre dieser dann spätestens mit dieser geil gemachten und vor allem inhaltlich völlig korrekten Choreo erbracht gewesen: "Was man mit Geld nicht kaufen kann sind echte Fans und Tradition. " - Yesss!!!
Und auch das Spiel war der erhoffte offene Schlagabtausch. Auch wenn RB zu Beginn noch eher zu Chancen kam, sah das, was Holstein machte, immer besser aus. Während die zusammengekauften Treter immer wieder dem Ball Flügel verliehen und lang und hoch versuchten, das Mittelfeld zu überwinden, lieferten einige Holsteinspieler nicht nur eine großartige kämpferische Leistung ab. Im Vergleich zur letzten Saison ging das mitunter richtig schnell und technisch ansehnlich nach vorne. Was Spieler wie Marc Heider oder Sofien Chahed teilweise ablieferten, war eine Augenweide für die Zuschauer. Und selbst ein Spieler wie Jakob Sachs, der in den Spielen zuvor kaum auffiel, zeigte ein richtig gutes Spiel. Oder die Teenie-Fraktion, Yannik Jakubowski und Ferhat Yazgan ... eigentlich ist niemand wirklich negativ aufgefallen. Kein Gemecker auch von den Rängen - es sei denn gegen RB-Spieler, die gerne nicht nur gelb hätten sehen können.
Zur Pause war der Schreiber voller Hoffnung, den Spielbericht mit "Red Null" betiteln zu können. Wie wir wissen, kam es dann doch anders. Mit einem 1:1 hätte man sich sicherlich noch anfreunden können, mit dem 1:2 sicherlich nicht mehr - das Stadion stand kurz vor Schluss erst einmal unter Schock. Doch auch aus dem Block der Gästefans war kaum etwas zu vernehmen - da hatte Nordkorea wirklich bessere Arbeit beim Casting der chinesischen Schlachtenbummler in Südafrika geleistet. Wurden die denn überhaupt nicht auf ihre Rolle als Fußballfans vorbereitet? Wobei im Holsteinforum vermutet wird, dass dort sowieso nur 10 Anhänger des kommenden Real-Madrid-Rivalen standen und der Rest nur Groundhopper aus aller Herren Bundesländer waren.
Wobei in Sachen Stadionkultur auch Holstein mal wieder voll ins Klo gegriffen hat indem erstmals und hoffentlich auch letztmals alberne Animations-Jingles bei Freistößen gespielt wurden. Bitte sofort wieder abschaffen! Und beim nächsten Mal die Fanbeauftragten gleich vorher fragen. Die haben nämlich von solchen Dingen offensichtlich mehr Ahnung und könnten manch Blamage im Vorfeld verhindern. Im übrigen ist es wirklich keine gute Idee, gerade in Kiel einen zweiten Handballclub etablieren zu wollen - waren denn die mehr als halbleeren Ränge beim Hallenmasters nicht Warnung genug, dass die Leute einfach leidenschaftlichen Fußball sehen wollen und keinen Eventschrott?
Solche lästigen Kleinigkeiten oder auch das von den Holstein-Verantwortlichen sinnlos verpulverte Geld für die völlig überflüssigen elektronischen Einlasskontrollen können aber nicht das Gesamtbild stören. Man geht derzeit wieder gerne zu Holstein.
(*"Das wird man ja wohl noch sagen dürfen")
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