Autor: Jane_Doe
 Niederlage vor Gericht: hartplatzhelden.de Die Hochzeit meiner Eltern hatte einige Highlights. Da war zum einen das Patenkind meiner Mutter, Olaf. Weil er so niedlich und im "richtigen" Alter war, musste er quasi als
"Blumenmädchen" ran. Möglicherweise hat er gedacht, dass ihm dann auch eine großzügige Gage zustünde, als er beim Verlassen der Kirche den Kollektenteller abräumte und das Geld in seine Taschen steckte. Zum anderen musste ich herzlich lachen, als mein Onkel Rudi akribisch filmte, wie alle Gäste in ihre Autos auf dem Weg zur Gaststätte stiegen und wie dann alle Autos in der Reihe und hupend vom Hof meiner Großeltern fuhren. Dumm war, dass der gute Rudi von allen vergessen wurde und sein Fehlen erst nach einer halben Stunde bemerkt wurde.
Nein, nein – ich war nicht dabei. Das war in den 70-er Jahren, da bekam
man in der Provinz nicht mal eine Wohnung zur Miete, wenn man nicht
verheiratet war, geschweige denn Kinder vor der Heirat. Aber ich konnte
dem ganzen Treiben zumindest nach-erleben, wenn das
Super-8-Abspielgerät auf Familienfesten zum Einsatz kam, dabei so
herrlich klackerte und das Patenkind Olaf (mittlerweile 43-jähriger
Familienvater) mit dem einen oder anderen gut gemeinten Spruch leben
musste.
Die Zeiten haben sich geändert: Super-8-Kameras stehen vielleicht noch
verstaubt auf irgendwelchen Dachböden oder im Museum. Handliche und
erschwingliche Digi-Cams gehören mittlerweile fast in jeden Haushalt,
auch Handys liefern durchaus liebevolle – wenn auch z.T. arg
verwackelte – Echtzeitnachweise.
Was sich allerdings nicht verändert hat und vielleicht durch mediale
Revolution sogar noch vergrößert hat, ist das menschliche Bedürfnis,
besondere Ereignisse für die Nachwelt aufzuzeichnen und gemeinsam mit
anderen Menschen zu teilen. Das mag die Hochzeitsfeier sein, aber auch
der Urlaub, die ersten Schritte des Enkels – oder aber auch das erste
Tor, das der Sohnemann geschossen hat, den ersten Elfer, bei dem sich
die Tochter als Torhüterin bewährt hat oder das glanzvolle Tor der
Heimmannschaft, über die leider wegen Kreisklassenzugehörigkeit nicht
in der Sportschau berichtet wird. Das Teilen solcher besonderen Momente
geschieht nun nicht mehr (nur) auf Familienfesten, sondern auch –
zeitgemäß – im Internet.
Eine gute Möglichkeit für fußballbezogene Filme stellt die
Internetpräsenz www.hartplatzhelden.de dar, eine Plattform für den
Austausch von Amateur- und Jugendfußball-Fotos und –Filmen. So
erinnerte z.B. Maxi Rieders Schuss sowie sein Outfit (½ Arm und
Handschuhe) den Macher der Plattform Oliver Fritsch an Giovane Elber.
Ich guckte, staunte und stimme zu.
Der DFB-Landesverband Baden-Württembergs jedoch guckte, staunte und stimmte nicht zu.
Videos wie das über Maxi Rieders, Spieler beim ATSV Kirchseeon dürfen, so will es der Württembergische Fußballverband (WFV), nicht eingestellt werden, da der DFB quasi die Urheberrechte am Bildmaterial für sich beansprucht. DFB-Vizepräsident Koch argumentiert im Spiegel so: "Es kann nicht sein, dass die Kosten des Spielbetriebes von den ehrenamtlich geführten Amateurvereinen selbst getragen werden müssen, mögliche Einnahmen aber von gewinnorientierten kommerziellen Unternehmen wie der Hartplatzhelden GmbH abgeschöpft werden." Bei diesem Vorwurf kann Fritsch nur schmunzeln, denn zurzeit wird überhaupt kein Gewinn gemacht, sondern vielmehr draufgezahlt.
Heute ist der Rechtsstreit mit zwischen dem WFV und den Hartplatzhelden zu Ende gegangen – es dürfen nach Richterspruch des Landgericht Stuttgart nun keine Videos mehr von Wettbewerbsspielen aus der Region des WFV gezeigt werden. Bei Zuwiderhandlung droht dem beklagten Unternehmen ein Ordnungsgeld in Höhe von 250.000 Euro.
Die Hartplatzhelden wollen in Berufung zu gehen. "Wir betrachten das als Hinspielniederlage. Daher ändert sich erstmal nichts, denn auch die Württemberger können nach wie vor ihre Videos bei uns hochladen. Auch nehmen wir kein einziges Video runter", hieß auf der Internetseite.
Auf den Seiten www.hartplatzhelden.de sowie www.der-fussball-gehoert-uns.de werden Unterschriften für die Veröffentlichung von Amateurvideos im Internet gesammelt (holstein-block.de berichtete). Dort finden sich auch nähere Informationen.
Es mag sein, dass das Hinspiel mit einer Niederlage endete, das Rückspiel jedoch, so hofft die Schreiberin von holstein-block.de, sollte – mit der nötigen Unterschriftenunterstützung – ein Heimspiel werden. Möge wenigstens im Rückspiel der Bessere gewinnen.
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