Autor: n.h.
 Gerne wieder: Jubel nach dem 3:2 gegen den VfL am 17.9.05 Das letzte, was man Christian Wück vorwerfen könnte, wäre, dass er nicht mit Herz und Leidenschaft bei der Sache sei - ob am Seitenrand bei Heimspielen oder als "Hütchenspieler" in Erfurt nach einer versiebten Kieler Chance, was Wück albernerweise einen Tribünenplatz einbrachte ("Ich habe sehr viele Erfurter Schimpfwörter kennengelernt"). Und auch im Pressegespräch am Donnerstag vertrat der Trainer energisch seinen Standpunkt, dass er kein Problem darin sehe, auch über das Internet Einblicke in seine Arbeit zu geben und einfach seine Meinung kundzutun, sofern er dies bereits schon gegenüber der Mannschaft getan habe.
Dabei weiß man eigentlich gar nicht, ob der Dissens zwischen Mannschaft und Trainer wirklich so groß ist, wie er berichtet, spekuliert oder diskutiert wird. So bescheinigt Wück seinen Schützlingen, in der zweiten Halbzeit in Erfurt "100% für den Verein" gegeben zu haben und beantwortet Fragen nach einem zu verpflichtenden "Knipser", dass er auf seinen jetzigen Kader baue.
Klar ist aber, dass jeglicher Diskussion darüber, ob der Trainer eine Online-Plaudertasche und ein Offline-Choleriker ist oder die Mannschaft nur aus "Beckenrandschwimmern" und Memmen besteht, völlig die Grundlage entzogen würde, wenn man Osnabrück am Samstag weghaut. Und da wiederum vertraut der Schreiber darauf, dass das Mannschaft und Trainer gemeinsam hinbekommen, dass Hütchen oder ARD-Kamera Nähe Trainerbank heil bleiben und am Ende nur die Werbebanden im Gästeblock den einen oder anderen wütenden Tritt abbekommen haben werden.
Merkwürdigerweise hat man nach dem bisherigen Saisonverlauf eher Vertrauen darauf, dass Kiel ein Spitzenteam schlägt als irgendwelche Graupen wie Dynamo, Bayern oder Wuppertal. Gegen vier Mannschaften der aktuellen TOP 5 der Tabelle hat Kiel bereits gespielt und holte dabei beachtliche 7 Punkte, bei den FLOP 5 steht dagegen eine glatte Null. Mit dem aktuellen Tabellendritten VfL Osnabrück kommt dabei ein Team an die Förde, das durch vielerlei "Vorgeschichten" und einem zahlenmäßig ordentlichen Anhang nicht nur besonders reizvoll als Gegner ist, sondern auswärts bisher sehr unbeständig spielt und nicht nur deswegen schlagbar ist.
Dabei fallen einem unter "Vorgeschichte" sicherlich die Kieler Schützenhilfe beim Osnabrücker Aufstieg im Jahre 1999, großartige 3:2 Siege in der Saison 05/06 oder das 2:0 unter Böger, aber auch die furchtbare 2:3 Auswärtsniederlage im Mai 2007 ein, wo sich der VfL mit drei Toren in den letzten 15 Minuten ins Aufstiegrennen zurückschoss und Kiel nicht mehr aus eigener Kraft den eigenen Abstieg verhindern konnte. Und natürlich gibt es da noch die Personalien Niels Hansen und Björn Lindemann, die in ihren Spielerprofilen auf vfl.de jeweils "Holstein Kiel" als Lieblingsgegner in dieser Saison nennen. Fragt sich nur, wie man das eigentlich auffassen soll. Hansen gehört sicherlich zu den Spielern, dessen Weggang in Kiel unisono bedauert wurde. Was aber Lindemann - in Osna derzeit top - angeht, ist von totaler Verklärung bis beißendem Spott alles dabei, wenn man Stimmen im Kieler Fanlager hört. Freunde der gepflegten Gegnerbeleidigung dürfen sich vermutlich auf den einen oder anderen Spruch von den Rängen freuen, ohne dass man da auf aktuelle Zeitungsenten zurückgreifen müsste. Und über Reichenberger ließ sich sowieso schon immer lästern.
Was die Personalsituation auf Kieler Seite angeht, so scheint es verletzungsmäßig gerade immer die Spieler zu treffen, die gerade eine gute Leistung abgeliefert hatten. Derzeit ist beispielsweise unklar, ob der Rücken- und Oberschenkelproblemen leidende Christian Jürgensen, einer der Aktivposten in Erfurt, überhaupt zum Kader gehören wird. So wird sich angesichts der Langzeitverletzten und noch nicht völlig genesenen Spielern wie Tim Siedschlag oder Sven Boy (Trainingsrückstand) die Mannschaft fast schon von alleine aufstellen.
Mit dem Rücken zur Wand, ersatzgeschwächt und gegen ein Spitzenteam: Das sind die altbewährten Zutaten für einen Kieler Sieg.
3:0 - und tschüss, Lila-Weiß!
P.S.: Nicht vergessen, Sonntag, 18 Uhr, Fanstammtisch im McLangs!
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