Autor: n.h.
 Falsche Liga? Trainer Vollmann beim Spiel gegen Henstedt-Rhen Wenn im Jahr 2050 die Festschrift "150 Jahre Holstein Kiel" auf den Markt kommt, wird man das peinliche Ereignis vom letzten Sonntag (bzw. vom 19.10.) als Skurilität der Saison 07/08, wo man gegen die Reserve eines zeitweiligen Lokalrivalen namens VfB Lübeck verlor, in einem Absatz abhandeln. Genauso wie der Platzsturm von KSV-Fans beim Spiel gegen den SV Lurup am 2.8.1982, der beim Stande von 2:0 für Lurup zu 10 Minuten Spielunterbrechung führte, in der aktuellen, 260-seitigen 100-Jahre-Chronik zwischen zwei Gedankenstriche passt. Über eine ganze Doppelseite hingegen wird man in der 2050er Chronik das blau-weiß-rote Fahnenmeer von 15000 Anhängern auf dem Rathausplatz zeigen, das dem Bartels-Team zum erfolgreichen Aufstieg in die 1. Bundesliga huldigen wird.
Im Hier und Heute, gerade zwei Tage nach dem (angeblichen) Derby gegen Lübeck Zwo, wünscht ein nicht unerheblicher Teil des Kieler Anhangs, die sportlich Verantwortlichen wie Trainer Peter Vollmann oder Kapitän Sven Boy ("jetzt bist Du auf Jahre der Depp") mögen gefälligst dahin gehen, wo der Pfeffer wächst.
In Nordhorn wächst zwar kein Pfeffer und ein paar Kilometer weiter in Holland werden auch eher andere exotische "Gewürze" kultiviert. Aber Nordhorn ist weit genug weg und der Termin für das Nachholspiel so ungünstig, dass wohl kaum mit aufgebrachten Fans aus Kiel zu rechnen ist. Deshalb könnte sich die Mannschaft vielleicht auf das konzentrieren, wofür sie eigentlich da ist: Fußball spielen.
Aber genau da liegt der Hund begraben: Wenn man mal die letzten Spiele ohne jeglichen Derby-Pathos - der hier von vornherein nicht gepflegt wurde - sieht, so scheint fußballerisch die Entwicklung bei Holstein spätestens seit der Winterpause stillzustehen. Einige Akteure scheinen nur noch ein Schatten ihrer selbst zu sein. Um nur ein Beispiel zu nennen: was ist mit Holger Hasse los, einem zweifelsohne großartigen Spieler? Falsche Liga?
Neidisch schaut man nach Lurup, wo man am Sonntag offensichtlich die spielerischen und taktischen Mittel besaß, Meppen mit 5:1 vom "Acker" zu jagen, während auf Holsteiner Seite ein 0:0 bejubelt wurde. Interessiert registriert man, dass zeitgleich Osnabrück II die Scharmbecker zu Kleinholz verarbeitete (0:7!), während Holstein dieser Aufgabe Wochen zuvor nicht gewachsen war. Verständlich, dass auch jenseits aktueller Pleiten immer häufiger die Frage gestellt wird, ob es nur an dieser Liga, widrigen Platzverhältnissen und megamotivierten Gegnern liegt oder nicht auch am Trainer.
Nachdem holstein-block.de die Prognose zum "Derby" völlig vergeigt hatte, wäre es nun eigentlich angebracht, vorsichtiger zu tippen. Doch wenn die Mannschaft getreu dem Motto "Ist der Ruf erst ruiniert, lebts sich völlig ungeniert" agieren sollte und sich einfach bewusst macht, dass man sowieso nichts mehr zu verlieren hat und "Sicherheitsfußball" dementsprechend total Banane ist: dann wäre doch ein 2:5 für Holstein drin, oder?
Um dann zu Hause gegen Pauli II ein paar Pfiffe weniger zu kassieren.
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