Autor: n.h.
 Schönes Spruchband. 8. Mai, "Tag der Befreiung": das Spiel gegen die zweite Mannschaft aus Dortmund markierte für den in den letzten Monaten völlig desillusionierten Zuschauer das mittlerweile langersehnte Ende einer mehr als bitteren Saison. So hat sich wohl auch manch einer zwingen müssen, der KSV im Holsteinstadion das letzte Geleit in Liga 3 zu geben. Wenn nicht am späten Vormittag der Sprühregen noch aufgehört hätte, dann wären das auch rein äußerlich perfekte Bedingungen für ein Begräbnis gewesen. Aber im Endeffekt wurde der Tag dann doch ganz nett.
Woran das unterhaltsame Spiel mit seiner im Ergebnis überraschenden Dramaturgie durchaus seinen Anteil hatte.
Offiziell 2200 Zuschauer inklusive ca. 80 BVB-Fans, einigen Kostenlos-Guckern und abwesenden Dauerkarteninhabern sahen eine höchst ungewöhnliche erste Halbzeit: Holstein ging 3:0 in Führung. Besonders nett anzusehen dabei das Tor von Florian Meyer, der den Ball von links aus spitzem Winkel unter die Latte knallte.
Die zweite Halbzeit wiederum schien mal wieder richtig zu Holstein zu passen - vorrausgesetzt natürlich, es wäre noch um etwas gegangen. Vor und nach dem Elfmeter für Dortmund, der den kurzzeitigen 3:3-Ausgleich brachte, waren dementsprechend einige Lacher im Block zu hören. Dass Holstein dann aber doch noch in der Nachspielzeit ein viertes Tor schießt: Unglaublich! Wenn es noch um so etwas wie den Klassenerhalt gegangen wäre, dann wäre das einer spannendsten Fußballkrimis der letzten Jahre geworden. Allerdings kann man in Rückschau auf die Saison vermuten, dass Holstein sogar noch verloren hätte, wenn es denn wirklich noch um etwas gegangen wäre. So kam es am Ende, dass die Mannschaft trotz eines Rückstandes von acht Punkten auf einen Nichtabstiegsplatz bis zum Ende der Saison kein einziges Pfeifkonzert erlebt hat und auch nach dem letzten Spiel der Saison ein wenig Applaus von den spärlich besetzten Rängen bekam.
Ungeteilten Applaus hingegen gab es im Nachhinein für eine Aktion aus der Rubrik "Tag der Befreiung", die unbemerkt vom Großteil der Zuschauer während der ersten Halbzeit neben dem Stadion stattfand: Während Anno '45 ganz Europa die Befreiung vom Faschismus durch die Alliierten feiern konnte, waren es 65 Jahre später etwa 30-40 Holsteinfans, die durch ihr schnelles Eingreifen ca. 10 geistige Nachfolger vom Acker jagten, die neben dem Holsteinstadion ihre braune Propaganda unters Volk bringen wollten. Vielen Dank dafür - und auch Danke an den Ordnungsdienst im Stadion, der die siegreichen "Alliierten" danach wieder zum Spiel hinein ließ!
P.S.: Pro Fröhling!
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