Autor: n.h.
Bereits am frühen Nachmittag kursierte in vereinsnahen Kreisen das Gerücht, es werde um 16 Uhr eine wichtige Mitteilung oder gar eine Pressekonferenz der KSV Holstein geben - über den möglichen Inhalt herrschte Rätselraten. Der Schreiber hoffte, dass nun doch die Verpflichtung von SVW-Topstürmer Pollok zur Winterpause bekannt gegeben würde. Oder vielleicht eine überraschend schnelle Lösung in der Flutlicht- und Lizenzfrage? Eher als sarkastischer Scherz wurde auch diese Version genannt: Vollmann wird entlassen und stattdessen wird nach Neubarth ein weiterer erfolgloser Ex-Bundesliga-Coach an die Förde geholt. Im Holsteiner war keine Pressekonferenz angesetzt, wie der Schreiber vor Ort feststellen musste - die Bombe ging stattdessen kurz vor halb fünf via KN-online hoch.
Man konnte über Peter Vollmanns taktische Ausrichtung streiten. Insbesondere in der Rückrunde der letzten Saison wurde auch auf holstein-block.de die Frage gestellt, ob unter Vollmann eine positive Entwicklung sichtbar wäre. Natürlich sollte ein Verein, der fußballerisch höhere Ziele anstrebt als die eines Viertligisten, sich nach entsprechendem Personal umschauen, mit dem diese Ziele erreichbar sind. Bei der Art und Weise, wie Holsteins erfolgreichster Trainer der letzten Jahre anscheinend abserviert wurde, kann man aber fast nicht mehr von einem bitteren Beigeschmack reden:
Es erscheint zutiefst unwürdig.
Dabei werden gerade diejenigen, die eine andere, offensivere, "modernere" taktische Ausrichtung angemahnt haben oder gar offen Vollmanns Tage bei Holstein schon längst gezählt sahen, durch das designierte Nachfolgerteam Falko Götz / Andreas Thom kaum in Euphorie verfallen können. Ein Ruf wie Ralf Rangnick (oder gar Stefan Böger, sorry!), eilt Falko Götz nach den Trainerstationen Hertha BSC oder 1860 nicht gerade voraus.
Pünktlich zur solide gewonnenen Herbstmeisterschaft und einer großartigen Ausgangslage im Aufstiegskampf präsentiert sich Holstein vielen Außenstehenden wieder als Verein, der auf "dicke Hose" macht und dabei wieder auf "Geld und Namen" setzt. Jeder Holsteinfan wird sich -leider- sehr gut daran erinnern können, dass Holstein mit "Geld und Namen" 2006 trotz beeindruckender Aufholjagd in der Rückrunde (unter Vollmann) in die Viertklassigkeit stürzte und damit zur absoluten Lachnummer des norddeutschen Fußballs wurde.
Auch in der Politik redet man bereits seit vielen Jahren davon, dass sogenannte "traditionelle Bindungen" immer unwichtiger werden und Parteipräferenzen wie Kleidungsstücke gewechselt werden - woran auch austauschbare Parteiprogramme und immer wieder neues, aber ebenso wenig "authentisch" wirkendes Führungspersonal mitschuldig sein dürfte. Im Sport läuft das im Grunde genommen nicht anders: Vereine geben ein eigenes unverkennbares Profil zugunsten eines austauschbaren Marketings auf. Ob es das richtige Signal gegenüber vielen Fans ist, per KN anzukündigen, das "System Hoffenheim" kopieren zu wollen?
Mit etwas Sarkasmus ausgedrückt besteht das unverwechselbare Profil der KSV Holstein heutzutage darin, immer dann, wenn sich der Verein mit stetigen Ruderschlägen in ruhigem Fahrwasser Richtung Ziel bewegt, einen riesigen Außenborder anzuschmeißen, den anscheinend niemand richtig bedienen kann.
Der Schreiber will jetzt nicht über die gute alte Zeit rumjammern, die vermutlich aus der Nähe betrachtet nicht halb so gut war wie sie heute dargestellt wird. Und selbstverständlich sei dem neuen sportlichen Leitungsteam unter Falko Götz zu wünschen, es möge eine ebenso gute Bilanz wie Peter Vollmann vorweisen können. Nur wegen eines Namens wird hier allerdings kein Kredit vergeben - diesen kann man sich aber erarbeiten. Falko Götz sollte dabei nicht nur die Vorraussetzungen für weitere sportliche Erfolge schaffen, sondern auch das Gespräch mit den Fans suchen.
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