Autor: Zens
 Foto: holstein-stadion.de Treffen Holstein Kiel und der VfB Lübeck aufeinander, ist immer eine gewisse Brisanz gegeben. Das allein ist ja auch nichts negatives, macht die Derbystimmung doch gerade erst das Salz in der Suppe aus. Die Suppe wurde den Zuschauern der Begegnung jedoch am heutigen Tag vollständig versalzen. Oder besser gesagt "verpfeffert".
Auf das Spiel soll an dieser Stelle gar nicht großartig eingegangen werden. Man betrat den Block in dem Moment, als Nico Beyer einen Elfmeter für Lübeck entschärfte und konnte spätestens nach dem Führungstreffer für unsere Jungs dem Rest des Spiels gelassen ins Auge sehen.
Etwa zur 75. Minute konnte man dann allerdings beobachten, dass die Polizei sich großflächig zurück zog und fünf Minuten später den Innenraum vor der Lübecker Tribüne wieder betrat und sich dort provokativ in Stellung brachte. Selbst die Hundeführer mit ihren beißwütigen Kläffmaschinen bezogen an der Seitenlinie Stellung. Nun wurde aus beiden(!) Blöcken (teilweise sogar übereinstimmend) gegen die Polizei gesungen. [Hier sollte erwähnt werden, dass es zum einen beim Singen blieb, es also keinerlei Attacken oder ähnliches gab und es sich darüber hinaus um die in jeder Szene und in jeder Kurve gängigen Gesänge gegen die Staatsmacht handelte]
Pünktlich zum Schlusspfiff rollte die Polizei den Block auf und trieb die Fans unter Schubsen, Beleidigungen, Drohungen und teilweise durch den Einsatz von Schlagstöcken aus dem Gästeblock. Es wurde keine Rücksicht darauf genommen, wer dort gerade vor den Knüppel geriet. Die Mannschaft, die inzwischen zum Zaun gekommen war, um sich für ihren Sieg feiern zu lassen, versuchte beschwichtigend einzugreifen und die Polizisten zu beruhigen - Fehlanzeige. Selbst die Fahnen durften zunächst nicht vom Zaun abgenommen werden. Erst nach mehrmaliger Nachfrage durften zwei Leute hinter die Polizeikette, da man uns inzwischen bereits weit zurück getrieben hatte. [Vielleicht ist es nötig, an dieser Stelle zu erwähnen, dass es während des Spiels keinerlei Begründung für ein derartiges polizeiliches Vorgehen gegeben hatte. Es wurde keine Pyrotechnik gezündet, es gab keine Becherwürfe und abgesehen von den "normalen Derbyschmähgesängen" gab es keine Parolen oder gar rassistischen Gesänge]
An der Ausgangstreppe begann dann ein wildes Schubsen, das sich bis vor den Eingang fortsetzte. Währenddessen gab es mehrfach Pfefferspray, häufig einen Schlagstock auf Arme, Beine oder sogar gegen den Kopf(!). Wiederholt wurden Frauen und Kinder angegangen. (Persönliche Anmerkung: Ich bin es eigentlich Leid bei jedem Bericht über Polizeiausschreitungen genau diesen Satz zu lesen, denn all zu häufig schüttele ich den Kopf und befürchte, es sei ein "Totschlagargument", um zu verdeutlichen, wie übertrieben der Einsatz gewesen sei ... nach heute sehe ich das mit anderen Augen. Ich selbst habe gesehen, wie eine Jugendliche von drei Polizisten angegriffen und mit dem Kopf gegen die Scheibe vom Bus geschlagen wurde ohne dass dies in irgendeiner Weise gerechtfertigt gewesen sei.)
Eine handvoll Kieler wurde aus der Gruppe gezogen, teils zur Personalienfeststellung, teils um ins Gewahrsam zu gehen. Die Berechtigung dieser Maßnahmen bleibt fraglich. Da man nun aber niemanden zurücklassen wollte, weigerte man sich zunächst in den bereit gestellten Bus zu steigen und, nachdem man wieder ordentlich was auf den Deckel bekam, weigerte sich anschließend den Zug zu besteigen. Wiederum keine Chance, solange einem die eigene körperliche Unversehrtheit lieb war (soweit die überhaupt noch gegeben war).
Doch nicht nur auf unserer Seite gab es Beulen. Wie man anschließend hörte, gingen die Staatsbüttel auch mit den Lübeckern nicht zimperlich um und knüppelten gut im Lübecker Block. Wie man von einem unserer Zivis hörte, gab es dort sogar noch wesentlich mehr Verhaftungen und Verletzte.
Das Fazit dieses Tages ist ein schal schmeckender Derbysieg und die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Und vor allem: Wer ist dafür zur Rechenschaft zu ziehen? Selbst wenn beide Fanlager ohne polizeiliche Begleitung aufeinander getroffen wären, hätte es am heutigen Tag wohl kaum mehr Schäden oder Körperverletzungen gegeben.
Was bleibt ist Unverständnis. Das Bild des Tages für mich ist eine Mutter, die immer wieder den Kopf schüttelte und sich fragte "Was soll das? Ohne Grund!", während sie sich selbst außer Reichweite von Pfeffer und Knüppel brachte
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