Autor: n.h.
Kim Wilde besingt einen toten Soldaten in Cambodia, bis die CD hakt. Später hallen Talk Talks Such a Shame und die Road to Nowhere von den Talking Heads über eine tropfnasse und fast menschenleere Sportanlage, die haushoch vergittert zwischen Autobahn-Lärmschutzmauer und Maisfeld gequetscht ist. Leider wird die Hoffnung enttäuscht, dass Running up that Hill von Kate Bush oder Love will tear us apart von Joy Division als Einlaufmusik gebracht wird, denn mit dem ansonsten nur vom Dauerrauschen der Autobahn unterbrochenen 80er-Jahre-Mix ist es vorbei, als der Stadionsprecher mit championsleaguereifem Enthusiasmus die Oberneuländer Spielernamen verliest. Holstein-Block.de sei Dank, dass dieser denkwürdige Augenblick auf Video gebannt wurde. Denn die meisten Kieler Auswärtsfahrer waren zu diesem Zeitpunkt noch garnicht nicht im Stadion. Stattdessen erreichte eine neunköpfige Kieler Delegation nach Umwegen über Reinbek, Bergedorf und Geesthacht bereits eine Stunde vor Anpfiff diese herrlich trostlose Szenerie am Bremer Stadtrand und nahm aufgrund des vorherigen Dauerregens unter dem Dach der Heimtribüne Platz. Wie man hörte, hatten andere mit dem direkten Weg weniger Glück und mussten letztlich nach drei Stunden Stau auf der A7 die Partie in einem Hamburger Burgerking per Internet verfolgen.
Auf Umwegen erfolgreich war dann auch das Holsteiner Team.
Dabei fing die Partie mit einem angeblichen Abseitstor von Marc Heider zunächst richtig gut an. Doch bereits 12 Minuten nach Spielbeginn und nach einer besonderen Frech-Einladung an Ailton stand es schon 2:0 für die Gastgeber und nur der Sitznachbar faselte noch irgendeinen Scheiß, dass Holstein noch einen 2:4-Auswärtssieg einfahren würde. Doch weder die Holsteinfans, die nun im Gästeblock die akustische Oberhoheit der A27 brachen, noch die Holsteinspieler selbst gaben die Partie verloren, so dass unter zweifacher Beteiligung von Florian Ziehmer - den hatte man garnicht so richtig auf dem Plan gehabt! - bereits zur Pause der Rückstand egalisiert wurde.
Apropos Pause: Da dieses Mal die üblichen Verdächtigen hinsichtlich das Kulinarischen Beiwerks keine Wertung abgeben können (s.o.), sei erwähnt, dass das Catering nicht unbedingt ein Grund wäre, Oberneuland-Fan zu werden. Denn der Ground hatte nur ein eher wässriges Bier und das Wurst-Standardprogramm zu bieten, wobei die Krakauer aber ganz OK war. Wenn der Holstein-Block.de-Schreiber es nicht grundsätzlich öde finden würde, Häme über Dorfvereine zu verbreiten (es sei denn, es handelt sich um den VfB Lübeck), würde hier noch stehen, dass ein Grund wäre, FCO-Fan zu werden, dass es stets ausreichende Zaunfahnenplätze für die heimische Fanszene gibt ... doch lassen wird das.
Zum Beginn der zweiten Halbzeit wurde das Spiel erst einmal etwas langweiliger im flutlichtlosen Schummerlicht, so dass gerne wieder der 80er-Mix zum Zuge hätte kommen können. Doch am Ende war nicht nur das Flutlicht, sondern auch das Ergebnis schwer in Ordnung. Dritter Sieg im dritten Spiel mit Entscheidung jeweils kurz vorm Ende - was will man mehr! Die Zugfahrer im Gästeblock durften zum Abschluss noch mit Vorsänger Francky Sembolo, der eigentlich nur einen Kurzeinsatz hatte, eine Humba tanzen. Die neunköpfige Delegation ließ indes die erfolgreiche Tour bei einem Absackerbier im Bremer Steintorviertel ausklingen - freilich aber erst, nachdem die einzigen wirklich überflüssigen Umwege des Tages genommen wurden.
Berichte:
Bilder & Videos:
|