Autor: n.h.
 Ohne Worte (Bild: T.Stark, holstein-stadion.de) Ob es nun eines der besten Spiele der letzten Jahre war, wie man teilweise hört oder liest, sei mal dahingestellt. Auch das letzte Heimspiel gegen den HSV2 hatte großen Unterhaltungswert, wo die Musik auch vor allem in der letzten halben Stunde spielte. Und mittendrin wieder Showmaster Dimitrijus Guscinas, der kurz zuvor eingewechselt in der 85. Minute diesmal nicht nur wie gegen HSV einen gegnerischen Verteidiger vernaschte, sondern stattdessen gleich mit vier Magdeburgern Schlitten fuhr - und das obwohl Herr Röschmann zuvor den Platz vorbildlich von den Überresten des Winters befreit hatte.
Der Unterschied zu den letzten guten Spielen war trotzdem groß, und daran hatten auch die Gäste aus Magdeburg ihren Anteil: Während sich die Gastmannschaft auf dem Platz keineswegs wie viele Teams zuvor über 90 Minuten nur selbst einmauerte, sorgte ein ansehnlicher Mob von über 3000 Magdeburgern im Ostteil des Stadions für Stimmung. Und in den letzten Spielminuten schien dann auch der legendäre Holsteingeist in den Heimblöcken aus seinem Winterschlaf zu erwachen. Nichts für schwache Nerven!
Vor Anpfiff gab sich allerdings die "Abteilung Stadionbeschallung" alle Mühe, die Holsteinfans vor aller Welt zu blamieren.
Nichts gegen diese vermutlich unfreiwillige Pointe, dass ausgerechnet bei einem fast ausverkauften Stadion eine von einem fiesen Mittelfrequenzton eingeleitete automatische Durchsage erfolgte, dass das "Gebäude" aufgrund einer "technischen Störung" geräumt werden müsse.
Aber dieses an Ottawans "D.I.S.C.O." angelehnte "F.A.L.K.O"-Liedchen ging ja garnicht! Selbst ein völlig fußballdesinteressiertes Eventpublikum, dass sich vielleicht manch ein Verantwortlicher zukünftig ins Stadion wünscht, würde damit geistig und kulturell unterfordert werden. Zumindest eine spontane Umfrage bei den Umstehenden, ob es sich um den akustischen Tiefpunkt der letzten Jahre im Stadion handelte, ergab ein hundertprozentiges "Ja". Wobei man natürlich ganz klar sagen muss, dass Götz selbst am wenigsten dafür kann, da er letztlich ja auch nur Opfer dieser Anbiederungsattacke aus den Lautsprechern war.
Wenn schon Personenkult, dann bitte nach bereits vollbrachten Leistungen oder zum Karriereende. Dass Falko ein "geiler Macker" ist, wird er hoffentlich in nächsten Jahren beweisen. Und das Kieler Publikum ist dann sicherlich auch schlau genug, dies zu merken und zu honorieren, ohne vorher auf peinlichste Art und Weise vom Zaunpfahl erschlagen zu werden.
 Guter Start trotz Unentschieden: Neutrainer Falko Götz (rechts) In diesem Sinne: Sollte Dimitrijus Guscinas in fünf Jahren sein Abschiedsspiel im Holsteinstadion haben, kann man dann immer noch überlegen, ob man einen D.I.M.I.-Song macht. Auf der Melodie von YMCA von den Village People. Für den Augenblick sollte aber dieses Bild mit dem jubelnden Dimi und den wirbelnden Schneebrocken reichen. Einrahmen und auf den Hausaltar stellen.
Was Falko Götz angeht, so war dieses erste Ligaspiel mit einem Punkt vom Ergebnis her zwar nicht optimal. Dass die Mannschaft aber nach dem Spiel fast schon als Sieger bei der Stadionrunde mit voranschreitenden Trainer gefeiert wurde, lag aber an der gezeigten guten Einstellung und der offensiven Ausrichtung bei schwierigen Platzverhältnissen. Wobei bei letzterem durchaus schon die Handschrift des neuen Trainers erkennbar war. Auffälligster Kieler Spieler über 90 Minuten nach Meinung des Schreibers Velimir Grgic, andere sahen Lartey als Mann des Spiels. Als Baustelle erwiesen sich ein ums andere Mal die Standardsituationen. Konstant gefährliche Ecken und Freistöße - leider gab es das zuletzt unter Neubarth zu sehen. Absoluter Wehrmutstropfen der Partie hingegen die neuerliche schwere Verletzung - Innenknöchelbruch - von Jan Sandmann gegen Ende der ersten Halbzeit. Den Genesungswünschen im Magdeburger Fanforum an den langjährigen Magdeburger ist nichts hinzuzufügen.  Respekt! Ein paar Worte nur noch in Richtung Magdeburg: Die Choreo in der Gästekurve war sicherlich eine der spektakulärsten der letzten Jahre im Holsteinstadion und die gesamte Präsenz sowohl quantitativ als auch qualitativ allererste Sahne. Respekt! Den Kopf schütteln muss man allerdings, wenn EINZELNE Magdeburger auch im Holsteinforum den großen Zampano raushängen lassen und Fußballfans nach der Menge ihrer Mitfans in "besser" oder "schlechter" einordnen. Denn genau das musste man leider auch immer wieder jenen Pauli-, Düsseldorf- oder Sonstwie-Wichtigpupichtig-Fans ins Gedächtnis rufen, die sich gegenüber Kiel als die "Abchecker" präsentier(t)en:
Die wirklichen Helden des Fußballs sind nicht diejenigen, die sich einer vorhandenen großen Masse anschließen. Sondern eher jene Handvoll Energie-Cottbus-Opis, die hier im August im Gefolge ihrer U23 (!) knapp 500km Anreise hatten ...
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