Autor: n.h.
 Niedersachsenstadion "Punktoptimierter Grottenkick" - So lautete die erste Fassung der Überschrift, die so um die 90. Minute herum entstand. Leider warf ein Hannoveraner eine Minute später diese Version über den Haufen. Der fußballerischen Qualität des Gesehenen im Niedersachsenstadion, dessen neuer Name hier auch dann nicht Erwähnung finden würde, wenn der Begriff "Abzocke" in Kombination mit der namensgebenden Firma bei Google nicht ungefähr 15.300 Ergebnisse liefern würde, tat das aber in keinerlei Hinsicht in negativer oder positiver Hinsicht einen Abbruch. Denn aus Kieler Sicht waren das so oder so 70 Minuten, aus 96er-Sicht gar 90 Minuten Grottenkick. Alles in allem eine sehr mäßige Auswärtstour, wenn man mal die mitreisenden Holsteinfans ausnimmt.
Die Anreise per Fanbus war wie zum Wolfsburgspiel sehr entspannt, wobei
sogar der Elbtunnel in einer selten erlebten Geschwindigkeit bezwungen
wurde. Nachdem man in Hannover angekommen hinterm Gästeeingang eine lange dunkle Treppe bei
Nieselregen bewältigt hatte, war das hellerleuchtete und nahezu komplett
leere Stadioninnere, das einem wie eine riesige Halle vorkam,
architektonisch gesehen durchaus ein Flash. Wenn man allerdings nicht
schon beim Eintritt, der mit 10 Euro für eine 2. Gurkenmannschaft schon
eine absolute Frechheit ist, seine wohlwollende Unvoreingenommenheit
abgelegt hätte, dann wäre das spätestens bei den Preisen für die
Verpflegung passiert: Dass man erst einmal sieben-fuffzig für ein
einfaches Stadiongedeck - Bier & Baby-Bratwurst - inklusive Pfand
los wird, lässt die überall im Stadion prangenden Sprüche á la "Ihr
persönlicher Finanzoptimierer" schon in einem anderen Licht erscheinen.
Bei Sprüchen wie "mehr Siege - mehr Tore - mehr Netto!" kommt einem im
übrigen selbiges Stadiongedeck auch fast schon wieder hoch. Solche
Sprüche würde es wohl in jedem Stadion geben, wenn die FDP die
Weltherrschaft erringen würde. Was aber gottlob so unwahrscheinlich ist
wie der Gewinn der deutschen Fußballmeisterschaft durch den VfB Lübeck.
 Zu Gast bei den Finanzoptimierern. Den Spielverlauf kann man ganz gut im KN-Liveticker nachlesen, was auch
für manch einen Auswärtsfahrer einen Erkenntnisgewinn bringen könnte.
Denn die Sicht vom unters Dach gequetschten Gästeblock auf das tief
unten liegende Spielfeld war schlicht und ergreifend mies. Der
Stadionsprecher war nur dumpf und leierig im leeren Oval vernehmbar und
nach zwanzig Minuten Kieler Action auf dem Platz versank man ob des
dargebotenen Dahinplätscherns von Fehlpässen und beim Singsang der
Holsteinfans fast in einen trance-artigen Halbschlaf - so in etwa dürfte
sich das (vermutlich!) immer anfühlen, wenn man vor Fußballspielen
regelmäßig schuhcreme-gestrecktes Haschisch konsumieren würde.
Eigentlich schade, denn das Holsteinteam legte gegen Hannover so los wie
es gegen Braunschweig aufgehört hatte. Nach der hochverdienten Führung
durch Jakob Sachs in der zwölften Minute sah es erst danach aus, als
sollte sich hier das nächste niedersächsische Team als Froschteich für
die Störche erweisen. In Bezug auf den weiteren Spielverlauf kann man
immerhin sagen, dass die Holsteiner Abwehr wirklich gut stand, so dass
Hannover insbesondere in der zweiten Hälfte trotz größerer Spielanteile nichts zwingendes mehr zu
Stande brachte.
Zwingend war dann im Endeffekt die Situation, die auf der Seite des
Gästeblocks zum Ausgleichstreffer führte, eigentlich auch nicht - aber
eben eiskalt verwertet. Und auf das Spiel gesehen, wo Hannover
ebenbürtig harmlos war, auch voll verdient. In Hinsicht auf die "Lübeck wir kommen!"-Sprechchöre auch kontraproduktiv? Die Mannschaft wird hoffentlich die richtige Antwort geben.
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