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Ein Rückblick aus aktuellem Anlass

Das Fanprojekt

9. Feb 13
 

Autor: Klaus
„Mögen Sie Fußball?“
Was sollte das denn jetzt? Eine Fangfrage womöglich?
Als Fußballspieler war ich nie herausragend gewesen, eher ein verkannter Strassenfußballer, außer dass ich mit Holsteins 4. B-Jugend mal 4:2 gegen Pauli’s 3. B-Jugend gewonnen und dabei zwei Tore gemacht hatte. Und ich war seit Jahrzehnten immer mal wieder Besucher im Holsteinstadion gewesen, musste immer die Ergebnisse erfahren und die Tabelle studieren.supporters-flyer
„Ja!“ gebe ich zaghaft nach einigem Zögern zu.
Herr Gummi (Name geändert, die Red.) zeigt Begeisterung: „Dann habe ich was für Sie!“
„So?“
„Ein Fanprojekt von Holstein Kiel. Haben Sie Interesse?“
Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet und musste erstmal überlegen, was ich aufgrund meines völlig anderen beruflichen Werdegangs mit einem Fanprojekt zu tun haben könnte.

„Na ja, ich weiß nicht, da bekomme ich es sicherlich auch mit schwierigen Problemfällen, schwer erziehbaren Jugendlichen oder vielleicht sogar mit Rechtsradikalen zu tun. Ich bin ja kein Sozialpädagoge oder so.“

„Nein, das ist nicht ihre Aufgabe dort. Das Ganze findet bei der Bläh-bla-bla (Name geändert, die Red.) statt und sie bekommen dort für die Tätigkeit einen Euro Aufwandsentschädigung bei insgesamt 20 Stunden in der Woche. Und Sie werden dort die Möglichkeit bekommen, mit sehr vielen hochinteressanten Geschäftsleuten, den Sponsoren von Holstein Kiel, in Kontakt zu kommen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Arbeitsplatz bekommen, ganz erheblich.“ Na ja, die von Herrn Gummi angebotene Alternative, eine Wand anzustreichen und danach die Farbe wieder abzuwaschen, um das Ganze dann zu wiederholen, reizte mich auch nicht unbedingt und einen richtigen Arbeitsplatz hatte er sowieso nicht für mich, also blieb mir nichts anders übrig. Das folgende Gespräch bei der Bläh-bla-bla war ebenfalls mit dem Begriff „totale Begeisterung“ zu bezeichnen, allerdings war die Begeisterung hauptsächlich auf Seiten der sozialpädagogischen Tante, die sich als Leiterin des Fanprojekts bezeichnete. Ein paar Tage später fand ich mich an einem Tisch mit acht anderen HartzIV-Empfängern wieder, die alle leichtfertig bei ihrem Fallmanager „Ja“ gesagt hatten, als sie gefragt wurden, ob sie Fußball mögen. Wie im Kindergarten saßen wir, überwiegend im fortgeschrittenen Alter, zusammen gedrängt. Ziemlich aggressiv fauchte die Sozialpädagogin uns an, dass wir uns Gedanken zu machen hätten, was wir für dieses neue Fanprojekt, welches von der Fanvereinigung von Holstein Kiel initiiert worden war, leisten können.

Im folgenden wurden wir – gemischt mit fünfzehn Arbeitslosen eines anderen Projekts – in einen Raum mit altersschwachen Computern gesetzt, saßen die Zeit ab, quatschten blöde rum und surften ein bißchen im Internet. Und wenn der Gehilfe der Sozialpädagogin zur Kontrolle, ob noch alle da waren, den Raum betrat, schauten alle plötzlich total konzentriert, bis er den Raum wieder verließ. So verflossen die Tage.

Nach einiger Zeit wurde der Kontakt zu den echten Fanvertretern, alles aktuelle und ehemalige Fanbeauftragte bei Holstein Kiel, hergestellt. Das veränderte unsere Lage, denn das echte Engagement der Jungs war überzeugend und unsere Mitarbeit schien willkommen und tatsächlich sinnvoll zu sein. Mich motivierte das, mein Engagement für das Fanprojekt erheblich zu steigern, obwohl die Massregelungen von der sozialpädagogischen Tante und ihrem Gehilfen eher kontraproduktiv blieben. Wir waren halt nur die dummen HartzIV-Empfänger, die es zu beaufsichtigen galt. Für das Fanprojekt entstanden Listen, Fahrkarten für Auswärtsfahrten, Ideen um die Wiederbelebung eines Storches, die Reanimierung der Farben Blau-Weiss-Rot, ein Faltblatt für die Anwerbung neuer Mitglieder, ein Logo und einiges mehr. Auch an einem Fan-Turnier auf der Waldwiese und einem Fanabend konnten wir massgeblich mitwirken.

Nun waren diese Tätigkeiten allerdings nicht so zeitraubend und personalintensiv, dass acht Personen damit ausreichend zu tun hätten. Nein, wirklich nicht! Und so allmählich wuchs die Unzufriedenheit über das tagtägliche sinnlose Rumgesitze. Die versprochenen Kontakte zu den arbeitsplatzschaffenden Sponsoren wurden immer wieder verschoben. Irgendwann erschienen dann doch zwei oder drei der Sponsoren, hörten sich alles lächelnd an, verschwanden und wurden nie wieder gesehen. Soviel zum Kontakt zu potentiellen Arbeitgebern! Allmählich festigte sich auch der Verdacht, dass unsere Tätigkeit gar nicht als „zusätzlich“ einzustufen war, wie es das SGBII für MAE-Massnahmen forderte. Die echten Fanvertreter besuchten uns auch seltener, die Interessen der Bläh-bla-bla traten immer mehr in den Vordergrund und von einem wirklich sinnvollen Fanprojekt konnte gar nicht mehr die Rede sein. Ich begann mich bei Herrn Gummi zu beschweren, der aber meine Beschwerde ganz schlicht zum Geschäftsführer der Bläh-bla-bla umleitete. Ohauaha, da gab es richtig Stress! Als dann auch noch einer aus unserem Team im Holstein-Forum ausrastete und seinen persönlichen Wahnsinn nicht bremsen konnte, war auch das Tischtuch zwischen dem Bläh-bla-bla-Fanprojekt und den echten Fanvertretern endgültig zerschnitten. Die sozialpädagogische Tante veranstaltete darauf ein böses Tam-tam und das Scheitern des Fanprojekts wurde natürlich uns, den HartzIV-Empfängern in die Schuhe geschoben.
Nach einem halben Jahr war dieser Schwachsinn für mich beendet, eine feste Arbeitsstelle hat’s mir nicht gebracht, ein sinnvolles Fanprojekt für die Fans oder die Fanvertretung ist auch nicht entstanden, aber vor einem Jahr war zu hören, dass bei der Bläh-bla-bla sechs Jahre später immer noch eine MAE-Maßnahme „im Angebot“ ist, die sich „Holstein-Fanprojekt“ nennt, gefördert mit Regiegeldern des Jobcenters aus öffentlichen Mitteln.

Es gibt viele Dinge auf der Welt, für die wir keine einfachen Erklärungen haben.



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Kommentare

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Ich finde Sebastian Süß total süß!!
30.03 '15 um 09:59
Von keine ahnung Weiter ...

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16.01 '14 um 15:19
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