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18. Spieltag: SV Wilhelmshaven - Holstein Kiel

Wilhelmshaven war schon mal interessanter

19. Dez 08
 

Autor: n.h.

Kiel - svw
Das Hinspiel verlief suboptimal
Erst Wilhelmshaven, dann Kiel: Der wichtigste Beitrag Kiels zur deutschen Geschichte war - neben dem Gewinn der deutschen Fußballmeisterschaft 1912 durch die spätere KSV Holstein - der Sturz der Monarchie als Folge des Matrosenaufstandes im November 1918. Weniger bekannt ist, dass die Matrosen eigentlich  vorher schon in Wilhelmshaven meuterten. 90 Jahre nach dem Aufstand betritt Kiel wieder für kurze Zeit die nationale Bühne des Medieninteresses, indem ein sportlich erfolgreicher Trainer gegen einen sehr bekannten Trainer ausgetauscht wird. Allerdings war auch dies genau genommen keine Pioniertat: Bereits im September sorgte der Hauptsponsor "Hühnerbaron" Sprehe in Wilhelmshaven dafür, dass der Erfolgstrainer Predrag Uzelac dort entlassen wurde - das überregionale Medieninteresse daran hielt sich allerdings in Grenzen, da der Co-Trainer als Nachfolger, Boris Ekmescic, nicht unbedingt zur  deutschen Trainerprominenz gehört.

Der SVW hält auch unter neuer sportlicher Leitung Kontakt zum Spitzenquartett der Regionalliga-Tabelle. Die Anhängerschaft indes stimmt alle zwei Wochen mit Füßen darüber ab, was sie von den Eskapaden des Hauptsponsors hält: Zuletzt kamen kaum 400 Zuschauer zu den Heimspielen.
Wenn die KSV im nächsten Jahr den FC Magdeburg als ersten Gast im Holsteinstadion empfangen wird, dann könnten laut mancher nicht abwegiger Einschätzung gut 10000 Schaulustige das Halboval am Westring aufsuchen. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die aktuelle Entwicklung bei Holstein nach wie vor sehr kontrovers beim Anhang diskutiert & analysiert wird.

Die Bandbreite der Reaktionen geht dabei von totaler Zustimmung und Euphorie über Skepsis bis hin zu echten Identifizierungsproblemen (Stichwort "Hoffenheim des Nordens") und kompromissloser Ablehnung ("Reime raus!").
Der technische Administrator dieser Seite, der in diesem Falle identisch ist mit dem Schreiber (was ansonsten nicht zwingend ist), hat vor ein paar Wochen den "3. Liga Countdown" in der rechten Spalte eingerichtet. Der Countdown ist noch da. Wobei mit der Zielrichtung für diese Saison aber auch die Kritik anfängt:

"Das wäre ein klares Zeichen"

Am 19.11. wird Holstein-Präsident Roland Reime in Bezug auf eine Vertragsverlängerung für Peter Vollmann in den KN  sinngemäß zitiert, dass man sich noch nicht festlegen wolle, aber eine Vorgabe in dem Sinne denkbar sei: Verlängerung bei Aufstieg, Trennung beim Scheitern. Wörtlich: "Das wäre ein klares Zeichen". Nur einen Monat später und einige hunderttausend Euro teurer heißt es nun: "Der Aufstieg im Sommer wäre wünschenswert, ist aber nicht notwendig!". Das ist nicht nur schlechter Stil. Sondern definitiv auch ein falsches Zeichen. Nebenbei bemerkt eine unglaubliche Leistung, die Vollmann vollbracht hat: Herbstmeisterschaft offensichtlich ohne Rückendeckung des Präsidiums, aber  dafür mit einem seit Monaten hinter dem Rücken gegen ihn arbeitenden Spieler-/Präsidiumsberater.

Apropos Spielerberater: Auch in der Frankfurter Rundschau vom Donnerstag findet sich der Artikel mit dem Passus, dass das Konstrukt Spielerberater = sportlicher Berater in Person Steffen Schneekloths von "wenig Professionalität" zeuge. Das ist zurückhaltend ausgedrückt. Es ist nicht begreiflich, dass 800000 Euro Etat für ein neues Leitungsteam bereitsteht, die maßgeblichen Gremien der KSV aber anscheinend nicht in der Lage sind, entsprechende Mittel aufzubringen um unabhängigen Sachverstand zu Rate zu ziehen. Die Sache hat "Geschmäckle" und ist imageschädigend. Gerne kann sich die KSV auch in Zukunft aus dem sportlichen Portfolio des Rechtsanwalts bedienen - pro Fin Bartels back in town! Aber Doppelfunktion: glasklares Nein.

Flutlichtfrage: Holstein unglaubwürdig

Um auf die genannten 800000 Euro zusätzlichen Etat für das Team Götz/Thom zu sprechen zu kommen: Der Schreiber muss es glücklicherweise nicht selbst bezahlen und hat großen Respekt davor, dass die honorigen Holstein-Sponsoren bereit sind, dafür ihre Schatullen weit zu öffnen. Aber kaum eine Woche vorher seitens der KSV bei der Stadt Kiel Alarm zu schlagen, dass die Stadt einen Betrag in etwa dieser Höhe aufbringen müsse, um drittligataugliches Flutlicht zu ermöglichen - das hat wahrlich Chuzpe. Hier kann keine juristische Bewertung der "Mietsache Holsteinstadion" vorgenommen werden, aber eine politische. Wenn die KSV meint, vor den interessierten Augen der Öffentlichkeit sozusagen mit Geld um sich werfen, andererseits aber erhebliche Leistungen von einer verschuldeten Kommune einfordert wie der Holstein-Präsident auf der Götz-Pressekonferenz, dann hat man die Öffentlichkeit ganz klar gegen sich und verscherzt sich Sympathien. Und nicht einmal zu Unrecht.

Es hat Vorteile, derzeit skeptisch zu sein: Sollte die ganze Geschichte, wie sie in den letzten Tagen präsentiert wurde, in einem riesigen Katzenjammer enden, so wäre das zwar schlimm, aber wenigstens trifft es einen nicht unvorbereitet und man hat wenigstens Recht behalten. Wird im Sommer 2012 der Aufstieg in Liga 2 gefeiert, so ist es für den Skeptiker umso schöner, weil es eine echte Überraschung ist und es ganz nebenbei dann auch niemanden mehr interessieren wird, was man vor drei Jahren für einen Quatsch geschrieben hat. Diejenigen, die sich von den hochfliegenden Plänen der KSV Holstein in Hochstimmung versetzen ließen, als wären sie Telekom-Aktionäre am Tag des Börsengangs, können hingegen ganz tief fallen.

Holstein-Block.de hat als Untertitel "Unabhängiges KSV-Magazin". Das "Unabhängig" wäre nichts wert, wenn hier nur kritiklos die großen Pläne der KSV Holstein und die gefällige Rhetorik des Noch-Kitzbühelers hochgejubelt würden. Sollte 2012 oder 2013 der Aufstieg in die  2.Bundesliga mit Falko Goetz gelingen, so wird diese Seite aber die erste sein, die eine Umbenennung des Ausflugsziels bei Friedrichsort in "Falkosteiner Strand" fordern wird und auch eine Umbenennung von Hassee in "Kiel-Citti" bzw. des Hindenburgufers in "Famila-Promenade" anregt. Versprochen. Und vielleicht wird der FC Magdeburg beim ersten Heimspiel 2009 so dermaßen in Einzelteile zerlegt, dass der derzeitige Groll über die Art und Weise, wie Vollmann abserviert wurde, nicht nur verfliegt, sondern Jubelarien Platz macht.

Bis dahin sind zwei Monate Winterpause und natürlich noch der Kick am Samstag in Wilhelmshaven, der wie das Emden-Spiel nach der Neubarth-Entlassung (Trainer: Klaus Thomforde) mit 0:0 ausgehen wird und durch die Ereignisse der letzten Tage fast ein wenig aus dem Fokus gerückt ist.

Vorberichte:

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Wilhelmshaven Kiel
 



Kommentare (3)
Geschrieben von Versuchskanichen, am 19. Dez 08 um 13:35,
Super Artikel, wie so oft. 
Nur muss man leider sagen, dass die Matrosen sich 1918 erhoben haben.
» Auf diesen Kommentar antworten ...

Geschrieben von n.h., am 19. Dez 08 um 13:52,
mein gott, ganz peinlicher Fehler, da ich ja auch www.matrosenaufstand.de (Theaterstück) unter meinen Fittichen habe ;-)  
Ich korrigier das mal von 1919 auf 1918 ...
» Auf diesen Kommentar antworten ...

Geschrieben von Klaus, am 19. Dez 08 um 18:26,
Ganz bitter wird es für die Holstein-Anhänger bei einem Misserfolg unter Götz, wenn Peter Vollmann demnächst bei einem 2.-Ligisten anheuern würde und weiter auf seiner persönlichen Erfolgswelle surft. Erfolg im Fussballgeschäft wird nämlich auch in Toren und Punkten gemessen. Und da kann PV ein ausgesprochen positives Zeugnis vorzeigen.
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15  Halberstadt 33  34  -6
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18  Magdeburg 33  28  -20

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Kommentare

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Dafür bin ich doch da :)
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