Autor: n.h.
Eigentlich könnte die Überschrift auch "Typisch Holstein" heißen: Während Magdeburg vier Spiele ohne Torerfolg geblieben war, stand bei Holstein in 480-Pflichtspielminuten die "Null". Über weite Strecken der Begegnung am Sonntag hatte Holstein mehr Ballbesitz, ohne jedoch bei etwa anderthalb guten Chancen etwas Zählbares zustande zu bringen. Ein paar Minuten vor Abpfiff fällt ein Gegentor im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Nichts - Heimniederlage gegen einen Abstiegskandidaten.
Es wäre zu viel behauptet, dass dieser Spielausgang eine Sensation gewesen wäre, denn bei Holstein gehörte sowas in den letzten Jahren immer dazu. Und rein gefühlsmäßig gibt es Schlimmeres, als im Niemandsland der Tabelle einem am Abgrund stehenden Traditionsverein unfreiwillig Aufbauhilfe zu leisten.
Wobei sich die Diskussionen beim Holstein-Anhang sowieso schon längst auch darum drehen, welche Rückschlüsse aus dem derzeitigen Mittelmaß auf die nächste Saison zu ziehen sind - mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.
Manche Stimmen sehen den jetzigen Kader als nicht konkurrenzfähig an, um im nächsten Jahr oben angreifen zu können; einzelne Stimmen sehen auch im Trainer, der einen Vertrag bis 2013 hat, keine langfristige Lösung. Der Schreiber neigt zu der Meinung, dass das Wort "alternativlos" zwar zu Recht zum Unwort des Jahres 2010 gekürt wurde, dass es aber sowieso müßig ist, über Alternativen zu reden, wenn anscheinend überhaupt noch nicht die finanziellen Rahmenbedingungen für die nächste Saison klar sind. Im Pressegespräch vor dem Magdeburg-Spiel erklärte Thorsten Gutzeit, dass ein eingespieltes Team "eine bessere Basis" sei, "als sich eine Truppe zusammen zu kaufen". Auch wenn es auf dieser Seite schon geschrieben wurde und der wiederholte Vergleich natürlich auch ein wenig eklig ist: Der jetzige Tabellenzweite Lübeck hat die letzte Saison mit seinem jetzigen Trainer und einem Großteil des heutigen Kaders als 9. abgeschlossen, nachdem man relativ gut in die letzte Saison gestartet war - dabei eingeschlossen auch "Highlights" wie eine Heimniederlage gegen Meuselwitz oder eine 1:5-Klatsche zu Hause gegen Wolfsburg II.
Mit anderen Worten: Holsteins derzeitiger Mittelfeldplatz reicht nicht als Beweis, dass man nicht nächste Saison oben angreifen könnte. Dass "die beiden Ls" bei Holstein noch einmal richtig viel Geld in die Hand nehmen, um noch einmal mit Glamour, großen Namen und gutbezahlten Golfspielern auf die Nase zu fliegen, ist zwar nicht ausgeschlossen, aber doch eher unwahrscheinlich. Und das ist auch gut so. Andererseits haben die jetzigen Noch-"No-Names" gegen Chemnitz und zuletzt gegen Red Bull angedeutet, dass sie manchmal auch richtig guten Fußball spielen können, allerdings häufig dann Probleme haben, wenn es um dreckige 4.Liga-Kampfspiele geht. Punktuelle Verstärkungen und Weiterentwicklungen erscheinen vernünftiger und sympathischer als der x-te Neuanfang im sportlichen Bereich. Und sind möglicherweise eben auch "alternativlos".
So kann es sich demzufolge also lohnen, dem einen oder anderen Spieler des Holstein-Kaders mal direkt auf den Zahn zu fühlen, wozu man laut KSV-Fanbetreuung am kommenden Mittwoch am Dienstag, den 12.4. um 18:30 Uhr demächst bei einem Fanabend im Holsteiner Gelegenheit haben wird. Was im übrigen der Identifikation mit dem Verein sicher mehr zuträglich ist als ca. 10-jährige Knirpse beim Einlass nach einem Schülerausweis zu fragen - aber das nur ganz am Rande als Skurrilität zum Magdeburg-Spiel.
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