Autor: n.h.
 Schicke Wolken beim letzten Heimspiel gegen SVW Sah doch eigentlich garnicht so schlimm aus: Beim Aufbruch von Kiel-Süd Richtung Projensdorf, wo Donnerstagmittag in der neuen Geschäftsstelle das Presse-Vorgespräch zum Wilhelmshaven-Heimspiel stattfand, hatten sich nahezu sämtliche Wolken verzogen, so dass der Schreiber dann per Rad noch den Umweg "am Wasser" einschlug. Kurz hinterm Restaurant Seeburg durfte er dann feststellen, dass manche Bäume weniger geeignet sind, sich bei einem Platzregen unterzustellen, als andere; später dann, am nördlichen Hindenburgufer, war der Radweg völlig trocken - was der Schreiber allerdings nicht von sich selbst behaupten konnte.
Nicht wirklich schlimm sah das auch erst aus, was sich laut Trainer Gutzeit im Montags-Training zutrug: Irgendeine verkehrte Drehung ohne Fremdeinwirkung, Tim Wulff geht erhobenen Hauptes vom Platz. Erst nach der Untersuchung tags darauf wird klar, dass der Holstein-Stürmer nach einer "verregneten" Vorbereitung mit Knie-OP nun eine persönliche Unwetterkatastrophe erlebt: Kreuzbandriss. Ganz bitter.
Auf die Fragen der berichtenden Zunft, ob Holstein nun doch noch bis zum 31. August - Ende der Transferperiode - nachlegen werde, antwortete Gutzeit, dass man "nicht in Hektik" verfallen würde und er genug Vertrauen in seinen Kader habe. Auch das in die Runde geworfene Stichwort Michael Holt, der zuletzt von einem Holstein-Foren-Schreiber unter etwas prosaischen Umständen - colatrinkend in einem Meppener Dönerimbiss - gesichtet wurde und noch vereinslos ist, scheint bis dato kein Thema zu sein. Wobei die Aussage, dass es keinen Kontakt aus der Richtung gegeben habe, immerhin Raum für die Interpretation zulässt, dass man nicht von vornherein abgeneigt wäre, wenn da was käme.
Unter der Rubrik "Vertrauen in den Kader" lief dann im Laufe des Pressegesprächs auch das Thema Nachwuchsspieler - Doppelbelastung Schule und Fußball - und gewisse Standortnachteile einer Stadt wie Kiel, die kein Sportgymnasium bietet. Kurzum: statt der üblichen 10-15 Minuten wie bei Wück oder Götz, die mit häufig wiederkehrenden Allgemeinplätzen gefüllt waren, saß der Holsteintrainer eine gute Dreiviertelstunde mit ganzen drei (!) Pressevertretern nebst Holstein-Geschäftsführer zusammen, und erzählte durchaus interessante Dinge. Wenn man hört, dass z.B. ein junger Spieler des aktuellen Kaders (wäre das nicht etwas indiskret, hier jetzt Poggenberg zu schreiben?) nach der Schule aus seinem Heimatort noch 80km durch halb Schleswig-Holstein zum Training gurken muss und nebenbei noch den Führerschein macht - Hut ab!
Wenig konkretes ließ sich Gutzeit hingegen zum Wilhelmshaven-Spiel entlocken. Man habe den Gegner beobachtet, habe seine Schlüsse gezogen, es wird keine großen personellen Änderungen im Kader geben, Christian Jürgensen wird auf jeden Fall in Kader stehen und eine Chance auf sein 100. Ligaspiel bekommen und man wolle im übrigen beim ersten Heimspiel beweisen, dass das Holsteinstadion "unser Revier" wäre.
Einige konkrete Neuerungen hatte indes schon zum Beginn des Gespräches Holstein-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke parat: So werde die neugestaltete Holstein-Website zum Spiel online gehen, es werde erstmals eine Betreuung für Kinder zwischen 3-7 Jahren ermöglicht (Kindergarten "Storchennest") und Sitzblock K1 auf der Gegengeraden werde eine Premiere als "Familienblock" mit vergünstigten Erwachsenen/Kinder-Kombitickets haben.
Während die beiden letzten Neuerungen wohl ungeteilte Zustimmung erfahren werden, kündigte Schwenke eine weitere Maßnahme an, bei der er wohl nicht ganz zu Unrecht einräumte, dass diese möglicherweise nicht ungeteilte Zustimmung finden werde und bat schon einmal präventiv "um Geduld": Elektronische Einlasskontrollen. Und auch dem Schreiber mag die Begründung nicht ganz einsichtig erscheinen, dass man damit "Schwarzseher" verhindern wolle. Selbst wenn sich sonst pro Spiel theoretisch 30 Leute - sehr hoch geschätzt - irgendwie mit "gebrauchten" Tickets den Zutritt erschleichen sollten, treibt man somit mit 99% der Zuschauer einen zusätzlichen Aufwand, der womöglich im krassen Missverhältnis zu vielleicht 100 Euro Mehreinnahme pro Spieltag steht. Ein Schildbürgerstreich? Oder gibt es andere Gründe?
Für zusätzlichen Diskussionsstoff für das Info-Treffen zur Neubelebung der Holstein-Supporters, das - wie angekündigt - nach dem Spiel in der Wiker Post stattfinden wird, scheint wohl gesorgt zu sein.
Weder ein Schildbürgerstreich und auch eigentlich garnicht so schlimm wird aus Sicht des Schreibers allerdings das Spiel selbst sein, denn es wird ein gutes 2:0 gegen den Tabellenvierzehnten der Vorsaison zu sehen sein. Sollte es trotz dieser Expertenvorhersage gegen Wilhelmshaven dennoch schief gehen, wird Christian Jessen von der Nordsport wieder die Trainerfrage stellen. Wäre um Gutzeit schade, wenn er dann vier Monate später als Herbstmeister entlassen würde.
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