Autor: KSV-Jannis
Das altehrwürdige und ehrenvolle Holstein-Stadion feiert heute seinen 100 Geburtstag. Dieses historische Ereignis veranlasste mich dazu, eine kleine nostalgische Zusammenfassung zu den Anfängen unseres traditionsreichen Platzes zu schreiben.
Die Zeitreise beginnt vor dem Ersten Weltkrieg (1914).
Die sportliche Ertüchtigung erfreute sich in dieser Epoche stetig und homogen durch alle Gesellschaftsschichten hindurch einer steigenden Beliebtheit. Durch den Wandel in der Arbeitswelt (Industrialisierung) und durch das neuzeitliche Phänomen der „Freizeit“ begünstigt, begannen verschiedene Gesellschaftsschichten sich in Vereinen, Gesellschaften, Verbindungen oder Bünden zu organisieren, um dort die ersehnte Ruhe oder das Kraft und Energie verleihende Gemeinschaftsgefühl zu finden. Diese vielen, um die Jahrhundertwende neu gegründeten und wachsenden Vereine brauchten Platz und Räume. So kam es schlussendlich, dass auch unser Verein Holstein Kiel sich eines Tages mit der eigenen „Platzfrage“ konfrontiert sah.  Einweihung des Holstein-Platzes am 15.10.1911
Vor dem Bau des Holstein-Platzes am 15. Oktober 1911 teilte Holstein mit anderen Kieler Fußballmannschaften oder mit Schulen, die dort ihren Schulsport ausübten, seine Sportplätze, was auf Dauer unbefriedigend war. Man spielte z.B. auf dem Gutenbergplatz, dem Exerzierplatz und seit 1907, wie sein späterer Fusionspartner der 1. KFV, am neu eröffneten städtischen Sport- und Spielplatz an der Eckernförder Chaussee. So zwangen die Verhältnisse den Verein, sich nach einen eigenen Sportplatz umzusehen. Nach dem Gewinn der ersten Norddeutschen Meisterschaft 1910 wurden die Rufe nach einer eigenen Sportplatzanlage immer lauter und konkreter. Jedoch fehlten der jungen Schülertruppe von Holstein damals die finanziellen Mittel, um ein Gelände zu kaufen. Der Verein war deshalb darauf angewiesen, ein Gelände zu pachten, damit man noch genügend Mittel zur Verfügung hatte, um die weiteren an einen Sportplatz gestellten Ansprüche (Kosten) erfüllen zu können.
 Erste Tribüne Nach langer Suche (u.a. auch in Kronshagen und Suchsdorf) fand man unter Mithilfe des Meisterschaftsschützen Ernst Möller im April 1911 eine geeignete Fläche am Mühlenweg an der Projensdorfer Straße, die sogenannten "Witthöftschen Koppeln". Der Norden von Kiel, genauer der Stadtteil Wik, war um die Jahrhundertwende durch die Marine und Eingemeindung 1893 am prosperieren und um 1911 schon mit der Straßenbahn erreichbar. Der Vorstand stimmte u.a. auch aufgrund der genannten guten logistischen Bedingungen zu und so wurde im Mai 1911 ein 10 Jahre langer Pachtvertrag mit der Familie Witthöft abgeschlossen. 15 ältere Holstein Mitglieder nahmen die Bürgschaft von 7.000 Goldmark auf sich und ermöglichten so die finanzielle Basis des Unternehmens Holstein-Platz. Im folgenden Monat wurden schon die ersten Erdarbeiten in Angriff genommen und kurze Zeit später folgte die Planierung, Umzäunung, die Rasenanlage, die Wasserleitungen und das Kassenhäuschen. Die zweite Tribüne Nachdem die Infrastruktur stand, waren sich die Holstein-Mitglieder einig, dass eine Tribüne her musste. Diese diente nicht nur dem Wohl des Zuschauers, sondern wäre auf Dauer auch selbst in finanzieller Hinsicht ein erheblicher Vorteil für den Verein. Die Kosten für die 200 Sitzplatz starke Holztribüne kalkulierte man auf 3.500 Goldmark und wurden durch 5 Jahre unverzinsliche Schuldscheine á 10 Goldmark von den Mitgliedern getragen.
So kam es schlussendlich nach viermonatigem Engagement zur Einweihung des Platzes am 15. Oktober 1911 durch ein Freundschaftspiel gegen Preußen Berlin (damals einer der stärksten Mannschaften), das 3:4 verloren ging. Am Ende beliefen sich die Gesamtkosten nach der Schlussabrechnung bei ca. 14.500 Goldmark (8.800 Platz und 5.700 Tribüne), die innerhalb kurzer Zeit abgedeckt werden konnten, so dass 1913 ein zusätzliches Stück Land (Steensche Koppel) für 10 Jahre gepachtet wurde, um ein zweites Spielfeld herzurichten welches u.a. auch der frühen Jugendarbeit diente.
 Vereinsmagazin Novermber 1950 mit der Schenkungsurkunde der Stadt Kiel Während des ersten Weltkrieges ruhte der Ballsport größtenteils und der Platz verfiel ein wenig, bis der Spielbetrieb wieder allmählich auflebte. Aufgrund der stetig sich steigernden Beliebtheit des Fußballsports, sah sich der Verein nach dem Ersten Weltkrieg gezwungen, den steigenden Zuschauerzahlen Tribut zu zollen und man entschloss sich das Areal zu erweitern. Deshalb kaufte man 1921 für den Kaufpreis von 10 Goldmark pro m² von den Eigentümern Heinrich und Hermann Witthöft die etwa 10.000 m² große Fläche und begann mit der Erweiterung des Platzes. So vergrößerte sich der Platz stetig und wuchs und wuchs und wuchs ... Hiermit beende ich auch meine kleine historische Rückblende über die Gründungszeit des Holstein-Platzes. Weitere Infos zur Geschichte des Holstein-Stadions kann man auf der Holstein-Homepage unter der guten Rubrik Stadion-Ticket>Geschichte erfahren (s. u. unter Links).
Historisch nicht unbedeutend, lässt sich mit Stolz noch sagen, dass unser Holstein-Stadion eines der 20 ältesten Wettkampfstätten in der langen Deutschen Fußballhistorie ist und durch die Modernisierung und Abrissen von alten anderen Stadien in der Tabelle der alten Wettkampfstätten stetig steigt. Ich als Holstein Fan wünsche mir abschließend, das der Verein durch seine finanziell bisher wohl stärkste Vereins-Epoche das Gelände wieder von der Stadt Kiel kauft und somit ohne die behördlich bürokratischen Barrieren in Zukunft wieder eigenständig über das Areal bestimmen kann.
Auf weitere 100 Jahre Holstein-Stadion, mit Freude, Leid und allen anderen Emotionen, die diesen historischen Ort, für viele Generation von Holstein Fans zu einer zweiten Heimat gemacht hat.
Passend zu diesem historisch, nostalgischen Ereignis, unser Farben Lied aus der zweiten Vereinszeitung vom 1. Dezember 1909 (die erste Vereinzeitung von Holstein erschien am 1. November 1909, vom 1. KFV im September 1909)
Freunde, lasst das Lied erschallen,
das von Holsteins Farben singt,
was sie zeigen, was sie lehren,
wie bei uns die Lösung klingt.
Blau-Weiß-Rot, so sieht man leuchten
Holsteins Farben auf dem Plan,
wo man nur durch Mut und Stärke
einen Sieg erringen kann.
Blau, die Farbe ew´ger Treue,
möge zeigen, das wir treu
unseren Sport betreiben werden
jeden freien Tag auf´s neu.
Weiß und rein, so wie die zweite,
bleibe unser Ehrenschild,
denn die Ehre zu bewahren,
sind wir alle stets gewillt.
Rot, der Liebe flammend Zeichen,
sage klar, was und gefällt.
Denn wir lieben alles Schöne,
alles Gute auf der Welt.
Blau-Weiß-Rot mög´uns erinnern,
das die Treu und Einigkeit
soll in Holstein sein vorherrschend
noch bis in die fernste Zeit.
(Melodie: Strömt herbei, ihr Völkerscharen)
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