Autor: n.h.
 Jungbleiben mit Stil: Die Amateurmeister von 1961 Schade eigentlich: Von der spielerischen Leistung her hätten die Spitzenreiter aus Sachsen auch als Verlierer vom Platz gehen können und die Saison hätte noch spannend werden können. Allerdings hatte Lübeck beim parallel in Wolfsburg stattfindenden Spiel seine minimale Aufstiegschance sowieso nicht genutzt, so dass der erhoffte (und von manch einer Lusche befürchtete) Herzinfarkt-Showdown am 21.5. 2011 leider ausfallen muss. Allerdings hätte man vor Anpfiff schon den Eindruck bekommen können, dass das Landesderby vorgezogen wurde, denn das Polizeiaufgebot rund ums Holsteinstadion bei gut 300 Gästefans war für diese Saison rekordverdächtig.
Entgegen der vielleicht nahe liegenden Vermutung, dass die später in Block I präsentierte Chemnitzer Zaunfahne bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen "erbeutet" wurde, liest man im Chemnitzer Fanforum allerdings, dass diese stattdessen wohl ziemlich geräuschlos irgendwie von einem Kieler Hotelbalkon verschwand. Insofern also auch keine echte Erklärung für einen Außenstehenden, was letztlich zu den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen führte. Die von der Begleitung des Schreibers geäußerte Befürchtung, dass im Holsteinstadion auch noch Bierplagiat ausgeschenkt würde, erwies sich glücklicherweise als haltlos, so dass man letztlich mit knapp 3000 Zuschauern einen spannenden und stilvollen Fußballsonntag erlebte, der Lust auf mehr macht.
In diesem Sinne stilvoll präsentierten sich auch in der Halbzeitpause auch die junggebliebenen Holsteiner Kicker des deutschen Amateurmeisterteams von 1961, die zum vorgezogenen 50-jährigen Jubiläum des Titelgewinns im Stadion geehrt wurden. Wie man hörte, pflegen die Jungs auch nach 50 Jahren einen freundschaftlichen Umgang untereinander, wobei es wohl mit dem gemeinsamen Fußballspielen wohl nicht mehr ganz so gut laufen soll, das gemeinsame Trinken dem Vernehmen nach aber gut klappt. Durchaus faszinierend im Vergleich zu heute, wo Profi-Fußballer im Laufe ihrer Kariere x Vereine durchlaufen und kaum vorstellbar ist, dass ein heutiges Meisterteam 50 Jahre in Kontakt bleiben wird. Heutzutage sind es eigentlich fast nur noch die Fans, die einem Verein so lange die Treue halten.
Ein wenig Sentimentalität konnte dann auch in der 73. Minute aufkommen, denn einen eiskalt und effektiv durch Pavel Dobry verwerteten Angriff hat man früher sehr gerne im Holsteinstadion gesehen. Wobei allerdings ein Pavel Dobry seinerzeit auch mal über einen längeren Zeitraum "Ladehemmung" hatte - Marc Heider macht da im Vergleich verhältnismäßig konstant seine Tore. Wenn auch nicht gegen Chemnitz.
So hatte dann Chemnitz am Ende aus zwei Chancen zwei Tore gemacht, Kiel aus mehreren guten Gelegenheiten nichts Zählbares. Trotzdem wurde auch das Kieler Team nach 90 Minuten mit Beifall bedacht - auch das hatte Stil.
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