Autor: n.h. Vielleicht der wichtigste Grund, donnerstags dem Pressegespräch zum bevorstehenden Spieltag beizuwohnen, sind die "O-Töne" im Sinne von Originalzitaten. So ergibt sich für den Schreiber manchmal ein leicht abweichendes Bild von dem was ein Trainer gesagt hat, und wie es dann bei den Kollegen wiedergegeben wird. Um mal ein fiktives und überzeichnetes Beispiel zu nehmen: "Herr Trainer X, wollen sie den kommenden Gegner Y so richtig weghauen?" Fiktive Antwort: "Ja ... wer würde das denn nicht gerne". Was theoretisch folgende Zeitungsüberschrift ergeben könnte: "Trainer X: Wir wollen Gegner Y so richtig weghauen!". Was sich für den Leser nach einer sehr vollmundigen Ankündigung anhört, ist in Wirklichkeit eigentlich völlig banal gewesen. Andererseits, mal nicht-fiktiv, konnte der Schreiber Passagen eines Vorberichts auf KIELerLEBEN, wo sich Falko Götz zur Fanproblematik äußerte, richtig einordnen. Dass nämlich der zitierte Quatsch wirklich aus Götz' Munde kam.
Einigen Wirbel verursachte in dieser Hinsicht in der letzten Woche ein Interview auf kicker.de, wo Christian Wücks Antwort auf die Frage nach eigenen Fehlern mit einem "Nein" beginnt. Unabhängig davon, ob man nun Wück für den geeigneten Trainer in der Regionalliga hält oder nicht: Vermutlich wollte der Trainer mit der missglückt (wieder)gegebenen Antwort darauf hinweisen, dass er seine eigenen Fehler nicht für "das größte Problem" hält - so legt es jedenfalls die Richtigstellung auf KIELerLEBEN im Vorbericht auf das Aue-Spiel nahe. Wobei wir in diesem Falle dem Kollegen des Kieler Onlinemagazins einfach mal vertrauen müssen. Denn aufgrund der "englischen Wochen" finden die Pressegespräche derzeit direkt am Trainingszentrum in Projensdorf statt. Und bei der Wahl, mit dem Fahrrad eine Tagesreise ans Ende der Welt zu machen, um ein paar O-Töne zu erhaschen, oder sich gemütlich am Samstagmorgen um vier am ZOB in einen Bus Richtung Erzgebirge zu setzen, schlug das Pendel zugunsten des "O-Spiels" - im Sinne von Originalspiel - aus.
Ob das eine gute Wahl war?
Von den Vorraussetzungen her könnte der Trip in die Gegend, die 1945 zunächst von den Alliierten versehentlich nicht besetzt wurde ("Republik Schwarzenberg"!), eigentlich ganz nett werden: Richtig Druck haben nämlich vor allem die Gastgeber, die aufsteigen wollen, während man auf Kieler (Zuschauer-)Seite mit allem zufrieden ist, solange man sich keine kampf- und kopflose Klatsche abholt. Zudem präsentierten sich die Kieler zuletzt wie beim tragischen 2:2 Unentschieden gegen Bayern in aufsteigender Form.
Die Erwartungshaltung auf Auener Seite ist natürlich ganz klar, dass gegen das "Kellerkind" zu Hause drei Punkte eingefahren werden müssen - eventuell hat man ja auch schon wieder vergessen, dass man im Hinspiel im Holsteinstadion als "Auefbaugegner" fungiert hatte. Allerdings wird die Kieler Mannschaft ein völlig anderes Gesicht haben als im Hinspiel, da Michael Holt und Kevin Schulz kartenbedingt fehlen werden, Christian Jürgensen verletzungsbedingt sicher ausfallen wird, während hinter Florian Meyer zumindest ein Fragezeichen steht. Tim Jerat und Alexander Nouri, die beim Hinspiel noch zur Startelf gehörten, sind derzeit nicht mehr erste Wahl, andererseits dürften nach den letzten Spielen Heider, Sembolo und Sykora gesetzt sein. Zugeschlagen hat der Fehlerteufel im ansonsten sehr guten Vorbericht bei KIELerLEBEN im übrigen doch noch ein wenig, da eine Zwischenüberschrift "Ohne Schulz und Lamprecht" lautet, aber wohl "Ohne Schulz und Jürgensen" gemeint war.
Völlig unmissverständlich hingegen ist das Ergebnis, das die KSV aus Sicht des Schreibers in Aue einfahren wird, namlich ein gutes 1:1 Unentschieden, das für die "Schachtscheißer" eine böse Überraschung und für Kiel "business as usual" darstellen wird.