Autor: n.h.
 Unzufriedene Arbeitnehmer Man muss das wirklich als eine glatte Arbeitsverweigerung benennen & kritisieren, was sich Kiel in Ingolstadt geleistet hat: Es sollten nämlich zwei Holsteinfans zur Halbzeitpause an einem spielerischen Vergleich mit zwei 04-Fans teilnehmen. Dem jeweils besseren Dribbelkünstler bzw. Dribbelkünstlerin pro Stadt hätte ein Handy mitsamt 25 Euro Startguthaben gewunken. Doch obwohl sich die Kieler Fanbeauftragten zusammen mit einem Ingolstädter Kollegen den Mund fusselig redeten: Aus diesem faulen Haufen im Gästeblock war einfach niemand zu motivieren, sich vor dem Ingolstädter Block zum Löffel zu machen die Ehre Kiels zu verteidigen. Vermutlich hätte man einfach allen Kielern vor dem Spiel sämtliche Handies abnehmen müssen und mit Stadionverbot drohen sollen. Mit so einem Anreiz hätte es dann wohl geflutscht. Herr Westerwelle, übernehmen Sie!
Der eigentliche Skandal sind aber nicht diese trinkenden, rauchenden und rumhängenden Fußballfans, die von alleine ihren Arsch nicht hochkriegen. Der wirkliche Skandal ist dies: Trotz ehrlicher Arbeit über 90 Minuten konnten die norddeutschen Arbeitnehmer in blau-weiß-roter Berufskleidung nicht einmal einen Punkt als Mindestlohn mit nach Hause bringen - Bezahlung auf Liga-IV-Niveau!
Dabei sah es bis zur 62. Minute gar nicht schlecht aus - und auch danach war das Spiel immer noch offen. Kiel über weite Strecken die bessere Mannschaft oder zumindest auf Augenhöhe. Der Kieler Offensive kann man dieses Mal jedenfalls nicht den Vorwurf machen, dass Hundertprozenter vergeben wurden, weil es solche Chancen einfach nicht gab. Aber dafür einige 10-50%ige, von denen leider keine verwertet wurde. Ingolstadt hingegen machte aus einer 1%-igen Torchance, direkter Freistoß aus spitzem Winkel, das 1:0 - bitter! Abgesehen von manch ungenauen Zuspielen, zu langsamem oder unentschlossenen Auftreten am gegnerischen Strafraum scheint auch ein Manko zu sein, dass Ecken und Freistöße selten etwas Zählbares bringen. Die Zeiten unter Trainer Frank Neubarth, wo das Heil in langen Bällen nach vorne gesucht wurde, sind gottlob lange vorbei - aber die damaligen Standards hätte man gerne wieder.
Was man nicht unbedingt wieder haben muss ist eine Auswärtsfahrt nach Ingolstadt. Wer jemals über das Animationsprogramm im Holsteinstadion gemeckert haben sollte: Nach unten hin gibts offensichtlich auch noch reichlich Luft. Im Stadion nur knapp mehr Fußball-Flair als auf einer Kaffeefahrt mit Verkaufsveranstaltung. 2500 Zuschauer offiziell, vermutlich waren es aber knapp 2000 ohne Dauerkartenschwänzer. Gästeblock und Heimblock waren übrigens auf der gleichen Stadionseite untergebracht, so dass man sich als Auswärtsfahrer den Heimsupport auf Fotos im Internet angucken kann. Dazwischen "für jeden Kieler einen Polizisten", wie ein Kasseler Groundhopper das entsprechende Foto in seiner Galerie korrekt kommentiert.
Richtung Mannschaft gab es nach dem Spiel von den 30 Fans, die trotz des ärgerlichen Ausfalls des Supside-Busses angereist waren, keine bösen Worte zu hören. Solche bekam allerdings der Schiri zu hören, denn dank eines internetfähigen Gegengeraden-Handys hatte der Mob eine alphabetische Liste von knapp 8000 Schimpfwörtern zur Verfügung. So war es sicherlich eine denkwürdige Premiere im deutschen Fußball, dass ein Unparteiischer als "Achselbaron" beschimpft wurde. Ob diese und andere schlimmen Entgleisungen der Grund dafür waren, dass zwei Gegengeradler plus ein weiterer Fan einen neunköpfigen grünen Begleitsservice auf der Rückfahrt im ICE bekamen?
Oder waren das alles 1-Euro-Jobber?
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