Autor: n.h.
 Holsteiner Nostalgie: 'Zaunfahnenplätze sofort!' (7.9.2007) Die kleinste Minderheit bei Holstein sind diejenigen, die behaupten, dass bei Holstein gute Fanarbeit geleistet würde. Die Menge derer, die am Samstag in letzter Konsequenz auch für eine bessere Fanarbeit bei Holstein auf die Straße gingen, war demgegenüber vielleicht 50-200 mal so groß.
Am Montag traf wie jeden Monat einmal der sogenannte Fanrat zusammen. Der Fanrat der KSV ist ein Gremium mit beratender Funktion, das sich aus den mittlerweile drei* Fanbeauftragten sowie im Idealfall Vertreter aller Fangruppierungen zusammensetzt die dann - ebenso Idealfall - mit Entscheidungsträgern der KSV zusammensitzen und aktuelle Probleme oder Perspektiven besprechen. Wie die Realität bisweilen aussieht, konnte man hier z.B. im April nachlesen, wobei sich der damalige Artikel in der Rückschau noch sarkastischer liest, als er seinerzeit ohnehin schon geschrieben war. Zumindest am Montag konnte man davon sprechen, dass der "Idealfall" auf Seiten der Entscheidungsträger eingetreten war, denn neben dem bereits vor Wochen eingeladenen neuen KSV-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke war auch Aufsichtsratsmitglied Jürgen Weber - trotz Wahlkampf - mit von der Partie.
Um den Punkt, der je nach Sichtweise für einige Wenige, manche oder viele entscheidende Bedeutung hat, vorweg zu nehmen: Der "von den Fans angefeindete" (Zitat "Nordsport") KSV-Sicherheitsbeauftragte genießt die Unterstützung des Vereins auf seinem jetzigen Posten und wird zudem weiterhin für Fanarbeit im engeren Sinne als Ansprechpartner zuständig bleiben. Andererseits: Wolfgang Schwenke als Entscheidungsträger zeigte grundsätzlich Bereitschaft, in Zukunft bei Fanratsitzungen mit im Boot zu sein.
Ob indes die "Ergebnisse" des Abends geeignet sind, erstens für Ruhe im Karton und zweitens für einen "Neuanfang" bei Holstein zu sorgen: gerne würde man dran glauben können.
Fanarbeit und so'n Gedöns
Die interessantesten Gespräche zur aktuellen Situation werden abseits des virtuellen Raumes geführt. Sei es, wenn Fans sich untereinander treffen. Sei es mit den Kollegen von der Presse. Oder sei es mit vereinsunabhängigen Sicherheitsleuten. Niemand, wirklich niemand attestiert Holstein eine gute Fanarbeit. Man hört sogar Stimmen, dass das mangelnde Interesse der KSV (in der Vergangenheit) an aktiver Fanarbeit manch Sicherheitsproblem erst geschaffen habe.  ... man geht mit dem guten Gefühl auseinander ... (Fandemo, 5.9.09)
Um es mal beispielhaft zu konkretisieren, wie "Fanarbeit" bei Holstein bisher funktionierte: Zu Beginn jeder Fanratsitzung gibt es gewöhnlich erst einmal eine Standpauke, was denn irgendwelche Vollhonks wieder irgendwo verbrochen haben und wie der Ruf von Holstein darunter leide (die Sponsoren! die Sponsoren!). Gipfel in dieser Hinsicht war im Juli, als eröffnet wurde, dass Holstein hauptsächlich wegen zwei Feuerzeugwürfen und einem Pyro für die Saison 5.500 Euro Strafe zahlen müsse und deswegen erst einmal kein Geld mehr für Fanwünsche übrig sei (welches Geld?). Am Ende dieser Sitzungen werden gewöhnlich Verbesserungsvorschläge von Fanseite gemacht, was Werbeaktionen, Öffentlichkeitsarbeit, ÖPNV, Stadioncatering, Auswärtsfahrten oder Faninfrastruktur angeht. In einem Demo-Beitrag vom Samstag hieß es dazu sehr richtig: "Viele Vorschläge treffen auf Begeisterung und man geht mit dem guten Gefühl auseinander, etwas bewegt zu haben. Doch bewegt sich in den seltensten Fällen mal etwas, und dann meist in die falsche Richtung".
Vermutlich läge man nicht so verkehrt wenn man behaupten würde, dass seitens der KSV für KONSTRUKTIVE Fanarbeit in den letzten Jahren kaum ein Spielermonatsgehalt á la Thomas Neubert investiert wurde. Fanarbeit ist bei Holstein bisher das, was einst für den Ex-Kanzler Schröder die Frauenpolitik war: "So'n Gedöns". Mangelndes Interesse. Schlendrian und Inkompetenz. Fehlender Respekt. Der Fan als Sicherheitsrisiko und Bittsteller.
Neuanfang ...
Es kann sich durchaus sehr von Vorteil erweisen, dass der neue KSV-Geschäftsführer quasi ein Quereinsteiger bei Holstein und dem Fußball ist (der Schreiber sieht sich als ebensolchen). Man geht einfach ohne einen Rattenschwanz an schlechten Erfahrungen, Frustrationen oder gar über Jahre gewachsenen persönlichen Animositäten an die Sache ran. "Es wurde viel Zeit verbrannt" (Zitat Schwenke) - eine absolut korrekte Analyse, die man nicht nur auf die Zaunfahnenstory beziehen möchte. So wird es dann hoffentlich ein zeitnahes und vor allem verbindliches Feedback zu den Punkten geben, die am Montag (wiederholt) von Fanseite angesprochen wurden, sei es die miserable Stadionverpflegung, sei es ein City-Bus-Shuttle bei Heimspielen oder Wochenend-Kombitickets 1. Herren - U23/U19/U17. Eine schnelle Prüfung wurde zugesagt, wenn gemeinsame Lösungsvorschläge von Fanseite in der Zaunfahnenfrage vorlägen. Wenn "der Neue" nach einer Einarbeitungszeit, die man jedem fairerweise zugestehen sollte, tatsächlich Worten auch Taten folgen lässt, dann hätte das was von dem "Neuanfang", von dem bei Holstein auch in Bezug auf die Fanarbeit gesprochen wird.
... mit den alten Gesichtern?
Aber ob das so eine gute Idee war, den bei Fans umstrittenen Sicherheitsbeauftragten weiterhin mit Fanangelegenheiten zu betrauen? Statt hier pragmatisch und DFB-konform eine Lösung zu finden?
Die DFB-"Richtlinien für die Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen" (pdf) verpflichten jeden Verein in den entsprechenden Ligen, einen Sicherheitsbeauftragten (SB) zu benennen. In diesen Richtlinien steht mitnichten, dass es Aufgabe eines SB wäre, die Kommunikation zwischen Fans und Verein herzustellen. Solch eine Interpretation ergäbe sich nur dann, wenn man die Fanfrage ausschließlich als eine Sicherheitsfrage definieren würde (sic!). Für die Kommunikation zwischen Verein und Fans ist stattdessen die ebenso obligatorische Funktion des Fanbeauftragten/Fanbetreuers vorgesehen. In den entsprechenden Empfehlungen des DFB (pdf, lesenswert!) dazu steht u.a. klipp und klar: "Die Vereinsführung soll ihn [den FB] zu allen fanspezifischen Fachfragen (z.B. Förderung und Unterstützung der Fans, Sicherheitsprobleme durch Fans, Verhängung von Stadionverboten etc.) hören und ihm auf Verlangen ein Vortragsrecht gewähren." Mit anderen Worten: Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Vereinsführung und FB direkt zusammenarbeiten. Was hat da ein zwischengeschalteter SB zu suchen, außer es geht originär um Sicherheitsfragen?  ... etwas bewegt zu haben. Aber wenn die KSV anscheinend schon lernen muss, dass Fußballfans mehr als eine Sicherheitsfrage sind, so will der Schreiber gleich noch einen draufsetzen, nämlich dass sich die KSV in den letzten 10 Tagen auch als Arbeitgeber wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert hat:
Wenn man schon den Standpunkt vertritt, dass ein Angestellter völlig ohne Fehl & Tadel und im Einvernehmen gehandelt habe, während der (angebliche) "Pöbel" öffentlich "Döbel raus!" ruft: dann hat man als Arbeitgeber die verdammte Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und sich öffentlich vor seinen Angestellten zu stellen und diesen aus der Schusslinie zu nehmen. Dass dies unterblieb, lässt in tiefe Abgründe blicken.
Was kann die Perspektive aus Fansicht sein?
Das Dümmste, was passieren könnte wäre, dass man sich in der Holsteiner Fanszene über die -sorry!- absolut nebensächliche Frage des Sicherheitsbeauftragten entzweit - am besten noch via Internet. Dass eine Zaunfahne in der Ultrákultur DAS Gruppenheiligtum schlechthin ist und diejenigen, die so eine Fahne "schänden", nun ziemlich verschärft als potentielle Gesprächspartner aus Ultrá-Sicht abgeloost haben, ist nachvollziehbar und auch nicht ins Lächerliche zu ziehen. Andererseits würde man sich als Nicht-Ultrá auch nicht vorschreiben lassen, wem man auch zukünftig die Hand schüttelt. Es geht um gegenseitigen Respekt. Dieser wird nicht unbedingt in Internetquatschbuden gelebt. Als kürzlich im Internet die Arbeit der KSV-Fanbetreuer kritisiert wurde, hat man sich zusammengesetzt und ein gutes Gespräch geführt. So sollte es weitergehen. Und dann gemeinsam die Mannschaft supporten; und gemeinsam dem Verein einen Arschtritt verpassen, wenn er nicht in die Hufe kommt.
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"Nummer Drei"
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