Autor: n.h.
 'Herzensangelegenheit' Wäre das der letzte Spieltag der Saison gewesen, wäre die "Herzensangelegenheit" wohl vor allem eine gewesen, die den Notärzten rund ums Holsteinstadion viel Arbeit beschert hätte - denn angesichts von Tabellenstand, den Spielverläufen bei den parallel laufenden Partien der Konkurrenten im Tabellenkeller und dramatischen Schlussminuten wären vermutlich nicht genug Defibrillatoren am Start gewesen, um Kammerflattern oder Vorhofflimmern zu behandeln.
Aber auch ohne die Dramatik des letzten Spieltages war das ein Spiel, das sicher länger im Gedächtnis bleiben wird, was nicht zuletzt an der hammermäßigen Choreo auf der Westtribüne unter der Regie von Youthtras und Supside lag. Viel wurde seit der Bayern-Niederlage über das Verhältnis Mannschaft und Fans geredet - beim Einlaufen der Mannschaften sorgten gerade die von manchem Zeitgenossen eher skeptisch beäugten Ultras für Gänsehautfeeling, so dass elf "Veilchen" von Anfang an zwölf Holsteiner gegen sich hatten.
Die KSV hat in dieser Saison noch 22 Spiele zu bestehen, aber in der Rückschau könnte sich dieser erste Dreier unter Trainer Wück am Saisonende als wichtiger Wendepunkt erweisen.
Vom Timing her war es sehr wichtig, dass Kiel nach drei sieglosen Spielen unter Wück nun endlich den Aufbaugegner gefunden hatte, bei dem es endlich ein Erfolgserlebnis für Team, Trainer und Fans gab. Aue fand über 89 Minuten kein Mittel, das konzentriert kämpfende blau-weiß-rote Team in Bedrängnis zu bringen. Auf Kieler Seite gab es im Grunde vom spielerischen her fast nur Positives zu sehen: So wird z.B. dem in Anschluss an das München-Spiel bei "Away"-Fans teilweise in Ungnade gefallenen Alexander Nouri selbst von Kritikern eine engagierte kämpferische Leistung bescheinigt; Youngster Florian Meyer wird von vielen als tragischer "Man of the Match" gesehen, der aber humpelnd und gestützt von der medizinischen Abteilung den Weg frei machen musste für das respektable Debut des erst 19-jährigen Patrick Nagel.
Wirklich übel waren allerdings die letzten Minuten. Den Beinahe-Ausgleich für Aue in der 90. Minute sah der Schreiber aus Block J-Sicht so: Aue stürmt aufs Tor, Ball zappelt im Netz, Gästeblock jubelt, Mannschaft rennt zum gemeinsamen Feiern an die Eckfahne. Jemand von den Nebenleuten im Block raunt was von "Abseits", was angesichts der "feiernden" Auener Spieler Quatsch zu sein schien. Und bis zu dem Zeitpunkt, wo der Ball tatsächlich dann von Henzler zwecks Abschlag in Besitz genommen wurde, schien das Wochenende aber sowas von restlos versaut zu sein. Dank der Aufzeichnungen von NDR und MDR und Fotosichtung hats der (kurzsichtige) Schreiber dann immerhin Stunden später auch noch kapiert, dass die Auener Spieler zum Linienrichter gelaufen sind und dabei nicht gerade in Feierlaune waren.
Eine andere Beschwerde von Auener Seite gabs indes schon vor dem Spiel zu hören: "Eine Beschwerde habe ich aber ..." begann der Satz des Auener Fanbeauftragten, den seine Kieler Kollegen sofort mit "keine Fischbrötchen!" ergänzen konnten. Zumindest diese Beschwerde war und ist unumstritten berechtigt.
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