Vermutlich werden die mindestens 22 Sandhausener Fans, die bereits Samstag morgens mit einem Bus in Kiel ankommen wollen, zum Anpfiff um 14 Uhr mehr von Kiel gesehen habe als der neue Holstein-Trainer in den letzten 20 Tagen. Eine Fußgängerzone habe er gesehen und dabei erst auf den zweiten Blick realisiert, dass dort mitten in der Innenstadt ein Schiff (Stena?) im Wasser läge und es sich nicht um ein Gebäude handele, so Christian Wück am Mittwoch beim Fantreff.
Ansonsten habe er eben sehr viel gearbeitet.
Davon, dass der neue Übungsleiter auch noch viel Arbeit vor sich hat, konnte man sich beim verlorenen Auswärtsspiel in Wiesbaden überzeugen.
Die Mannschaft sei ihm derzeit noch "zu lieb" - leicht süffisant erzählte Wück eine Anekdote vom Mittwochs-Training, dass ein Spieler im Anschluss zu ihm gekommen sei, um sich dafür zu entschuldigen, dass er während des Trainings einen Mitspieler angeschrieen habe. Ob man am Samstag schon mehr "Torgeilheit" und "positive Aggressivität" beim Spiel gegen die Gäste aus der baden-württembergischen 15.000 Seelen-Gemeinde sehen wird?
Als vor ein paar Tagen auf der Holstein-Homepage ein erster Vorbericht mit "Spitzenteam im Holstein-Stadion" überschrieben war, musste man sich im ersten Augenblick ein wenig die Augen reiben. Aber in der Tat ist der SV Sandhausen mit 7 Siegen und 28 Toren aus 13 Spielen derzeit auf dem Relegationsplatz für Liga 2 und hat in seinen Reihen mit Regis Dorn einen Stürmer mit fast so guter Trefferquote wie Michael Holt. Vergessen sollte man aber auch nicht, dass die KSV als bisher einzige Mannschaft der Liga den aktuellen Tabellenführer Offenbach vor heimischen Publikum schlug - warum also nicht im Holsteinstadion die Nummer drei schlagen?
Apropos Holsteinstadion: Durch die ganze Trainerwechselei der letzten Wochen ist hier versäumt worden, ein paar Dinge aus dem Fanrat zu berichten. Was das als unzureichend empfundene Catering im Holsteinstadion angeht, so ist derzeit der Grill direkt vor dem Holsteiner Gasthaus der "Teststand" für Neuentwicklungen im Stadionwurstsektor. Testet das doch mal bitte aus, ob die Wurst da besser schmeckt und gebt den Leuten vom Grill entweder direkt ein Feedback oder lasst es den Fanbeauftragten Eures Vertrauens wissen (siehe z.B. Impressum). Eventuell gibts die Wurst - vielleicht auch Erbsensuppe - dann im ganzen Stadion.
Etwas weniger appetitlich, aber passend zur europaweiten Aktionswoche gegen Diskriminierung im Fußball: Sollten wieder - wie einmal geschehen vor den Wahlen - bei einem Heimspiel im Stadion Gestalten auftauchen, um völkische Pamphlete unter die Leute zu bringen, dann sagt den Fanbetreuern oder dem Ordnungsdienst direkt Bescheid, die sich des "Problems" dann annehmen. Ist besser, als dass Ihr Euch und andere mit "direkter Aktion" gefährdet.
Um noch positiv beim Thema Stadion die Kurve zu kriegen: Der Verein spendiert nun die lange ersehnten Seifenspender für die Damentoiletten. Nachdem solche Fananliegen in der Vergangenheit mehrere Abteilungen bei der KSV nebeneinander, nacheinander und vielleicht auch gegeneinander agieren ließen und eventuell auch in Hinsicht auf die Interessen der Hauptsponsoren sehr sorgfältig abzuwägen waren, so dass man dann vielleicht ein Jahr später einen neuen Versuch starten konnte, war es nun anscheinend wieder KSV-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke, der ein Machtwort sprach. Herzlichen Glückwunsch!
Einen Glückwunsch wird man nach Ansicht des Schreibers allerdings auch Christian Wück nach dem Spiel aussprechen können, da die Fans SV Sandhausen bei einem großartigen 3:1 Heimsieg merken werden, dass es im Stadion zwar keine Fischbrötchen, aber dafür Kreide zu (fr)essen gibt.