Autor: n.h.
Zum 100-jährigen Jubiläum der deutschen Meisterschaft von Holstein Kiel, im Jahr 2012, wird laut einer Prophezeiung der Maya die Welt untergehen, wie man dieser Tage auch im Kino erfährt. Allerdings wird die Sache halb so schlimm: Während Los Angeles optisch ansprechend schon längst vom Pazifik aufgemampft sein wird und der eine oder andere Kontinent entweder schon komplett in den Dutt gegangen ist oder bereits so tiefe Falten wie das Gesicht von Keith Richards aufweist, werden weltweit noch alle Mobilfunkmasten funktionieren, damit man sich noch standesgemäß pathetisch per Handy von den Seinen verabschieden kann. Und auch das Datum des Weltuntergangs, der 21.12.12, ist tröstlich: die KSV-Jubiläumsfeier wird vermutlich bereits um den 26. Mai herum stattfinden - und das nimmt man dann doch noch gerne mit.
Wesentlich katastrophaler in den Folgen, völlig unrealistisch in der Handlung und nicht mal mit irgendwelchen geilen Special Effects aufgemotzt war hingegen das Ereignis, das sich am 3.6.2007 vor 300 mitgereisten Holsteinern im Erfurter Steigerwaldstadion abspielte: Abstieg in die vierte Liga mit 48 Punkten, die KSV gedemütigt als absolute Lachnummer des norddeutschen Fußballs.
Und so wird es am Samstag vielleicht manch einen geben, der lieber traumatische Erinnerungen oder auch über 20 Stunden Wochenendticket-Tour vermeiden will und stattdessen z.B. drei Stunden harmlose Entspannung beim neusten Roland-Emmerich-Film sucht. Schätzungsweise 150 KSV-Anhänger werden trotzdem nach Erfurt aufbrechen und sehen hoffentlich dabei eine Kieler Mannschaft die so spielt, als hätte sie in Erfurt "nichts zu verlieren" (Zitat Christian Wück am Donnerstag).
Laut Trainer sind die personellen Vorraussetzungen auf Kieler Seite auf dem Wege der Besserung, allerdings hat z.B. Sven Boy, der an sich wieder einsatzfähig ist, eine Magen-Darm-Grippe erwischt. Zumindest bei Holger Hasse besteht aber die Chance, diesen nach langer Verletzung wieder bei einem Punktspiel zu sehen.
Die Testspieler Zimmerman und Chitsulo, die beide eigentlich einen guten Eindruck bei der Testspiel-Niederlage gegen Pauli hinterließen, werden die KSV allerdings nicht verstärken: Man werde nur Spieler verpflichten, die zu annähernd 100% überzeugen und ins Team passen würden. Es wäre kein gutes Zeichen, z.B. einem Spieler wie Florian Meyer einen Chitsulo vorzusetzen - auf der entsprechenden Position sei man derzeit bereits gut bestückt.
Auf Erfurter Seite wird man derzeit den hohen Erwartungen nicht gerecht: Hat man vor der Saison einen Aufstieg in die zweite Liga anvisiert, so trennen die Thüringer derzeit weniger Punkte vom Tabellenende als von der Spitze - was in dieser kuriosen Liga aber auch heißt, dass Erfurt als Tabellenzwölfter trotzdem nur vier Punkte vom Relegationsplatz entfernt ist. Dementsprechend wünscht sich Wück gegen wenig konstant spielende Erfurter, dass eine kompakte Holstein-Elf "schlechte Stimmung" ins Steigerwald-Stadion bringt.
Der Schreiber tippt, das die "schlechte Stimmung" tatsächlich nur die Heimblöcke erfassen wird, denn die KSV wird sich wieder ganz ohne Special Effects einen 1:0 Auswärtssieg holen, der dieses Mal aber alles andere als Weltuntergangsstimmung bei den Gästefans verbreiten wird.
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