Autor: n.h.
Derbies gegen die Hamburger Nummer 3 strahlen natürlich immer einen besonderen Reiz aus, weil die vom Discountflieger Ryanair als "Hamburg-Lübeck" angeflogene Randgemeinde ebenso wie Norderstedt, Großhansdorf oder Glinde verwaltungstechnisch gesehen zu dem Land gehört, das von Kiel-Düsternbrook aus regiert wird.
Doch niedrig wie selten in den letzten Jahren ist die Spannung aus Sicht vieler Kieler Fans im Vorfeld auf dieses Spiel: Während die KSV höchstens noch eine Chance wahren kann, am Ende doch noch am unteren Rand des Zielbereiches "1-5" zu landen, hat das sich in Auflösung befindliche Lübecker Team nur noch eine Restchance, die bronzene gegen die silberne Ananas einzutauschen. Und jene grün-weißen Fans, die sich zu Schleswig-Holstein zugehörig fühlen, dürfen bereits seit mehreren Spieltagen zum letzten Mal für sehr lange Zeit das Gefühl auskosten, am Ende einer Saison in der Tabelle vor Holstein zu stehen.
Wirkliche Begeisterung kann aber jetzt schon das SH-Pokalendspiel am 3. Juni in Lübeck hervorrufen: Denn maximalen Lustgewinn erzielt man eben nur dann, wenn man den Gegner vor seinem eigenen Publikum demütigen kann und es zudem auch noch um etwas geht, wie zuletzt beim Abschiedsspiel von Bundesligatrainer Peter Vollmann beim 3:1 im Dezember 2008. Das kommende Spiel: Eine Generalprobe, die natürlich einwandfrei über die Bühne gehen sollte, wo man aber Patzer noch verschmerzen kann.
So wie bei einer Generalprobe im Theater üblich, wird Regisseur Thorsten Gutzeit auch die Akteure auf die Bühne stellen, die bei der eigentlichen Premiere zum Zug kommen sollen. Etwaigen taktischen Spielereien, dass man sich nicht in die Karten schauen lässt und nicht mit der bestmöglichen Mannschaft aufläuft, erteilte Gutzeit beim Pressegespräch am Donnerstag eine Absage. O-Ton: "Kein Spiel gegen den VfB Lübeck ist unbedeutend". Im Hinblick auf das Holsteiner Team sprach der Trainer der Tabellensituation zum Trotz von einer hohen Spannung: "Jeder fiebert mit".
Ob der Funke überspringen wird? Maximal 300-350 Hamburg-Lübecker Fans werden in Kiel erwartet, die gesamte Zuschauerzahl wird vermutlich wohl über 3000 liegen, aber sicher auch nicht an Zahlen der letzten Jahre heranreichen. Aber eine geglückte Generalprobe kann eben auch die Zuschauer aus den Sitzen reißen und Werbung sein für Premiere und kommende Spielzeit.
Als ziemlich vergeigt indes kann man schon jetzt die Derby-Generalprobe der Pundesbolizeiinspeckzion Bundespolizeiinspektion Kiel in puncto Fanansprache bezeichnen: dass die vom 18. Mai datierte "Fanmitteilung" sich ausschließlich an "verehrte Fußballfreunde" richtet, mag man noch durchgehen lassen, weil es sich nicht um eine geschlechtsneutral zu haltende Stellenanzeige handelt und ein etwas gestriger Machismo zu manch einem Außendienstler dieser Behörde ja auch passen mag.
Aber "der KSV Holstein Kiel" geht ja echt garnicht ...
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