Autor: n.h.
 'Da steht ein Pferd auf dem Flur' Trainer Gutzeit hatte im Vorfeld angekündigt, dass es Überraschungen bei der Aufstellung geben werde und hielt Wort. Mit Fünferkette zu spielen ist ja auch in der Tat mal was Neues. Allerdings machte ihm da Trainerkollege Sven Köhler in der 77. Minute einen Strich durch die Rechnung und nahm Thomas Neubert, der bis dahin nahezu zuverlässig jeden Hallenser Angriff zerstörte, einfach raus. Dumm gelaufen. Die letzten dreizehn Minuten ohne Überzahl musste aus Kieler Sicht also wieder gezittert werden, dass Halle sogar noch einen ziemlich schmeichelhaften Sieg einfährt.
Aber auch ohne Neubert, der in der ersten Halbzeit in Nähe der Holstein-Fanblöcke ein ums andere Mal Beispiele seiner fußballerischen Qualitäten - wie seinerzeit als Holsteins Top-Nogoalgetter der vorletzten Abstiegssaison - vorführte, war das ein richtig unterhaltsames Fußballspiel. Vor allem auch gemessen an den niedrigen Erwartungen, die man vorher hatte.
Leider steht aber wieder einmal der Ertrag im Missverhältnis zum Aufwand. Kiel hätte das Ding eigentlich (mal wieder!) in der ersten Halbzeit klarmachen können. So z.B. Ziehmer, der beim Stand von 1:0 in der 22. Minute "den Neubert machte" und den Hallenser Torwart anschoss, statt den Hundertprozenter nach Querpass von Sykora zu versenken. Spielerisch war das über weite Strecken aber gut anzusehen, stellvertretend für die gute Teamleistung seien hier Yannik Jakubowski oder Paul Camps erwähnt, die ja rein altersmäßig durchaus noch das eine oder andere Jahr Fußball in Kiel spielen könnten. Vorausgesetzt natürlich, dass Kiel die Klasse hält.
Dass in der 60. Minuten nach blödem Schnitzer von Schulz der Ausgleich fiel, hatte den Spielverlauf zwar mal wieder auf den Kopf gestellt, aber im Grunde genommen hat man sich auch schon daran gewöhnt, dass Holstein auf und neben dem Platz einen Hang zum Absurden hat. So wie auch jenes skurrile Gewimmel im Hallenser Strafraum eine Viertel Stunde vor Schluss, wo der Ball gleich zwei Mal an die Hallenser Latte ging - das Ding hatte man eigentlich schon drin gesehen.
Die größte Überraschung war letztlich für den Schreiber, dass es beim Unentschieden blieb und der finale Tritt in die Magengrube in Form eines weiteren gegnerischern Tores dieses Mal ausblieb, während man allerdings von einem Angriff auf Gehörgang und Geschmacksempfinden in Form von peinlichen Animationsjingles auch dieses Mal nicht verschont wurde. Am Ende gab es weder stehende Ovationen noch Pfiffe für die Mannschaft. Fankritik blieb dieses Mal den gut 200 Hallenser Gästefans vorbehalten, die ein sarkastisches Spruchband wegen der Eintrittspreise im Holsteinstadion entrollten. Schöne Aktion.
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