Autor: n.h.
Zahlenmäßig große Resonanz, konkrete Zusagen und sichtlich um bessere Kommunikation mit dem Fan-Anhang bemühte Holstein-Verantwortliche: So könnte man den Fanabend im bis auf den letzten Platz gefüllten Veranstaltungsraum des Holsteiners zusammenfassen.
Mittels Powerpoint-Folien präsentierte Wolkenschlösser - wie auf dem letzten Fanabend zu Regionalligazeiten - waren kein Thema mehr. Und das ist wohl auch gut so. Neben den sportlichen und administrativen Zielsetzungen von sportlicher Leitung und Vereinsführung nahm das Thema "Sicherheit" erwartungsgemäß breiten Raum ein.
Für die KSV, die zu dem Abend geladen hatte, umriss Präsident Roland Reime die Perspektiven für die nähere Zukunft. So werde der Aufstieg in die 3. Bundesliga angestrebt und die Jugendarbeit, die bereits jetzt selbst für Regionalligaverhältnisse vorbildhaft sei, weiter ausgebaut. Zudem soll das Image des Vereins weiter verbessert werden, wobei die KSV Defizite in der öffentlichen Darstellung auch durch bereits eingeleitete administrative Verbesserungen - kürzere Kommunikationswege, bessere Erreichbarkeit - abgebaut werden sollen. Offensichtlich sind solche PR-Katastrophen wie das Damen-Länderspiel in Lübeck und die KN-Berichterstattung darüber nicht spurlos an den Verantwortlichen abgeprallt.
Einen Ausblick in sportlicher Hinsicht gab Trainer Peter Vollmann, der es selbstbewusst nicht ausließ, den einen oder anderen Seitenhieb in Richtung Arbeitgeber loszulassen. So erklärte Vollmann, dass er gerne noch einen "Hochkaräter" verpflichtet hätte und ließ sein Bedauern über den am Verein gescheiterten Transfer von Ex-Holsteiner Stefan Kühne zurück nach Kiel durchblicken. Vollmann betonte, dass die jetzige Saison aus seiner Sicht noch "nicht durch" sei und dass genau dies auch von potentiellen Verstärkungen für die kommende Saison, mit denen bereits Gespräche geführt wurden, so gesehen werde.
Vollmann: Keine Kompromisse, wenn man in Liga 3 möchte
Für die nächste Saison würden "16 Spieler mit der Qualität, in der 3. Bundesliga zu spielen" benötigt, wenn man wirklich um Platz 1 in der Regionalliga mitspielen möchte. Wer dabei Kompromisse machen wolle, würde es in der Regionalliga schwer haben, zu bestehen. Man kann hinter solchen Worten erahnen, worum es bei den anstehenden Vertragsverhandlungen zwischen Trainer und Verein gehen mag ...
Was die Fanarbeit seitens der KSV und Sicherheitsfragen anging, stellte Jürgen Weber den Standpunkt des Vereins klar und gab auch konkrete Zusagen für die Fanarbeit. So soll es ab nächster Saison endlich einen vernünftigen Fancontainer als Anlaufstelle geben: "Mit Licht, Heizung und Fenster"
Bis zum Ende dieser Saison wurden zudem 500 Euro für einen Ausfallfonds eingeplant, falls wegen einer Spielabsage wieder ein Fanbus storniert werden müsse. Bei der noch ungeklärten Frage der Zaunfahnenplätze bat Weber um Verständnis, dass ein Kompromiss zwischen den Interessen der zahlenden Werbe-Sponsoren und denen der Fans gesucht werden müsse. Eine Stadion-Begehung zusammen mit der Holstein-Marketing sei bereits ins Auge gefasst, um hier zu einer befriedigenden Lösung zu kommen.
"Der Verein ist bereit, zu deeskalieren"
Ausgesprochen positiv waren die Signale, die man aus Richtung Vereinsführung in Person Webers in der "Sicherheitsfrage" hören konnte. Weber: "Der Verein ist bereit, zu deeskalieren" und jedem soll "eine zweite Chance" gegeben werden. Konkret werde es keine Stadionverbote ohne vorherige Anhörung der Betroffenen geben, d.h. eine Einzelfallprüfung bei "Stress". Man habe von Vereinsseite "einiges kritisch aufzuarbeiten". Wenn die KSV nun ihrerseits verstärkt das Gespräch mit den Fans sucht, so seien auch die Fans aufgefordert, grundsätzliche Spielregeln einzuhalten. Es könne nicht sein, dass das Image der KSV Schaden nähme und potentielle Sponsoren abgeschreckt würden. Andererseits dürfe es z.B. nicht passieren, dass eine Familie mit kleinen Kindern durch eine subjektiv empfundene Bedrohung vom Besuch von Fußballspielen abgehalten werde. Die Rückserie der jetzigen Saison sei dabei als "Prüfstein" zu sehen, ob es mit dem Miteinander klappt.
Insgesamt kann man den Verantwortlichen bescheinigen, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben. Statt bombastische Ankündigungen zu machen, die sich als Luftnummern erweisen, wird in kleinen - aber wichtigen - Schritten daran gearbeit, das Vetrauen vieler Fans wiederzugewinnen. Die Vokabel, die immer wieder genannt wurde war, "Kommunikation". So soll es laut Aussage von Reime in Zukunft 2-3 Fanabende pro Jahr geben. Jürgen Weber kündigte an, dass es wieder Fanbeauftragte geben solle und regte eine ergebnisoffene Diskussion darüber an, ob ein Fanprojekt in Kiel Sinn mache oder nicht.
Da aus dem Plenum der rd. 100 anwesenden Fans und 4 Spieler (Boy, Hasse, Siedschlag, Rohwer) nur wenig Diskussionsbeiträge kamen, war der um 18 Uhr gestartete Fanabend bereits nach anderthalb Stunden zu Ende.
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